Abai (Griechenland)
Abai (lat. Abae) war eine altgriechische Stadt im Assosthal im Nordosten der Landschaft Phokis. Reste der Stadtmauern und eines Tempels zeigen, dass die Stadt nahe beim heutigen Ort Exarcho lag.Benannt wurde Abai nach seinem mythischen Gründer Abas. Aristoteles berichtet, dass die Stadt von Thrakern gegründet wurde.Aristoteles, Fragment bei Strabon 1,1,3 p. 445. Bekannt wurde Abai durch ein altes Orakelheiligtum des Apollon, von dem allerdings nur geringe Reste vorhanden sind. Dieses Orakel soll unter anderem von Krösus, dem letzten König Lydiens, befragt worden sein. Durch die vielen Anrufungen soll es im 5. Jahrhundert v. Chr. reich an Votiven gewesen sein.Vgl. etwa Herodot 1,46,8; 27,33,133; Sophokles, König Ödipus 899; Strabon 9,3,13 p. 523. Der Tempel wurde 480 v.Chr. während der Perserkriege von dem persischen König Xerxes I. und 346 v. Chr. von den Thebanern im Heiligen Krieg zerstört.Pausanias 10,35,3; Diodor 16,58. Später wurde er von Kaiser Hadrian in kleinerem Maßstab wieder aufgebaut.
480 v. Chr. wurde auch die Stadt von Xerxes I. erobert und kam im Jahr 325 unter thebanische Herrschaft. Beim Eroberungsfeldzug Philipps_II. im Jahr 346 verhielt sich die Stadt neutral und wurde verschont. Im Jahr 208 v. Chr. wurde sie dann doch von den Makedonen unter Philipp_V. angegriffen; das Orakel blieb allerdings abgabenfrei. In römischer Zeit war Abai als heilige Stadt autonom.
Abai wurde nie so bedeutend wie das nur zwei Kilometer entfernte Hyampolis. Der römische Kaiser Hadrian ließ in Abai einen weiteren Tempel errichten. Heute bestehen nur noch Reste einer Befestigungsanlage aus dem 6./5. Jahrhundert v. Chr. und eines Tempels. In den Nekropolen wurden seltene Bronzeobjekte aus hellenistisch-römischer Zeit gefunden.
Literatur
Ernst Kirsten: Abai. In: Der_Kleine_Pauly. Lexikon der Antike in fünf Bänden. Band 1, München 1964, Sp. 2.

