8. Sinfonie (Schostakowitsch)
Die Sinfonie Nr. 8 in c-Moll op. 65 von Dmitri_Schostakowitsch entstand im Sommer 1943 und wurde am 3. November des selben Jahres vom Leningrader_Philharmonischen_Orchester unter der Leitung von Jewgeni_Mrawinski, dem sie auch gewidmet war, uraufgeführt.Sie gehört zusammen mit der 7. und 9._Sinfonie zu den sogenannten ?Kriegssinfonien? Schostakowitschs.
Sätze
Das Werk ist nur unwesentlich kürzer als seine 7. Sinfonie und hat fünf Sätze:
# Adagio - Allegro non troppo
# Allegretto
# Allegro non troppo
# Largo
# Allegretto
Der erste Satz ist der längste mit beinahe 30 Minuten. Wie Ludwig van Beethovens 5._Sinfonie beginnt diese mit einem dramatisch gespielten Motiv im fortissimo. Darauf werden die zwei Themen des in der Sonatenform konzipierten Satzes vorgestellt, beide eher lyrisch im Charakter. In der Durchführung wird das zweite Thema immer stärker rhythmisch akzentuiert, nach einem ?Aufschrei? in dreifachem forte kehren die Anfangsthemen marschartig wieder. Überleitend erklingt ein kurzes rezitativisches Solo des Englischhorns, dann schließen die Themen in umgekehrter Reihenfolge den Satz.
Der Komponist beschreibt den kurzen zweiten Satz Allegretto als ?einen Marsch mit Elementen eines Scherzos?. Das Hauptthema entstammt dem Anfangsmotiv des ersten Satzes.
Der dritte Satz - ebenfalls ein Scherzo - ist von durchgehender maschinenhafter Motorik und in seiner brutalen Monotonie ein Abbild des Krieges und dessen Unmenschlichkeit. Schostakowitsch verwendet hier die barocke Form einer Toccata.
Der vierte Satz - Largo - schließt attacca an den dritten an. Er ist der Form nach eine passacaglia, deren Bassthema wiederum aus dem Anfangsmotiv abgeleitet ist. Schostakowitsch hat sich dieser barocken Form des öfteren zur Darstellung tragischer Inhalte bedient. Das Passacaglia-Thema taucht hier in einer Ernsthaftigkeit auf, die in den anderen Sätzen nicht zu finden sind. Ein klarer Hinweis darauf, daß es Schostakowitsch hier um die tatsächliche Trauer der Menschen geht, jenseits des militärischen Heroismus, den er oft in Grotesken darstellt.
Das Finale in C-Dur folgt wiederum ohne Pause, es entwickelt sich zunächst nahezu kammermusikalisch, steigert sich dann langsam und wiederholt den ?Aufschrei? des ersten Satzes. Danach kehrt der Satz jedoch zu seinem ruhigen Anfang zurück und endet in einem C-Dur-Dreiklang, der den Hintergrund für das nun zum letzten Mal erscheinende Anfangsmotiv bildet.
Rezeption
In einem Brief an Isaak Glikman parodierte der Komponist die Reaktionen der Regierung, welche er auf sein Werk erwartete.
?Ich bin sicher, dass es viele kritische Wahrnehmungen geben wird, welche mich zu neuer, zukünftiger, kreativer Arbeit anspornen wird und meinem Inneren ich es ermöglichen, zurückzublicken was ich in der Vergangenheit geleistet habe. Besser als einen Schritt zurück zu machen, werde ich sicher erfolgreich einen Schritt vorwärts tun.? Glikman p. 22.
Die Sinfonie wurde tatsächlich sehr zurückhaltend und eher negativ aufgenommen, die düstere Stimmung und im besonderen das Fehlen eines optimistischen Finales wurden bemängelt. Man warf Schostakowitsch fehlenden Patriotismus vor, da doch die Rote Armee nach dem Sieg in Stalingrad endlich in die Offensive ging. Schostakowitschs Freund Ivan Sollertinsky bemerkte, ?die Musik ist bedeutend stärker und härter als die der Fünften und der Siebten und deshalb ist es unwahrscheinlich, dass sie populär wird?.Mikheyeva, I.I. Sollertinsky:zhizn' i naslediye. Die Regierung antwortete, indem sie dem Werk den Untertitel Stalingrad-Sinfonie gab, im Gedenken an die Opfer der Schlacht von Stalingrad. Die Sinfonie wurde von Sergei_Prokofjew und anderen bei der Komponisten-Vollversammlung im März 1944 kritisiert Fay p. 138 und durch das Schdanow-Dekret von 1948 mit Aufführungsverbot belegt. Erst im Oktober 1956 wurde sie durch eine Aufführung des Moskauer Philharmonischen Orchesters unter der Leitung von Samuil Samosud rehabilitiert. Fay p. 205
Siehe auch
6. Sinfonie (Prokofjew)
Literatur
* Laurel Fay: Shostakovich: A Life. Oxford University Press, Oxford 1999, ISBN 0-19-513438-9
* David Haas: Shostakovich's Eighth: C minor Symphony against the Grain. In: Bartlett (ed): Shostakovich in Context.
* Dmitri Shostakovich, Isaak Glikman: Story of a Friendship: The Letters of Dmitry Shostakovich to Isaak Glikman. Cornell Univ Press, 2001, ISBN 0-8014-3979-5
* Elizabeth Wilson: Shostakovich: A Life Remembered. Princeton University Press, 1994, ISBN 0-691-04465-1
Quellen
Weblinks
• London Shostakovich Orchestra
• An interpretation of the work in words

