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studiInfo Wintersemester 2008/09Traumberuf Arzt: Unter verschärften BedingungenVier Wochen, das hat Lisa Lohmeyer sich vorgenommen, will sie in einem der größten Krankenhäuser Ugandas eine Famulatur absolvieren.Für angehende Ärzte schreibt die deutsche Approbationsordnung diese Praktika von mindestens vier Monaten in medizinischen Einrichtungen vor. Die meisten Doctores in spe entscheiden sich jedoch für Kliniken und Arztpraxen in der näheren Umgebung. Anders die 22-jährige Studentin. Gemeinsam mit einem Kommilitonen hat sie im vergangenen Semester ein Seminar zum Thema Tropenmedizin belegt. Im Laufe dieses Seminars wurden beide neugierig darauf, wie die Arbeit unter den Bedingungen eines zentralafrikanischen Landes aussieht und nahmen Kontakt zu verschiedenen Krankenhäusern auf. „Eine Klinik in Ruanda“, so erzählt die Studentin, „hätte uns zwar genommen, aber nur für mindestens ein halbes Jahr.“ Die Heimat verlassen Die Kontaktaufnahme war aber trotzdem nicht vergebens: In Ruanda bekamen die Studenten einen Ansprechpartner in Kampala, der Hauptstadt Ugandas, genannt, ein deutscher Professor, der bereits seit rund 20 Jahren in dem zentralafrikanischen Land als Mediziner arbeitet. Eine vierwöchige Famulatur sei gar kein Problem, lautete die Antwort aus der Klinik in Ugandas Hauptstadt. Ihren gegenwärtigen Studienort Münster lässt Lisa mit gemischten Gefühlen zurück. In der hämatoonkologischen Abteilung der Uniklinik untersucht sie am Mikroskop Zellen von Mäusen auf Krebsindikationen. Im Rahmen eines Forschungsprojekts sollen Zusammenhänge bei der Entstehung von Leukämie ermittelt werden – mitunter eine recht ermüdende Arbeit, wenn sich gar keine Indizien für eine Veränderung von Zelllinien finden ließen. Wenn aber doch plötzlich Unregelmäßigkeiten aufträten, erwache der Forschergeist. „Dann versuche ich herauszufinden, was sich denn dort verändert hat und warum, führe Tests durch und bespreche die Ergebnisse mit den Kollegen.“ Wahrscheinlich, so Lisa, werde aus ihrem Anteil am Projekt die Doktorarbeit – aber so ganz sicher sei das noch nicht. „Man weiß ja nie so genau, ob sich die Ergebnisse am Ende wirklich verwerten lassen.“ Helfen ohne Apparate Auch was sie in Uganda erwartet, liegt noch weithin im Dunkeln. „Die ganzen Apparate, mit denen wir hier selbstverständlich umgehen, stehen dort überhaupt nicht zur Verfügung – selbst wenn wir in einem der großen Krankenhäuser arbeiten werden.“ Auf diese Erfahrung ist sie denn auch besonders gespannt, „schließlich werden wir an der Uniklinik so ausgebildet, dass wir mit den Sonographen und Computertomographen fast täglich arbeiten.“ Eine völlig andere, wahrscheinlich ungenauere Diagnostik erwarte sie – „aber früher hat es ja hier auch funktioniert mit Abtasten und Beobachten.“ Design, Sprachen, Medizin Dass Lisa sich überhaupt für ein Medizinstudium entschieden hat, ist Ergebnis langer Überlegungen – Vater, Tante und Großtante sind Ärzte „und in dem Alter – mit 17, 18 – lehnt man ja eigentlich alles ab, was die Familie so macht.“ Kunst, Fotodesign und Sprachen hätten sie interessiert, „aber vor allem in den künstlerischen Fächern muss man ja unheimlich gut sein, um an einer Akademie aufgenommen zu werden – das hätte ich wohl nicht geschafft.“ Nachdem Lisa sich aber von den Einflüssen ihrer Familie freigeschwommen hatte, stand dann doch Medizin auf den ZVS-Formularen. Jena sollte es sein, „eine schöne Stadt mit hervorragend ausgestatteter Uniklinik – außerdem dachte ich, dass dort der Andrang wohl nicht so groß sein würde.“ Leider ein Trugschluss, wie sich mit dem ZVS-Brief herausstellte. „Der NC war viel zu hoch.“ Aber der zweite Versuch klappte auf Anhieb: Seit Sommer 2005 ist sie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster eingeschrieben. Das halbe Jahr zuvor widmete Lisa ihrem Pflegepraktikum: In Schleswig und Wiesbaden assistierte sie bei der Krankenpflege noch vor Beginn ihres Studiums und hatte so schon vor der Immatrikulation die erste Voraussetzung zur Zulassung zum Physikum in der Tasche. Jetzt, in der klinischen Phase des Studiums, plant sie nun einen Teil der Famulatur in Uganda, jedoch ohne hehre humanistische Ziele dabei zu verfolgen. „Ich habe nicht den Anspruch, die Welt zu retten“, sagt sie. Einerseits sei es vermessen, wenn Europäer sich aufschwüngen, in fremden Ländern Entwicklungshilfe zu leisten, ohne die lokalen Zusammenhänge zu kennen. „Und außerdem kann ich dort ja gar nicht so viel tun“, schränkt sie ihre eigenen Fähigkeiten ein – sie müsse sich erst einmal selbst vor Ort zurecht finden. Aus diesem Grund liegt die vierwöchige Famulatur auch in der Mitte des sechswöchigen Aufenthalts am Viktoriasee. In der ersten Woche wird Lisa sich akklimatisieren, in der sechsten dem Nachbarstaat Ruanda einen Besuch abstatten. Zukunftsaussichten Zurück an der Universität in Münster will sie sich dann mit voller Aufmerksamkeit wieder den Krebszellen widmen, um die Forschungsarbeit für ihre Dissertation voranzutreiben. Dennoch soll der Aufenthalt in Uganda nicht die letzte Station sein, die Lisa im Ausland unternimmt: Eine Klinik in Frankreich ist das nächste Ziel, „die Sprache würde ich gerne lernen, bislang habe ich nur Grundkenntnisse.“ Wann sie den westlichen Nachbarn besucht, steht jedoch noch in den Sternen. Veröffentlicht in STUDIInfo / Ausgabe 02/08 Verfasst von Karsten Peters zurück |
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