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studiInfo Wintersemester 2008/09

Traumberuf Arzt: Christina Greines Herz schlägt für die Kardiologie

Umwege führten Christina Greine zum Medizinstudium und zu ihrem heutigen Job als Kardiologin.

„Fräulein, können Sie mir mal den Rücken eincremen?“ Dieser oder ähnliche Wünsche werden häufi g von Patienten an Christina Greine herangetragen. Und jedes Mal ist die junge Frau hin und her gerissen zwischen Belustigung und Ärger. „Ich habe dafür leider keine Zeit, aber ich hole Ihnen sehr gerne eine Krankenschwester“, lautet die Standardantwort, denn längst habe sie sich daran gewöhnt mit dem Pfl egepersonal verwechselt zu werden.
„Ich bin eben jung, klein und blond, da kann man wohl kein Arzt sein“, zuckt die 28-Jährige die Schultern. Dabei hat Christina Greine bereits im vergangenen Jahr ihr drittes Staatsexamen im Fach Medizin abgelegt, arbeitet seitdem als Ärztin.

Dass sie diesen Beruf später einmal ergreifen wollte, das stand für die ehrgeizige junge Frau schon früh fest. Doch zunächst einmal sah alles danach aus, als ob dieser Wunsch nicht Realität werden sollte. „Ich hatte Angst vor Blut, bin bei Spritzen regelmäßig in Ohnmacht gefallen“, blickt sie stirnrunzelnd zurück.
Mehr aus Vernunft denn aus Leidenschaft entschied sich die Recklinghauserin darum nach dem Abitur, Kommunikationswissenschaft in Münster zu studieren. „Ich habe mich in der Stadt sofort heimisch gefühlt, nur das Studium hat mir keinen Spaß gemacht“, erzählt Christina. Wenige Wochen nach Beginn des zweiten Semesters stand für sie darum fest: „Ich bewerbe mich bei der ZVS um einen Medizin-Studienplatz.“ Gerne sollte es Münster werden, doch das Los schickte sie an die Ruhr-Universität Bochum.

Aller Anfang ist schwer
Chemie, Physik, Biochemie, Anatomie - während der ersten vier Semester musste Christina vor allem Grundlagenwissen pauken. „Ich musste zunächst lernen, zu lernen“, erinnert sie sich. Selbst ihr Horrorfach Physik - „in der Schule hatte ich immer eine Vier“ - schloss sie mit guten Noten ab: „Man merkt schnell, wofür man das braucht und dann macht es auch plötzlich Spaß.“
Gleich im ersten Semester ging es für Christina und ihre Kommilitonen zudem zur Leichenschau in die Pathologie. „,Das schaffe ich nie‘, dachte ich zuerst, aber dann hat ganz schnell die wissenschaftliche Neugier eingesetzt“, blickt die junge Ärztin auf eine erste Herausforderung im Studium zurück. Viel schwerer hingegen fielen der 28- Jährigen ihre Einsätze im OP im Rahmen der Famulatur. „Da bin ich dann doch ein paar Mal umgekippt.“ Um ihre Angst vor Blut endlich zu überwinden, musste darum auch Freund Frank als Versuchskaninchen beim Blutabnehmen herhalten. Doch auch das hat die Jung-Medizinerin mittlerweile im Griff.

Viele Erfahrungen im Praktischem Jahr
Ihr Praktisches Jahr (PJ) absolvierte Christina schließlich am Universitäts-Klinikum in Münster. „Anfangs hatte ich schon tierische Angst, eigenverantwortlich, wenn auch in enger Abstimmung mit den Ärzten, für die Patienten da zu sein“, gibt sie zu. Aber schon nach kurzer Zeit habe sich eine erste Routine bemerkbar gemacht. „Man spürt, dass man Erfahrungen sammelt und diese auch anwenden kann, darum war das PJ eine schöne Zeit“, erinnert sie sich lächelnd. Nach dem erfolgreichen dritten Staatsexamen galt es dann die nächste Hürde zu nehmen: die Stellensuche an einem Krankenhaus, um dort die fünfjährige Facharztzeit absolvieren zu können. Die jedoch gestaltete sich für Christina, die es der Liebe wegen nach Frankfurt verschlug, zunächst schwierig. In ihren ursprünglichen Wunschgebieten Dermatologie und Pädiatrie waren die Aussichten schlecht, darum wich die frisch gebackene Ärztin auf den Bereich Innere Medizin aus. Heute arbeitet Christina - nach einer Zwischenstation in einem Belegkrankenhaus in Darmstadt - in der Kardiologie des Rot-Kreuz-Krankenhauses in Frankfurt.

Ihr persönliches Fazit
„Während des Studiums hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich ausgerechnet Kardiologin werden würde, aber mittlerweile weiß ich, das ist genau das Richtige für mich“, ist sie überzeugt. Auch das eigenverantwortliche Arbeiten bereitet ihr längst keine schlaflosen Nächte mehr.
„Heute traue ich mir viel mehr zu, weiß jetzt, was zu tun ist“, ist die angehende Fachärztin stolz auf ihren bisherigen Karriereweg. „Der Wechsel ans Rot-Kreuz-Krankenhaus war eine Entscheidung für die Kardiologie!“



Veränderte Studienanforderungen: „Hammerprüfung“ ist kein Grund zur Panik

Die neue ärztliche Approbationsordnung hat das Medizinstudium nachhaltig verändert: So gibt es keine staatliche Prüfung mehr vor dem Praktischen Jahr (PJ). Statt dessen findet jetzt am Ende der Ausbildung, also nach dem PJ, ein umfassendes staatliches Abschlussexamen statt: das M2, von vielen auch „Hammerprüfung“ genannt.

Dieses neue Examen besteht aus einem dreitägigen schriftlichen Teil und einer mündlich-praktischen Prüfung, die sich auf zwei Tage verteilt. Vor allem dieser mündlich-praktische Teil wird neu gestaltet: Fallbezogen wird vor allem fächerübergreifendes Wissen überprüft, hinzu kommen Fragen aus Querschnittsbereichen.

Wichtig: Dieses Examen ist kein Grund zum Fürchten, denn es geht vor allem um die Breite des medizinischen Wissens und Könnens, so Dr. Bernhard Marschall, Studiendekan an der Universität Münster: „War früher das Praktische Jahr sozusagen ein ‚Sahnehäubchen’, hat es jetzt einen ganz anderen Stellenwert. Einerseits muss die Vorbildung bis zum Erreichen des PJ so strukturiert sein, dass dieses mit Erfolg absolviert werden kann. Andererseits müssen die Lernfortschritte während des PJ regelmäßig kontrolliert werden, damit das Staatsexamen mit möglichst guten Noten bestanden wird.“ Facharztfähigkeiten und Spezialwissen sind ausdrücklich nicht Thema der Abschlussprüfung.

Veröffentlicht in STUDIInfo / Ausgabe 02/08
Verfasst von Jutta Melchers


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