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studiInfo Sommersemester 2008

Unmittelbare Erfolge

Physiotherapeuten stehen im direkten Kontakt zum Patienten und können oft sehr schnell den Behandlungserfolg beobachten. Von Karsten Peters.

Warum Susanne Matis sich für eine Ausbildung zur Physiotherapeutin entschieden hat, erklärt sie mit wenigen Sätzen: „Ich wollte von vornherein im medizinischen Bereich arbeiten, aber mir war auch klar, dass ich nicht das Durchhaltevermögen hatte, um Medizin zu studieren.“ Als die heute 23-Jährige im Sommer 2001 ihren Realschulabschluss in der Tasche hatte, überlegte sie denn auch nicht lange. Zuvor hatte sie bereits den Tag der offenen Tür an der Eva-Häuser-Schule im westfälischen Bad Rothenfelde genutzt, um sich über die Ausbildung zur Physiotherapeutin zu informieren – und sich für die beginnende Ausbildung anzumelden.

Umfangreiche Ausbildung
Drei Jahre dauert die schulische Ausbildung und umfasst einen Großteil des Stoffes, den auch Ärzte für ihr Physikum nachweisen müssen: Selbstverständlich sind genaue Kenntnisse des Bewegungsapparates aus Muskeln, Sehnen, Nerven, Knochen und Gelenken unbedingt erforderlich, um überhaupt arbeiten zu können. Aber auch die Organe und ihre Erkrankungen spielen eine wichtige Rolle – nur mit dem nötigen Hintergrundwissen können die Therapeuten bei Begleiterkrankungen auf den Patienten eingehen. „Wenn jemand zum Beispiel eine Lungenentzündung hat, muss ich natürlich anders mit ihm umgehen.“
Die anatomischen Grundlagen werden im ersten Jahr der Ausbildung gelegt, im zweiten Jahr kommen Behandlungsmethoden hinzu und es ist an der Zeit, das Gelernte umzusetzen: Einen Großteil der Ausbildung im zweiten und dritten Jahr hat Matis mit Praktika in den Kliniken des westfälischen Kurortes verbracht: Rehabilitation nach schweren Operationen, Remobilisierung in den unterschiedlichsten Bereichen waren die hauptsächlichen Tätigkeiten.

Nach der staatlichen Prüfung im Herbst 2004 begann für Matis eine langwierige Stellensuche. Wurden zu Beginn ihrer Ausbildung Physiotherapeuten noch händeringend gesucht, so war die Nachfrage ein paar Jahre später verschwindend gering. „In Deutschland habe ich keine Stelle gefunden – und mich darum eigentlich nur zum Spaß auf Fuerteventura beworben.“ – mit promptem Erfolg: Zehn Tage nach ihrem Abschluss bestieg Matis das Flugzeug nach Puerto del Rosario. Ein Jahr lang arbeitete die frisch examinierte Therapeutin in einer Praxis auf der kanarischen Insel. Von der Sonne verwöhnt sammelte sie dort viel Erfahrung im Wellness-Bereich, in dem die Chefin der Praxis zahlreiche Leistungen anbot.

Wichtige Weiterbildung
Als zwölf Monate um waren, entschied sich die Berufsanfängerin jedoch, nach Deutschland zurückzukehren, um sich weiterzubilden und künftig auch die manuelle Lymphdrainage anbieten zu können. Aber auch damit war die Stellensuche noch nicht viel einfacher geworden: Erst im Sommer 2006, vier Monate nach Abschluss der Zusatzausbildung, fand sie eine Stelle auf 400-Euro-Basis. Später kam eine halbe Stelle in einer anderen Praxis hinzu und seit August hat sie nun endlich eine volle Stelle als Physiotherapeutin ergattert – ein recht weiter Weg, aber Matis bereut ihre Entscheidung nicht. „Als ich ein halbes Jahr auf Stellensuche war, wollte ich mich an der Schule anmelden und mein Abi nachmachen – aber jetzt bin ich froh, dass ich den Anmeldetermin knapp versäumt habe.“
Die unmittelbaren Erfolgserlebnisse sind es, die Susanne Matis immer wieder für ihren Beruf begeistern: Kinder, die unter ihrer Anleitung Körpergefühl entwickeln oder Gleichgewichtsstörungen in den Griff bekommen, Erwachsene, die nach einer Operation Bewegungsabläufe neu lernen müssen. Dass die Physiotherapeutin eines Tages nach Fuerteventura zurückkehren wird, steht fast außer Frage. „Aber erstmal muss ich für meinen Lebensunterhalt sorgen.“

Veröffentlicht in STUDIInfo / Ausgabe 01/08
Verfasst von Karsten Peters


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