Abraham Ashkenasi
Abraham Ashkenasi (1934 in New York City) ist ein US-amerikanischer Politikwissenschaftler.In seiner wissenschaftlichen Karriere, die nicht nur an deutschen, sondern auch an vielen europäischen, amerikanischen und israelischen Universitäten stattfand, entwickelte er sich zu einem der renomiertesten Politikwissenschaftler mit den Schwerpunkten Nahostpolitik, Ethnologie, Migration und Minderheiten. Seine letzte Professur bestand am Otto-Suhr-Institut der Freien_Universität_Berlin, welche er über 30 Jahre innehatte. Darüber hinaus war er Vorsitzender des Europäischen Migrationszentrums (EMZ) in Berlin, einer Organisation mit den Themengebieten Ethnizität und Migration und war deshalb auch Abteilungsleiter der FU-Forschungsstelle Arbeitsmigration, Flüchtlingsbewegungen und Minderheitenpolitik.
Zusammen mit Ferhad Ibrahim arbeitete er bis 2004(?) am Institut für Internationale Politik und Regionalstudien des Fachbereichs Politikwissenschaften (Politologie) der FU (Otto-Suhr-Institut). Trotz seiner amerikanisch-jüdischen Herkunft erwarb er sich mit Kritik an der Politik Israels und dem Feindbild der US-Medien (sowie Kritik am Nationalismus an sich) auch den Respekt muslimischer Studenten. Zuletzt aber kritisierte er auch palästinensischen Radikalismus und vermeintliche Nazi-Verbindungen.
Auch nach seiner Emeritierung an der FU-Berlin ist seine Expertise noch immer sehr gefragt.
Angaben zu selektierten Werken
Als Autor zahlreicher Bücher, insbesondere über die arabische Bevölkerung in Jerusalem, die er überwiegend in den 80er und 90er Jahren publizierte, werden hier nur drei seiner bekanntesten Publikationen ?Palestinian Identities and Preferences: Israel´s and Jerusalem´s Arabs?, ?The Future of Jerusalem? und ?Perspektiven im Zypernkonflikt?, die im Folgenden näher erläutert .
Palestinian Identities and Preferences: Israel´s and Jerusalem´s Arabs
In seinem Buch ?Palestinian Identities and Preferences: Israel?s and Jerusalem?s Arabs?, das 1992 erschien, bietet Abraham Ashkenasi einen Einblick in Identitätsfindungsprozesse im Nahen Osten. Er erklärt die soziologischen Strukturen des ethnischen Konflikts in den arabischen Gebieten Israels und untersucht deren politische Entwicklung vor 1967 und nach 1967. Zentrales Augenmerk legt er dabei einerseits auf die jüdisch-arabischen Beziehungen, andererseits aber auch auf die Beziehungen innerhalb der palästinensischen Gemeinschaft, die sich in ihrer sozialen, ökonomischen und religiösen Beschaffenheit als sehr zersplittert darstellt.
The Future of Jerusalem
?The Future of Jerusalem?, das nur in englischer Sprache erschienen ist. Es stellt den 11. Band einer Reihe soziologischer und politologischer Untersuchungen zu den Themenkomplexen Ethnien, Regionen und Konflikt dar.
Das Buch ist eine Zusammenstellung verschiedener Texte diverser Autoren (Michael Romann, Ifrak Silberman, Ephraim Ahiram, Hamad Elayan und Haviva Bar), die die sozialen, wirtschaftlichen und ethnischen Bedingungen in Jerusalem untersucht. Ashkenasi hat für dieses Buch von 1992 bis 1996 mit der Unterstützung diverser Institute recherchiert und eine Reihe von Autoren ausgesucht, die sich intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt haben.
Das Buch analysiert die aktuelle Situation in der geteilten Stadt Jerusalem, die in der Mehrheit von jüdischen Bürgern bewohnt ist, jedoch auch eine arabische Minderheit hat. Die Teilung ist nicht nur politischer, religiöser und ethnischer Natur, sondern auch wirtschaftlicher. Jerusalem ist einerseits ein Ort, in dem große Konflikte ausgetragen wurden und werden, andererseits aber auch eine Stadt, deren Wirtschaft funktionieren muss. Tatsächlich ist die wirtschaftliche Entwicklung in den letzten Jahrzehnten positiv verlaufen. Profitiert hat jedoch vor allem der israelische Sektor, während der palästinensische Teil weniger floriert. Trotzdem, so argumentiert Ashkenasi, ist der palästinensische Sektor Jerusalems doch noch um einiges wohlhabender als andere arabische Siedlungen im Gazastreifen und Westjordanland.
Ashkenasi unterstreicht die Tatsache, dass auf Grund der politischen, ethnischen und religiösen Konflikte in der Region mögliche ausländische Investoren abgeschreckt werden und dass als Konsequenz dessen die wirtschaftlichen Bedingungen vor allem im Osten Jerusalems, dem arabischen Teil der Stadt, nicht so leicht verbessert werden können. Jedoch spielen nationalistische Konzepte in den Köpfen vieler Vertreter beider Seiten eine weitaus wichtigere Rolle als ökonomische Überlegungen.
Er schließt mit der Aussage, dass sich zunächst einmal die Denkweise der Menschen in der betroffenen Region ändern muss, bevor es überhaupt zu einer territorialen Neugestaltung des Gebietes kommen kann.
Perspektiven im Zypernkonflikt
Eines der langwierigsten und hartnäckigsten Probleme zeitgenössischer internationaler Politik ist der Zypernkonflikt. Diese Publikation zeichnet nicht nur die Geschichte des endogenen ethnisch-religiösen Konflikts beider, seit 25 Jahren getrennt lebender Volksgruppen Zyperns nach, sondern stellt auch die exogenen Interessendivergenzen um die geopolitisch günstig gelegene Mittelmeerinsel zwischen den USA, Großbritannien, der ehemaligen Sowjetunion, der UNO sowie den rivalisierenden Nationalismen der Mutterländer Türkei und Griechenland nach. Die Beiträge zu gewählten wichtigen zypernpolitischen Themen, wie beispielsweise zur Einschätzung des angekündigten EU-Beitritts oder der gemeinschaftlichen Aktivitäten zur Einschätzung griechischer und türkischer Zyprioten auf lokalpolitischer Ebene (Nicosia Master Plan, Volksgruppengespräche etc.) geben darüber hinaus einen aktuellen Einblick in die Möglichkeiten und Grenzen moderner Konfliktlösungskonfliktlösungskonzepte am Beispiel des längsten Vorortengagements der UNO.
Biblographien
* Reformpartei und Außenpolitik, interne Auseinandersetzungen über die Außenpolitik der SPD Berlin (1968)
* Weltmacht USA (1969)
* Nationenbildung, Nationalstaat, Integration (1972)
* Modern German nationalism (1976)
* Das weltweite Flüchtlibgsproblem (1988)
* Nationalism and national identity (1990) ISBN 3-923446-63-2
* Palestinian identities and preferences, Israel?s and Jerusalem?s Arabs (1992)
* Der Friedensprozess im Nahen Osten, eine Revision (1997)
* The future of Jerusalem (1999)
* Perspektiven im Zypernkonflikt (2002) ISBN 3-631-35675-7
Weblinks
• Homepage des Europäischen Migrationszentrums

