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studiInfo Wintersemester 2006/07

Verstaat u Nederlands? Nein? Kein Problem

Sprachbarriere ist kein Hindernis.

Katja Stemmermann studierte an der Westfälischen Wilhelms- Universität die Fachbereiche Kommunikationswissenschaft, Politikwissenschaft und Niederlande Studien. Im Winter- und Sommersemester 2003 war die heute 26-Jährige als Austauschstudentin an der Vrije Universiteit in Amsterdam eingeschrieben. Während ihres Aufenthalts hatte sie nicht nur umfassend Gelegenheit ihre Niederländischkenntnisse zu verbesssern, sondern auch Land und Leute kennen zu lernen. Erlebnisse, an die sich Katja auch heute noch gerne erinnert:

Für ein Austauschjahr in Amsterdam muss man noch nicht einmal Niederländisch lernen, denn hier trifft man die Welt und – wenn man Glück hat – auch die Niederländer. Läuft man in Amsterdam über den Singel zwischen Leidsestraat und Muntplein, so ist eines sicher: Einen wirklichen Amsterdamer wird man zwischen den Ständen mit den vielen nötigen und unnötigen Souvenirs kaum treffen. Dafür trifft man die Welt. Dieses multikulturelle Prinzip, das bereits in der 700 Jahre alten Geschichte auftritt, erlebt man noch heute. Waren es früher jedoch Verfolgte oder Arbeitsuchende, so findet man heutzutage natürlich Touristen, aber auch eine große Gruppe von Austauschstudenten. So ist das Hospitzium oder Guest House der VU (Vrije Universiteit, Amsterdam), das 1.000 Studenten Platz bietet, regelmäßig ausgebucht, auf einen Platz muss man bis zu einem Jahr warten. Da schreckt auch der Fluglärm des nahegelegenen Flughafens Schipol nicht ab, in Amsterdam ist Wohnraum knapp. Dafür ist dort zumindest eines garantiert: Niederländisch spricht wohl nur die Dame an der Rezeption.

„Die meisten der Studenten, die hier wohnen, können kaum ein Wort Niederländisch“, klagt dann auch Evelien de Bruijn, Sekretärin im International Office der VU, „aber wegen der Sprache kommt leider auch kaum jemand hierher.“ Auch wenn die Uni Sprachkurse anbietet, nötig findet sie hier niemand. Viele Kurse an der Uni sind auf Englisch, und in Amsterdam ist die Verständigung auch kein Problem. Selbst kleine Kinder beherrschen die englische Sprache schon sehr gut, wie mir ein etwa neunjähriges Mädchen eindrucksvoll bewies, als ich in sehr gebrochenem Niederländisch nach dem Weg fragte.

Doch auch Amsterdamer freuen sich, dass die Welt zu ihnen kommt: „ Ich habe inzwischen Freunde aus Schweden, Deutschland, den USA und Grossbritannien“, freut sich Marlies, die als Tutorin jedes Jahr eine Gruppe Austauschstudenten betreut. „Dafür musste ich noch nicht einmal in diese Länder reisen, und wenn ich das doch will, kenne ich dort schon jemanden. Das ist doch fantastisch!“

Wie sie denken in Amsterdam viele Menschen. Die Niederländer sind offen für neue Kulturen und Einflüsse. Diese Eigenart lässt sich in Amsterdam besonders gut beobachten, schon alleine an den Restaurants aus aller Welt. Doch wehe man kommt einem der vielen Fahrradfahrer in die Quere oder bezeichnet jemanden aus Friesland als Holländer. Dann hat die fast schon sprichwörtliche Toleranz ein Ende. In einem solchen Fall ist es dann wahrscheinlich auch besser, kein Niederländisch zu verstehen.

Veröffentlicht in STUDIInfo / Ausgabe 02/06
Verfasst von STUDIInfo


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