Århus
(erste Schreibweise Aros, dann Aarhus) (deutsch veraltet: Arenhusen) an der Århusbucht im mittleren Jütland ist mit 296.170 Einwohnern (Stand: Januar 2007) die zweitgrößte Stadt Dänemarks. Hier befindet sich seit 1928 eine Universität, vielseitige Industrie und ein Seehafen zum Kattegat.thumb
Geschichte
Der Ort an der Mündung der Au, worauf der Name hinweist, ist seit der Wikingerzeit besiedelt. Die heutige Großstadt ist bereits bei der ersten Erwähnung 948 Bischofssitz (Bistum Århus Bischöfe), obwohl sich Harald Blauzahn erst 960 taufen lässt. 965 und 988 taucht der Name wiederum in deutschen Dokumenten auf. Die Wikinger, die nach archäologischen Befunden die 4 ha große Siedlung gegen 900 gründen und wie die älteren Orte Haithabu, Ribe und Birka mit einem Wall umgeben, hinterlassen im Stadtgebiet sechs Runensteine. 1050 greift der Norweger-König Harald_Hardråda die Stadt an. Die Stadt wird 1060 erneut Bischofssitz, und 1070 wird in der schnell wachsenden Ortschaft der Dom bereits außerhalb des Walls in der neuen Vorstadt errichtet. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts entsteht nördlich des alten Walls die nächste Vorstadt und die St. Olufs Kirche. Als 1191 Peder Vagnsen Bischof von Århus wird, leitet dies eine neue Entwicklung ein, und 1203 wird mit dem Bau des heutigen Doms begonnen. Der alte Dom wird niedergerissen, an seiner Stelle entsteht 1235 die Frue Kirke und ein Kloster der Dominikaner. 1477 wird der erste Wallabschnitt für neue Bauten geschleift. Im 16. und 17. Jahrhundert ist Århus eine regional recht bedeutende Seehandelsstadt, die im Gesamtstaat unter der dänischen Krone jedoch weit hinter Städten wie Kopenhagen, Flensburg und dem im 17. Jahrhundert gegründeten Altona zurückstand.
Erst Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Stadt sich zum Mittelpunkt des neuen Chausse- und Eisenbahnnetzes entwickelt, wird Århus zur größten Stadt in Jütland und überflügelt bald die Konkurrenten Randers und Aalborg. Der Verlust der Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg und damit der wirtschaftlichen Zentren im Süden des bisherigen Gesamtstaats stärkt die Position der Stadt innerhalb Dänemarks.
Das schnelle Wachstum setzt sich im 20. Jahrhundert fort, und Århus entwickelt sich zur Großstadt. 1930 erhält sie die Universität Århus, die zweite überhaupt in Dänemark. Die Stadt ist außerdem Sitz der Handelshochschule Århus, der Architekturschule Århus, des Musikkonservatorium Århus, der Schauspielschule am Theater Aarhus sowie der Dramatikerschule am Theater Aarhus, und ist heute unbestritten das Zentrum Jütlands, obwohl sie über das 2007 aufzulösende Amt Århus hinaus niemals Verwaltungszentrum war.
Europäische Bedeutung
1960 wurde Århus mit dem Europapreis für ihre hervorragenden Bemühungen um den europäischen Integrationsgedanken ausgezeichnet. Am 25. Juni 1998 wurde hier die Aarhus-Konvention unterzeichnet, die seit 2001 als UNECE-Übereinkommen der erste völkerrechtliche Vertrag ist, der jeder Person Rechte im Umweltschutz zuschreibt.
; Entwicklung der Einwohnerzahlen (jeweils zum 1. Januar)
Sehenswürdigkeiten
Sehenswert sind das Den Gamle By [http://www.dengamleby.dk], der Dom zu Århus mit dem Hochaltar von Bernt Notke sowie den Grabmälern und Epitaphien von Thomas Quellinus, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1201 reichen, die Marienkirche mit ihrer Krypta, der Botanische Garten, und das Rathaus von 1941 (Architekt Arne Jacobsen) mit seinem 60 m hohen Glockenturm. Das Stadtbild wirkt durch das schnelle Wachstum der Stadt sehr unharmonisch. Einzelne sehenswerte typische Fachwerkbauten finden sich - außer in Den Gamle By ? noch in der Mejlgade, Vestergade und Skolegade.Nördlich der Innenstadt befindet sich der großzügig angelegte Universitätspark, der die Fakultätsgebäude der Universität Århus beherbergt. Der weitläufige Park mit seinen beiden Seen in der Mitte ist im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel für alle Århusianer. Südlich der Stadt befindet sich das Museum Moesgård. Erwähnenswert ist im übrigen auch das im Südwesten der Stadt gelegene Schloss Marselisborg [http://da.wikipedia.org/wiki/Marselisborg_Slot], welches im Sommer als Residenz der Königsfamilie dient. Bei Anwesenheit der Königin findet die eindrucksvolle Parade zur Wachablösung jeden Tag um 12 Uhr statt. Der Park um das Schloss herum kann kostenlos besichtigt werden, wenn die Königsfamilie nicht anwesend ist.
Sonstige bemerkenswerte Bauwerke
In Århus gibt es einen für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen 216,1 Meter hohen Fernmeldeturm, den Søsterhøj, der 1956 als Hybridturm (Stahlbetonturm mit aufgesetztem abgespannten Sendemast) errichtet wurde. Danmarks Radio sendet von dort aus mehrere UKW-Programme und das 2. Fernsehprogramm.
Wirtschaft
Århus bildet das Handelszentrum von Jütland. Wichtigste Industriezweige sind die Maschinen- und Textilindustrie. Der Hafen exportiert hauptsächlich landwirtschaftliche Erzeugnisse, während die wichtigsten Importgüter Kohle und Eisen sind. Århus ist auch Firmensitz des zweitgrößten dänischen Brauereikonzerns, der Bryggerigruppen ("Ceres").
Verkehr
Als bei weitem größte Stadt in Jütland ist Århus ein wichtiges Verkehrszentrum. So führt die wichtigste dänische Haupteisenbahn von Frederikshavn über Aalborg nach Århus und weiter über Fredericia und Odense nach Kopenhagen. Der Hauptbahnhof von Århus erzwingt jedoch eine Zugwende, da nur die Strecke nach Grenaa nach Osten führt und der Bahnhof für alle anderen Verbindungen ein Sackbahnhof ist. Die Hauptstrecken nach Silkeborg und Viborg zweigen jedoch erst in Skanderborg bzw. Langå ab.
Die E 45 als Dänemarks wichtigste Nord-Süd-Verbindung führt nahe westlich an Århus vorbei. Eine Ost-West-Autobahn nach Herning befindet sich im Bau. Gut ausgebauten Landstraßen verbinden Århus mit allen wichtigen Orten in Mitteljütland.
Der Hafen zählt trotz abnehmender Bedeutung noch immer zu den größeren in Dänemark, sowohl im Fracht- als auch im Fährverkehr. Gegenwärtig (2007) ist er Dänemarks größter Containerhafen, noch vor Kopenhagen.
Der innerstädtische öffentliche Verkehr wird seit 1971 ausschließlich mit Dieselbussen betrieben. Der Name der kommunalen Verkehrsgesellschaft Århus Sporveje erinnert jedoch noch an die frühere Straßenbahn. Die Einführung einer Stadtbahn wird seit einigen Jahren ernsthaft diskutiert.
Ein weit verbreitetes Fortbewegungsmittel ist allerdings das Fahrrad. Auf eigens angelegten Spuren neben der Fahrbahn für PKWs kann man durch die gesamte Stadt fahren. Außerdem ist es möglich an verschiedenen Punkten der Stadt Fahrräder auszuleihen. Dies funktioniert über ein Pfandsystem ähnlich dem von Einkaufswagen. Für 20 DKK kann man die Fahrräder zeitlich unbegrenzt ausleihen und sie an einem der vielen Ausleihpunkte in der Innenstadt wieder abgeben.
Sport
Im Süden der Stadt liegt das Atletion genannte Sportzentrum der Stadt, das seit 1920 besteht. Das Stadion wird vom Fußballverein Aarhus GF, einem mehrfachen dänischen Meister und Pokalsieger genutzt, der jetzt nur noch in der zweiten dänischen Liga spielt. Daneben spielen auch Handball- Eishockey- und Basketballmannschaften in den ersten Ligen des Landes.
Im Jahr 2005 fand im Atletion die Tischtennis-Europameisterschaft statt.
Ende Juli/Anfang August 2006 fanden in und um Århus die Weltmeisterschaften im Orientierungslauf statt.
Söhne und Töchter der Stadt
Gabriel Axel, dänischer Filmregisseur und Drehbuchautor
Tommy Bechmann, Fußballspieler
Ari Behn, norwegischer Schriftsteller und Prinzgemahl
Robin Yap, Fussballspieler
Anna David, dänische Popsängerin
Inez Bjørg David, dänische Schauspielerin
Marika Elena David, dänische Schauspielerin
Rudi-Marek Dutschke, deutscher Politiker
Gitte Hænning, dänische Schlagersängerin
Max Heindel, dänisch/US-amerikanischer Ingenieur, Autor, Theosoph und Rosenkreuzer
Svend Åge Madsen, dänischer Autor
Ole Rømer, dänischer Astronom
Bjarne Stroustrup, dänischer Informatiker
Helle Virkner, dänische Schauspielerin
Kai Winding, US-amerikanischer Jazzposaunist dänischer Herkunft
Literatur
Arhus Amt: Natur- und Kulturführer für den Kreis Århus 1997. ISBN 87-90099-21-4
Weblinks
• Homepage der Stadt* Das [http://www.svalegangensdukketeater.dk/papiertheater.php Dukketeater Svalegangen] ist das einzige professionelle Papiertheater Dänemarks. Seinen festen Sitz hat es im Theater Svalegangen

