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studiInfo Wintersemester 2005/06

Studieren in den Niederlanden

Attraktive Bedingungen
Warum nicht Amsterdam, Maastricht oder Arnheim? Es ist vielleicht etwas cooler, in London, Paris oder Barcelona zu studieren. Aber die sehr guten Hochschulbedingungen haben die Niederlande weltweit zur Nummer drei unter deutschen Studenten gemacht.

Studierten 1993 noch knapp 2000 Deutsche an niederländischen Hochschulen, waren es 2002 schon 7700. Mittlerweile ist die Zahl auf über 9000 gestiegen. Es gibt gute Gründe, warum immer mehr Deutsche zum Studium ins Nachbarland wechseln. In den Niederlanden gibt es deutlich weniger Zulassungsbeschränkungen als in der Bundesrepublik. Fächer, auf denen in anderen Ländern ein hoher NC liegt, sind ohne Einschränkungen zu belegen. Viele Studiengänge werden als betont praxisorientiert gelobt. An immer mehr Hochschulen werden einige Fächer in englischer und zum Teil sogar in deutscher Sprache unterrichtet. Die geringen Abbrecherquoten dürften an der guten materiellen und vor allem an der guten personellen Ausstattung der Hochschulen liegen. Die Studenten gehen nicht in Massenveranstaltungen unter, sondern werden intensiv betreut. Und die Nähe zu Deutschland ist nicht nur für angehende Akademiker aus Nordrhein-Westfalen ganz sicher kein Nachteil: Die Auslandserfahrung wird den Lebenslauf später kräftig aufpolieren, trotzdem aber können die Studenten relativ häufig einen Abstecher nach Hause unternehmen.

Deutsche können in den Niederlanden ein Vollzeitstudium aufnehmen oder nur für ein oder zwei Semester dort studieren. Die Fächerauswahl wird immer größer. Und immer mehr niederländische Hochschulen bieten Bachelor- und Masterstudiengänge an, deren Abschlüsse europaweit anerkannt werden. Das Studienjahr beginnt stets zum Wintersemester am 1. September. Die Hochschullandschaft besteht aus eher wissenschaftlich orientierten „Unversiteiten“, eher praxisorientierten „Hogeschoolen“, die vergleichbar sind mit den deutschen Fachhochschulen, und „Internationaal Onderwijs“. An diesen internationalen Instituten wird überwiegend in Englisch gelehrt, dafür liegen die Studiengebühren aber meist sehr hoch.

Das Angebot für ausländische Studenten an den niederländischen Hochschulen ist breit gefächert. Neben den Wirtschaftsfakultäten steht bei den Deutschen der Studiengang Psychologie hoch im Kurs, weil der anders als in Deutschland in der Regel keinen Zulassungsbeschränkungen unterliegt. Außerdem sind neben Sozialpädagogik Fächer wie Ergotherapie beliebt, die an deutschen Hochschulen gar nicht belegt werden können. Im Gesundheits- und Sozialwesen hat sich die Hogeschool van Arnhem en Nijmegen einen guten Namen gemacht. Zu den Unis mit internationalen Wirtschaftsstudiengängen gehören die Universiteit Amsterdam, die Universiteit Maastricht und die Erasmus Universiteit Rotterdam. Wirtschaftsstudiengänge in Englisch bieten zum Beispiel dieHogeschool voor Economische Studiens Amsterdam und die Haagse Hogeschool an.

Die deutsche Hochschulzugangsberechtigung wird in den Niederlanden akzeptiert. Mit der Fachhochschulreife darf man aber nur an den Hogeschoolen studieren. Bewerbungen können in den meisten Fällen direkt an die Hochschulen gerichtet werden. Häufig wird eine frühe Bewerbung bereits im Dezember des Vorjahres gewünscht, zum Teil können sich die ausländischen Studenten aber auch noch im April oder in Ausnahmefällen sogar im August bewerben. Über die Fristen geben die einzelnen Hochschulen Auskunft. Das gilt auch für die erforderlichen Sprachkenntnisse. Auch wenn es exotische Hochschulen gibt, zum Beispiel in Venlo und Enschede, in denen in Deutsch unterrichtet wird, werden die meisten Studiengänge selbstverständlich in Niederländisch angeboten. Ausreichend sind in der Regel Kenntnisse auf dem so genannten Niveau NT 2. Das bedeutet, dass der Bewerber die Sprache lesen, sprechen und schreiben kann. In den Hogeschoolen sind die Anforderungen etwas lockerer. Der Nachweis von Sprachkenntnissen kann in vielen Fällen auch zu einem späteren Zeitpunkt – natürlich aber vor dem Beginn des Studiums – nachgereicht werden. So bleibt Zeit, den nötigen Schein in einem Kursus zu erwerben.

Unbedingt sollten sich deutsche Interessenten auch erkundigen, ob als Zugangsvoraussetzung bestimmte Schwerpunkt-Fächer in der Schule verlangt werden.

In der Bundesrepublik werden Studiengebühren derzeit heiß diskutiert. In den Niederlanden gehören sie schon zum Hochschulalltag: Knapp 1500 Euro sind pro Studienjahr zu bezahlen. Wer aber eine EU-Staatsbürgerschaft besitzt, noch keine 30 Jahre alt ist und in den Niederlanden ein Bankkonto führt, bekommt mehr als 800 Euro erstattet. Neben Stipendien gibt es verschiedene Möglichkeiten der finanziellen Förderung, zum Beispiel durch ein Auslands-BAföG oder eine ähnliche Unterstützung von den niederländischen Behörden. Der finanzielle Aufwand für ein Studium im Nachbarland sollte nicht unterschätzt werden, weil die Lebenshaltungskosten in den Niederlanden etwas höher als in Deutschland sind – nicht nur in Ballungsgebieten wie Amsterdam.

Studierende sind auch in den Niederlanden nicht von der Krankenversicherungspflicht befreit. Wer aber in Deutschland pflichtversichert ist, hat in der Regel keinen finanziellen Nachteil. Auf der Grundlage des Sozialversicherungsabkommens innerhalb der Europäischen Gemeinschaft stellt die deutsche Krankenkasse einen Anspruchsnachweis aus, mit der sich der deutsche Studierende bei der niederländischen Gebietskrankenkasse anmeldet. Das ist jedenfalls kein Grund, die hervorragenden Studienbedingungen in den Niederlanden nicht nutzen zu können.

Veröffentlicht in STUDIInfo / Ausgabe 02/05
Verfasst von STUDIInfo


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