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studiInfo Wintersemester 2007/08

„Wir müssen zusammen passen“

Wege zur Traumuni
Gute Schulnoten seien zwar wichtig, räumt Wolfgang Herrmann, Rektor der technischen Universität München, ein, aber die allein reichten nicht, um an der Technischen Universität München einen Studienplatz zu ergattern.

Bereits vor fünf Jahren begann die Hochschule unter Leitung ihres Präsidenten Herrmann damit, ihre Studenten nach ausgeklügelten Auswahlverfahren selbst zu rekrutieren – abseits von ZVS und Quotenregelung. Eine Experimentierklausel im bayerischen Hochschulgesetz machte es möglich.

Im Laufe dieser fünf Jahre, so erklärt Herrmann, habe die Universität eine Menge Erfahrung sammeln können, so dass sie heute mit ihrem Verfahren recht gut da stehe.

Zweistufiges Auswahlverfahren
Die rund fünfzig Studiengänge, die heute an der TU Eignungstests durchführen, wählen die Studienaspiranten in einem zweistufigen Verfahren aus. So senden Abiturienten, die sich um einen Studienplatz im Fachbereich Chemie bemühen, im ersten Schritt ein Motivationsschreiben. Aus diesem Brief soll hervorgehen, ob der Abiturient verstanden hat, was das angestrebte Fach beinhaltet, ob er, so heißt es im Formular „bei seinem Studium Engagement und Zielstrebigkeit erwarten lässt.“

Vorstellungsgespräch als Chance
Alle Studierenden, die in diesem ersten Schritt keinen Studienplatz bei den Münchner Chemikern erhalten, werden zu einem „Eignungsfeststellungsverfahrens- Gespräch“ eingeladen. In diesem Gespräch haben die Bewerber ein zweites Mal die Möglichkeit, ihre Eignung zum Chemie-Studium nachzuweisen – allerdings ohne dass eine chemische Prüfung abgelegt werden müsste. Durchhaltevermögen, Problemlösungskompetenz, Grundverständnis abstrakter Fragestellungen und sprachliche Ausdrucksfähigkeit stehen im Mittelpunkt. Und bei der richtigen Mischung können durchaus Studienanfänger mit etwas schlechteren Abiturnoten eher zum Zuge kommen als Mitbewerber mit einem besseren Durchschnitt.
Für Florian Schweinberger von der Fachschaft Chemie an der TU München ein sehr sinnvolles Verfahren, hätten doch Schulabgänger so die Möglichkeit, jenseits von Abiturnoten ihre Fähigkeit zum Studium nachzuweisen. Vertretbar ist das Verfahren aus seiner Sicht aber nur, weil die Studierendenvertretung im Fachbereich bei allen Auswahlgesprächen anwesend sein muss. „Das ist keine reine Professorenveranstaltung. Wenn kein Vertreter der Studierendenschaft Zeit hat, kann kein Auswahlgespräch stattfinden.“

Der erhebliche Arbeitsaufwand ist Schweinbergers Ansicht schon allein durch die auffällig niedrige Abbrecherquote gerechtfertigt, die seit Einführung des Auswahlverfahrens beständig sinkt.

In diesen sinkenden Zahlen sieht auch Universitätspräsident Herrmann den wesentlichen Vorteil der hausinternen Regelung, zumal hier ja nicht nur die Universität ihre Studierenden auswählt, sondern die Studierenden auch ihre Hochschule. „Wenn man gut zusammenpasst“, erklärt der habilitierte Chemiker, „ist der Studienerfolg auch gut.“ Nur so seien die geringen Abbrecherquoten zu erklären.

Zukunftsaussichten
Um das Profil der Universität in diesem Bereich noch weiter zu schärfen, strebt Herrmann ein fächerübergreifendes System für die Auswahl der Studierenden an. Bislang regeln die Fachbereiche das selbst.

Veröffentlicht in STUDIInfo / Ausgabe 02/07
Verfasst von STUDIInfo


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