Studentenpilot.de - das Portal für Studenten
20 1 2 21 15 3 4 5 6 16 8 7
Home / Magazine / studiInfo / Ukrainistik an der Uni Greifswald: Geheimtipp für Slawisten

studiInfo Sommersemester 2010

Ukrainistik an der Uni Greifswald: Geheimtipp für Slawisten

Interkulturelle Kompetenz im Umgang mit verschiedenen Volksgruppen ist eine wichtige Qualifikation der Ukrainisten. Darüber hinaus eröffnen die vielfältigen Inhalte des seltenen Studienfachs spannende berufliche Perspektiven in Politik und Wirtschaft.

Greifswald ist neben Wien der einzige Standort im deutschsprachigen Raum, wo Ukrainistik studiert werden kann. „In diesem kleinen Studiengang können wir die Studenten individuell betreuen“, schwärmt Prof. Dr. Alexander Wöll, Inhaber des Lehrstuhls für Ost- und Westslawische Philologie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald. Hier müssten die Studenten außerdem weder Studien- noch hohe Verwaltungsgebühren zahlen.

Ukrainistik bietet viele Arbeitsfelder
„Die Ukraine ist ein spannendes Land: Als Puffer zwischen Ost und West, zwischen Europa und Russland, ist noch nicht absehbar, in welche Richtung sich die Politik orientieren wird“, so Wöll. Die Arbeitsfelder der Ukrainisten sind sehr unterschiedlich. „Viele finden in Berlin eine Stelle bei politischen Stiftungen oder bei der deutschen Botschaft in Kiew“, berichtet Wöll. „Wir haben aber auch Absolventen, die beim Ostausschuss der Agrarwirtschaft oder am Goethe Institut arbeiten. Eine ehemalige Studentin ist bei Microsoft Osteuropa beschäftigt und setzt kyrillische Schriftzeichen in der Software um. Andere Ukrainisten sind journalistisch tätig, arbeiten bei einer katholischen Hilfsorganisation für Osteuropa oder beim Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD).“
Wer sich für das Ukrainistik-Studium in Greifswald entscheidet, erlernt zunächst die Landessprache. Im Sprachkurs Ukrainisch werden die kyrillischen Schriftzeichen, Grammatik, Konversation, Lektüre und Übersetzung der ostslawischen Sprache gelehrt.
Das Studium vermittelt zudem wichtige interkulturelle Kompetenzen. Die Studenten beschäftigen sich beispielsweise mit dem Zusammenleben der verschiedenen Ethnien und Religionsgemeinschaften in der polnisch-ukrainisch-jüdisch-deutschen Bevölkerung der Regionen Galizien und Bukowina oder mit den kulturellen Konstellationen der Krim und der Ostukraine. Die Literatur regionaler Autoren ist hierfür sehr aufschlussreich. Das Land bietet Zugang zu einer Reihe von Kulturen, deren Interaktionen wichtige Erkenntnisse über das Zusammenleben im Zeitalter der Globalisierung liefern können. Mit ihrer komplexen Geschichte eignet sich die Ukraine sehr gut, um die Probleme des Kulturtransfers zu behandeln.

Internationaler Austausch
Ein intensiver Austausch internationaler Studenten und Wissenschaftler findet auf der jährlich veranstalteten Sommerakademie „Greifswalder Ukrainicum“ statt, zu der Studierende, Akademiker und Nachwuchswissenschaftler aller Disziplinen geladen sind. Während der zweiwöchigen Veranstaltung finden Seminare und Workshops statt, in denen die Geschichte, Kultur und Politik des Landes diskutiert werden. Im internationalen Team werden Ukrainisch- Sprachkenntnisse vertieft. Lesungen, Konzerte, Filmabende und Exkursionen bieten lebendige Einblicke in die vielfältige Kultur des nach Russland größten Landes Europas.
„Für das Ukrainistik-Studium interessieren sich sowohl west- als auch ostdeutsche Studierende“, erläutert Wöll. „Wir haben aber auch einige Studenten mit slawischem Hintergrund, die hier ein Auslandsjahr absolvieren.“ Seit dem Wintersemester 2009/2010 bietet die Universität Greifswald außerdem das zwei Semester umfassende „Ukrainicum“ an, das von Studierenden anderer Fachrichtungen, wie Jura oder Medizin, studienbegleitend absolviert werden kann. „Das Ukrainicum vermittelt in sechs Stunden pro Woche fundamentale Sprachkenntnisse und beinhaltet Landes- und Kulturstudien“, erklärt Wöll. „Die Studierenden können sich beispielsweise fächerübergreifend mit osteuropäischem Recht, Geschichte oder Geographie beschäftigen und sind anschließend für die Arbeit in der Ukraine oder mit ukrainischen Partnern qualifiziert.“

Auch Studierenden anderer Universitäten der Region, beispielsweise aus Rostock, Stralsund, Berlin oder Potsdam, steht das Ukrainicum in Greifswald offen.



Ukraine – ein Land im Umbruch

Wer sich für ein Studium der Ukrainistik entscheidet, hat es mit einem spannenden Forschungsfeld zu tun.

Das flächenmäßig zweitgrößte Land Europas befindet sich seit dem Zerfall der Sowjetunion in einem Prozess des Umbruchs, der im Herbst 2004 in der so genannten Orangenen Revolution seinen bisherigen Höhepunkt fand.

Turbulente Präsidentschaftswahlen
Damals erfassten nach den Präsidentschaftswahlen Massenproteste das ganze Land – internationale Wahlbeobachter gingen davon aus, dass Wahlmanipulationen zum Sieg des von Russland unterstützten Premierministers Wiktor Janukowytsch geführt hatten. Schließlich erklärte das Oberste Gericht der Ukraine die Wahl offiziell für ungültig. Bei der Wiederholungswahl siegte der pro-westliche Kandidat der Opposition, Wiktor Juschtschenko, der seitdem mit wechselnden Bündnissen regiert.

Unklare Zukunftsaussichten
Noch ist nicht klar, ob sich das Land auf Dauer eher gen Westen oder gen Russland orientieren wird. Beobachter halten aber langfristig einen EU-Beitritt der Ukraine für möglich.

Veröffentlicht in STUDIInfo / Ausgabe 01/10
Verfasst von STUDIInfo


zurück
Bookmark and Share
Anzeigen





XING - Das professionelle Netzwerk



Über uns | Werbung | Studenten-Shop | Partnernetzwerk | Partnernetzwerk | Impressum & Datenschutzerklärung

Copyright 2012 Aschendorff Verlag GmbH & Co. KG