Aachener Königspfalz
Die Aachener Königspfalz ist der wichtigste früh- und hochmittelalterliche Herrschersitz des fränkischen bzw. dann ostfränkisch-deutschen Königreiches. Ihre Bedeutung verdankt sie vor allem dem Umstand, dass sie die Lieblingspfalz des großen fränkischen Königs Karls_des_Großen war. In der Pfalzkapelle der Anlage, dem heutigen Aachener Dom, wurden über einen Zeitraum von 600 Jahren mehr als 30 römisch-deutsche_Könige, die sich in der direkten Nachfolge Karls_des_Großen sahen, gekrönt.
Schon durch ihre bloße Größe ungewöhnlich, wurde sie im äußersten Osten der Kernlandschaft der frühen Karolinger, deren Zentrum um Lüttich und Herstal liegt, errichtet.
Baugeschichte
Schon zu Zeiten des fränkischen Königs Pippins des Jüngeren lassen sich im Gebiet der späteren Pfalz Bauten nachweisen. Diese beschränkten sich wohl aber eher auf Einrichtungen wie die eines größeren zeitgenössischen Gutshofs. Im Jahre 765 wird die Pfalz Aachen als "Aquis villa" zum ersten Mal erwähnt.
Erst Karl der Große lässt die Pfalz gegen Ende des 8. Jahrhunderts
zu einer großen Anlage mit Königshalle (Aula Regia), Pfalzkapelle, Garnison und Gerichtssäälen ausbauen. Karl verfolgte damit das Ziel, ein "Neues Rom" nördlich der Alpen als festen Regierungssitz seines fränkischen_Reiches zu errichten, das sich in der Nachfolge des römischen Reiches sah. Im Winter 804/05 wird die Pfalzkapelle, erbaut durch Odo von Metz, von Papst_Leo_III. geweiht. Zu dieser Zeit sind die wichtigsten karolingischen Anlagen bereits vollendet.
Im Jahre 936 wird in der Aachener Pfalz Otto der Große gekrönt, der damit die Grundlage für die Tradition der Krönung des deutschen_Königs in Aachen begründet.
Im 14. Jahrhundert wird anstelle der Königshalle das Aachener Rathaus errichtet. Zur selben Zeit wird der romanischen Pfalzkapelle ein gotischer Chor angefügt, zahlreiche Kapellen flankieren die Pfalzkapelle von nun an. Nach Bränden 1624 und 1656 wurden die Dächer der Pfalzkapelle 1664 erneuert.
Mit dem Ende der Königskrönungen in Aachen 1531 verliert die Pfalz Aachen ihre Bedeutung als traditionellen Krönungsort deutscher_Könige. Seit 1802 jedoch dient die Pfalzkapelle als Kathedrale für das neugegründete Bistum Aachen.
Beschreibung der einzelnen, wichtigsten Bauten
Die Kaiserpfalz zu Aachen war größer als alle Güter, die je ein Frankenkönig vor Karl_dem_Großen besessen hatte. Ab dem Winter 794/795 ließ sich der fast fünfzigjährige Herrscher regelmäßig in Aachen nieder.
In der nach römischen Vorbildern erbauten Königshalle (Aula Regia) betrieb der Frankenkönig seine Politik. In angefügten Gebäudeteilen wohnte Karl vermutlich mit seiner Familie. Ein zweigeschossiger Verbindungsbau führte zur Marienkirche, der Pfalzkapelle im Süden der Anlage. Der Verbindungsbau nahm wohl im oberen Teil die Hofschule auf, während der untere Bereich wahrscheinlich der Garnison vorbehalten war.
Die Marienkirche, oder Pfalzkapelle, war prächtiger als alle Steinbauten, die es nördlich der Alpen gab. Aus Rom und Ravenna ließ Karl Säulen und Marmor zu ihrer Ausstattung heranschaffen. Ein hölzerner Gang gestattete es dem Herrscher trockenen Fußes von seinen Wohnräumen in die Kirche zu gelangen.
Nach der Kaiserkrönung in Rom, am ersten Weihnachtstag des Jahres 800, bezog Karl die
vollendete Pfalz und machte sie zu seiner dauerhaften Residenz bis zu seinem Tode im Jahre 814.
Literatur
* Günther Binding: Deutsche Königspfalzen, Von Karl dem Großen bis Friedrich II. (765?1240). Darmstadt 1996.
Weblinks
• Artikel zur Pfalz in Aachen
Siehe auch
Karl der Große, Kunst zur Zeit Karls des Großen, Ingelheimer Kaiserpfalz

