Twistringen
Twistringen (plattdeutsch Twustern) ist der Quellort der 1824 wurde die Gemeinde dem Bistum Osnabrück zugeordnet. Bis heute bleibt Twistringen als "konfessionelle Insel" überwiegend katholisch geprägt.
Unter französischer Herrschaft 1811-1813 erhielt der Ort mit der "Napoleon-Straße" (heute Bundesstraße 51) eine modernere Straßenanbindung. 1817 kam Twistringen zum Königreich Hannover.
Erst mit dem Bau der Eisenbahnlinie Bremen-Osnabrück (Eröffnung am 15. Mai 1873) siedelten sich wieder Lutheraner in Twistringen an. Diese gründeten 1891 eine evangelisch-lutherische Gemeinde und weihten 1894 ihre eigene Kirche ein.
In Twistringen gab es auch eine kleine jüdische_Gemeinschaft und bis 1938 eine Synagoge, an die heute eine Gedenktafel erinnert. Außerhalb des Ortskerns gibt es noch einen jüdischen_Friedhof.
Im Jahr 1964 erhielt die Gemeinde Twistringen die Stadtrechte. 1974 entstand die "Einheitsgemeinde Stadt Twistringen" mit den Ortschaften Abbenhausen, Altenmarhorst, Heiligenloh, Mörsen, Natenstedt, Rüssen, Scharrendorf, Stelle und Twistringen.
Bedeutung der Strohverarbeitung
Über Jahrhunderte spielte in Twistringen die Strohverarbeitung eine bedeutende Rolle. Zeitweise war ein Drittel der Einwohner (in Fabriken und in Heimarbeit) in diesem Industriezweig beschäftigt. Hergestellt wurden u.a. Strohhüte, Ummantelungen für Weinflaschen (so genannte Malotten) und Trinkhalme. Die Artikel wurden in zahlreiche Länder exportiert. Das Museum der Strohverarbeitung dokumentiert die Geschichte und Entwicklung dieser Industrie von ihren Anfängen bis in die Gegenwart.
*Größter Strohhut der Welt
Zur Feier des 750-jährigen Jubiläums der Stadt Twistringen im Jahr 2000 wurde vor dem Rathaus ein riesiger Strohhut angefertigt, der einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde brachte. Mit einem Durchmesser von etwa 5,50 Metern stellt der Hut eine 20-fache Vergrößerung eines "Kreissäge-Hutes" aus den 1920er Jahren dar. Zur Feier kam auch der aus Twistringen stammende TV-Moderator Reinhold Beckmann. Der Hut ist heute im Museum der Strohverarbeitung zu sehen.
Frühgeschichtlicher Ringwall
Im Ortsteil Stöttinghausen befindet sich die so genannte Hünenburg. Zu sehen ist ein Ringwall mit einem Durchmesser von etwa 80 Metern. Es handelt sich hierbei um die Reste einer frühgeschichtlichen Wehranlage aus dem 5. bis 9. Jahrhundert. Eine Untersuchung des Wallinneren ergab 1932, dass sich einst mehrere Gebäude darin befanden. Im Jahr 2005 wurde das hölzerne Eingangstor zur Hünenburg rekonstruiert. Hierdurch erhielt die Ringwallanlage wieder einen annähernd burgähnlichen Charakter.
Geologische Funde
Überregionale Bedeutung hat Twistringen in geologischer Hinsicht erlangt. Bis in die 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurden am Ortsrand in den Gruben der Ziegelei Sunder Tonsteine abgebaut. Es handelt sich um Sedimente der "Urnordsee", die im Miozän, einer Stufe des Tertiärzeitalters, zur Ablagerung kamen. Diese Fundstelle ist Typlokalität der Twistringer Schichten, einem Abschnitt der Reinbek-Dingdener-Stufe. Das Alter dieser Ablagerungen aus dem Mittel-Miozän beträgt in etwa 15 Millionen Jahre.
In den Tonsteinen fand sich eine sehr arten- und individuenreiche Fauna an Schnecken, Muscheln, Grabfüssern (Scaphopoden) und Korallen. Seltener kamen Seeigel, Wirbeltierknochen und -zähne sowie Cephalopodenreste vor. Die Fauna war insgesamt kleinwüchsig und wenig spektakulär. Aber aufgrund der Artenvielfalt (es sind alleine über 250 Schneckenarten aus den Twistringer Schichten bekannt und beschrieben) ergibt sich ein solch exaktes Bild der Tierwelt jener Epoche, dass Twistringen heute zu den "klassischen Fundstellen der Paläontologie" gezählt wird. Funde aus Twistringen befinden sich in zahlreichen Museen und Privatsammlungen.
Flugzeugunglück von 1973
Am 13. November 1973 stürzte ein belgischer Starfighter im Ortsteil Mörsen auf ein Wohnhaus. Der Pilot, ein Feuerwehrmann, der Vater, die Mutter und zwei Mädchen der Familie kamen ums Leben. Ein Junge der Familie konnte sich aus einer Luke heraus retten, bevor das Feuer auf das Wohnhaus übergriff. Das Unglück hinterließ drei junge Waisen.
Partnerstadt
Seit 1977 hat Twistringen eine Partnerstadt in Frankreich, die Gemeinde Bonnétable (4.000 Einwohner) nordöstlich von Le Mans im Département Sarthe. In Bonnétable gibt es eine Straße mit dem Namen "Rue de Twistringen".
Politik
Der Stadtrat von Twistringen hat 30 Sitze zuzüglich des Bürgermeisters. Seit der Kommunalwahl vom 9. September 2001 besteht folgende Sitzverteilung:
• Demokratische Union Deutschlands/'>CDU] - 22 Sitze
• Partei Deutschlands|SPD] - 6 Sitze
• 90/Die Grünen|Grüne] - 2 Sitze
Verkehr
Die Stadt Twistringen liegt an der Eisenbahnlinie Bremen-Osnabrück. Die Verbindung nach Offizielle_Website_der_Stadt
[[lmo:Twistringen/'>Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieges] wurde in Twistringen in großem Ausmaß illegal Schnaps gebrannt und bis in umliegende Orte vertrieben. Die Schnapsbrennerei brachte Twistringen im Volksmund den Beinamen "Brenndorf" ein. Dieser Name ist in der näheren Umgebung Twistringens zum Teil heute noch gebräuchlich.
Literatur
* Bach, O./Kratzsch, F. u. a.: Twistringen - Eine Heimatkunde,1986, 436 Seiten.
* Stadarchiv Twistringen (Hrsg.):750 Jahre Twistringen - Beiträge zur Geschichte einer Kleinstadt zwischen Delme und Hunte, 2000, 304 Seiten.
* Museum der Strohverarbeitung Twistringen (Hrsg.): Strohverarbeitung in Twistringen, 2005, 141 Seiten.
Weblinks
• Offizielle Website der Stadt
[[lmo:Twistringen

