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studiInfo Sommersemester 2005

Studieren ja - aber was?

Die Qual der Wahl
Wer sich bei der Wahl seines Studienfaches unsicher ist, sollte kompetente Hilfe in Anspruch nehmen. Eine Anlaufstelle ist die Zentrale Studienberatung (ZSB).

Für jeden Abiturienten stellt sich die Frage: Was werde ich nach der Schule machen? Eine Ausbildung oder doch lieber ein Studium? Mit der Beantwortung dieser Frage ist es jedoch längst noch nicht getan. Fällt die Entscheidung zu Gunsten eines Studiums, ergeben sich viele weitere Fragen. Welcher Studiengang ist der richtige für mich? Biologie oder doch lieber Geschichte? Welche Fächer bieten aussichtsreiche Berufschancen? Und ist ein Diplom besser als ein Magister? Wenn ich mich entschieden habe, wie komme ich an meinen Studienplatz? … Hilfestellung bei der Beantwortung all dieser Fragen gibt die Zentrale Studienberatung (ZSB), die nahezu an jeder Hochschule zu finden ist.

Peter Schott, Diplompsychologe und Studienberater an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, verrät, worauf es beim Studium ankommt:

Herr Schott, wer kann zu Ihnen in die Beratung kommen? Und wobei können Sie behilflich sein?
Wir sind einerseits für unsere Studenten, aber auch für Schüler zuständig. Das bedeutet, wir beschäftigen uns mit Fragen der Studienwahl, mit Zulassungsbedingungen und vor allem Entscheidungsfragen. Während des Studiums sind wir Ansprechpartner für alle Fragen rund ums Studium. Das geht so weit, dass wir auch bei persönlichen Problemen mit Rat zur Seite stehen.

Bei konkreten, organisatorischen Fragen in der Studieneingangsphase – beispielsweise bei der Frage „In welchen Räumen findet welche Veranstaltung statt?“ oder „Welche Seminare soll ich besuchen?“ – ist es hingegen besser, sich an die Fachstudienberatungen oder die einzelnen Fachschaften zu wenden.

Das heißt, Sie helfen bei der Entscheidungsfindung. Haben Sie denn dabei noch viel Arbeit zu leisten oder haben die jungen Leute, die zu Ihnen kommen, schon konkrete Vorstellungen von dem, was sie studieren möchten?
Das ist sehr bunt gemischt. Einige haben genaue Vorstellungen und fragen sehr spezifisch. Andere haben überhaupt gar keine Ideen und wieder andere werden von ihren Eltern in eine Richtung gedrängt, in die sie eigentlich gar nicht möchten.

Wie gehen Sie vor, wenn jemand noch nicht die geringste Vorstellung von seiner beruflichen Zukunft hat?
Leider ist es so, dass viele Leute glauben, sie kommen zu uns in die Sprechstunde und wir nennen Ihnen dann den Studiengang, der für sie optimal ist. Das können wir jedoch nicht. Was wir leisten können, ist, dabei behilflich zu sein, die eigenen Interessensgebiete zu formulieren und zu gewichten. Daraus versuchen wir dann, mögliche Studiengänge abzuleiten.

Wie genau kommen Sie den Interessen auf die Schliche?
Wir fragen denjenigen zum Beispiel „Womit beschäftigst du dich außerhalb der Schule und womit innerhalb? Was sind deine Hobbys?“ In fast allen Fällen findet sich immer irgendetwas, woran derjenige Spass hat. Nur ganz selten kommt es vor, dass sich jemand für gar nichts interessiert. Dann raten wir häufig dazu, zunächst erst einmal ein Praktikum zu machen, um in einen Beruf hineinzuschnüffeln.

Sollte man eine Entscheidung denn ausschließlich von seinen persönlichen Vorlieben abhängig machen? Ist es nicht möglicherweise besser, danach zu gehen, welche Studiengänge besonders gute Berufsaussichten versprechen?
Leider verfügt niemand über hellseherische Kräfte. Das heißt, auch wir können keinen „tot sicheren“ Tipp abgeben. Wer studiert muss sich an den Gedanken gewöhnen, dass der Studiengang, der bei der Einschreibung noch als Jobgarant galt, ein paar Jahre später schon nicht mehr gefragt ist. Wichtig ist, sich von der Vorstellung zu verabschieden, dass man sich schon bei Studienbeginn auf einen ganz bestimmten Beruf festlegen könne. Studenten müssen heutzutage flexibel sein und versuchen, schon während des Studiums viel auszuprobieren und sich so möglichst viele Wege offen halten.

Außerdem ist es wenig Erfolg versprechend, etwas zu studieren, weil es möglicherweise gute Berufsaussichten bietet – für das man sich im Grunde aber nicht interessiert.

Sollten junge Menschen in Anbetracht solcher Aussichten, denn überhaupt noch studieren?
Wer studieren möchte, sollte dies auf jeden Fall tun. Die Vergangenheit hat immer wieder gezeigt, dass Akademiker stets bessere Chancen am Arbeitsmarkt hatten, als Menschen mit einem anderen Bildungsstand.

Das heißt jeder sollte studieren?
Nein, das heißt es nicht. Studieren sollten nur, wer Lust hat zu studieren. Außerdem sollte man Spaß daran haben, sich über einen längeren Zeitraum mit bestimmten Sachverhalten auf theoretischer Ebene beschäftigen zu können. Wer gleich praktisch arbeiten möchte, sollte besser eine Ausbildung machen. Wichtig ist, dass einem das Fach, das man studieren möchte, auch wirklich liegt.

Und wie lässt sich herausfinden, welche Fächer einem liegen? Und ob ein Studium für einen selbst evtl. zu theoretisch ist?
Es gibt fast überall die Möglichkeit, sich schon vor dem Studium Vorlesungen anzuschauen und sich einen Eindruck von dem Leben an der Uni und den verschiedenen Fachbereichen zu verschaffen. So kann man sich übrigens auch ein gutes Bild von den Menschen machen, mit denen man die nächsten Jahre gemeinsam zu studieren gedenkt. Wenn man anschließend merkt „das ist es, zu diesem Fach fühle ich mich hingezogen“, sollte man sich um einen entsprechenden Studienplatz bemühen.

Dabei helfen Sie dann weiter?
Genau. Wenn sich jemand entschieden hat, was er gerne studieren möchte, folgt der nächste Schritt. Gemeinsam versuchen wir, den Studienwunsch zu realisieren. Das heißt, wir schauen: Welche Unis bieten das entsprechende Fach an? Gibt es Zulassungsbeschränkungen? Wie sind die Aussichten, einen Platz zu bekommen und gibt es Alternativen? Schließlich unterstützen wir bei der Bewerbung.

Irgendwann ist es dann so weit, man hat die Zulassung erhalten und beginnt sein Studium. Läuft dann alles problemlos?
Sicher nicht immer. Der Unterschied zwischen Schule und Uni ist groß, die Umstellung nicht ganz einfach. Zunächst sollte man versuchen sich einzugewöhnen – Kontakt zu anderen Studenten suchen, die Strukturen und Abläufe an der Hochschule kennen zu lernen und erste Erfahrungen in seinem Studienfach zu sammeln.

Die ersten beiden Semester dienen vor allem der Orientierung und sollten immer noch als Teil des Prozesses der Studienwahl begriffen werden. In dieser Zeit stellt sich in der Regel heraus, ob die Studienwahl richtig oder falsch war. Wird klar, dass die gewählte Fächerkombination, die eigenen Erwartungen doch nicht erfüllt, ist das noch lange kein Beinbruch. In diesem Fall versuchen wir von der ZSB gemeinsam mit den Studenten eine passende Alternative zu finden. Wichtig ist, dass man ehrlich zu sich selbst ist und sich eine falsche Studienwahl auch eingesteht.

Herr Schott, vielen Dank für dieses Gespräch.

Veröffentlicht in STUDIInfo / Ausgabe 01/05
Verfasst von STUDIInfo


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