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studiInfo Sommersemester 2010Soziale Kompetenzen gefragt: Vom Rettungssanitäter zum ArztberufViele Wege führen zum Arztberuf, und die Motivationen für ein Medizinstudium sind sehr unterschiedlich. Was jedoch alle Mediziner verbindet, ist der Wunsch, Menschen zu helfen. Ein typischer Einstieg ist eine Ausbildung im Gesundheitsbereich. Ganz besonders Ehrgeizige leiten schließlich eine eigene Klinikkette.Im Gesundheitswesen arbeiteten laut Statistischem Bundesamt Ende 2007 rund 4,4 Millionen Menschen, also etwa jeder zehnte Beschäftigte. Angesichts der demographischen Entwicklung wird der Bedarf an gut ausgebildetem Personal weiter wachsen. Insbesondere in der ambulanten Pflege wächst die Nachfrage, aber auch neue Ärzte sind gefragt. Bis 2017 gehen 77.000 von ihnen in Rente, so Armin Ehl, Hauptgeschäftsführer des Marburger Bundes. Numerus clausus als erste Hürde Obwohl die Zukunft gesichert scheint, müssen die angehenden Ärzte im ersten Schritt die Hürde des Numerus clausus meistern. Unter anderem entscheidet die Abiturdurchschnittsnote darüber, wer wo studieren darf. Reicht der Schnitt nicht, lohnt es sich, die Wartezeit sinnvoll zu überbrücken – mit Tätigkeiten, die auf den zukünftigen Job ausgerichtet sind und im Auswahlverfahren der Hochschulen angerechnet werden. So nutzt man etwa mit einer Ausbildung in der Krankenpflege als Physiotherapeut oder medizintechnischer Assistent die Zeit bis zum Medizinstudium sinnvoll. Ferner können damit auch die drei Monate Krankenhauspraktikum abgedeckt werden, die bis zum Ende des ersten Staatsexamens Pflicht sind. Klassische Wege sind Ausbildungen als Gesundheits- und Krankenpfleger oder Rettungssanitäter. Technisch Versierte können sich beispielsweise auf Medizintechnik, Hörgeräteakustik oder Orthopädietechnik spezialisieren. Logopäden, Ergotherapeuten, Ernährungsberater oder Augenoptiker beschäftigen sich ebenfalls mit medizinischen Themen. Wirtschaftlicher ausgerichtet sind die Ausbildungsgänge zum Sportund Fitnesskaufmann oder zum Kaufmann für Gesundheitswesen. Erste Erfahrungen als Rettungssanitäter Über die Arbeit als Rettungssanitäter während des Zivildienstes entstand auch bei Jan Nassrallah der Wunsch, Medizin zu studieren. Die Aufgaben der Ärzte im Rettungsdienst und die medizinischen Themen fesselten ihn sofort. Der 26-Jährige Hamburger hatte nach dem Abitur zunächst ganz unterschiedliche Arbeitsfelder ausprobiert. Einige Monate arbeitete er als Hilfsarbeiter auf einem Frachter und kellnerte im Restaurant seines Vaters, bevor er ein Informatik-Studium begann. „Diese Orientierungszeit möchte ich nicht missen. Ich kann jedem empfehlen, vor der Entscheidung für einen Beruf verschiedene Arbeiten kennen zu lernen“, rät er. Mit einer Abiturdurchschnittsnote von 1,6 bewarb Jan sich schließlich um einen Studienplatz bei der ZVS. „Die Wartezeit bis zum Bescheid war ziemlich hart, denn ich wollte den Studienplatz unbedingt haben. Alternativ hätte ich mich notfalls für Katastrophenschutz-Management (heute: Sicherheit und Gefahrenabwehr) in Magdeburg eingeschrieben.“ Jan erhielt jedoch sofort einen Studienplatz in Medizin. Nun studiert er im 9. Semester in Lübeck. Er möchte als Arzt gerne direkt mit den Menschen zu tun haben und auch ihren privaten Hintergrund in die Behandlung einbeziehen. „Wenn der Arzt die Geschichte der Familie kennt, erklären sich manche Krankheiten viel besser.“ Daher strebt Jan an, auf dem Land Hausarzt zu werden – am liebsten irgendwo in Norddeutschland. Steiniger Weg zum Traumberuf Da Ärzte in ländlichen Regionen rar sind, fördert die Bundesregierung ab 2010 die Ansiedlung in unterversorgten Gebieten über eine höhere Vergütung. Allerdings ist der Weg zu diesem Traumberuf lang und durchaus steinig. „Das Studium beinhaltet auch Spezialthemen, die mich weniger interessieren und bei den Prüfungsleistungen liegt die Messlatte sehr hoch“, berichtet Jan. „Aber die kleine Medizinische Fakultät in Lübeck bietet viele Vorteile: Das Studium ist sehr persönlich, Professoren und Studierende kennen sich und die Vorlesungen sind nicht überfüllt, wie in manch anderen Städten.“ Im Laufe des Medizinstudiums empfehlen sich Auslandsaufenthalte, denn interkulturelle Kompetenzen können im Berufsalltag sehr hilfreich sein, zumal viele wissenschaftliche Studien auf Englisch verfasst sind. Jan wird demnächst einen Monat lang auf Malta arbeiten – in der Chirurgie einer Universitätsklinik. Führungskräfte stark nachgefragt Wer hoch hinaus will, schließt an ein Medizinstudium eine Zusatzqualifikation in Management an. Mit einem zusätzlichen Master-Studium in Gesundheitsmanagement, Gesundheitsökonomie, Public Health oder Healthcare-Management sind Mediziner hervorragend qualifiziert, um beispielsweise Kliniken zu leiten. Fähige Führungskräfte sind immer stärker gefragt – gerade in Zeiten, in denen private Betreiberfirmen den Klinikmarkt erobern. Die Führung einer börsennotierten Klinikkette oder eines örtlichen Krankenhauses benötigt neben medizinischen vielfach auch wirtschaftliche Kenntnisse und Managementqualitäten. Auch ein generalistisch ausgerichteter MBA vermittelt hierfür brauchbares Wissen. Tipps vom Experten Welche besonderen Eigenschaften Menschen mitbringen müssen, die im medizinischen Bereich arbeiten, weiß Prof. Eckhart G. Hahn, Vorsitzender der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung: 1] Zunächst müssen sie sich für andere Menschen und ihre Probleme interessieren. 2] Auch ist die Bereitschaft und Fähigkeit notwendig, über lange Zeit konzentriert zu arbeiten und lebenslang zu lernen. 3] Sie müssen große Mengen von Wissen verarbeiten, verstehen und ihr Handeln daran orientieren können. 4] Der Austausch mit anderen Menschen ist ebenfalls wichtig: Sie sollten sich verständlich machen, anderen zuhören und sie verstehen können. 5] Die Arbeit mit anderen Personen in einer Gruppe ist alltäglich und sollte keine Schwierigkeiten bereiten. 6] Probleme müssen häufig gemeinsam mit anderen Berufen im Gesundheitswesen gelöst werden. Dafür sollten sie offen und fähig sein. 7] Organisationstalent ist ebenfalls gefordert. 8] Andere Menschen in Fragen von Gesundheit mund Krankheit zu beraten, ist eine wesentliche Aufgabe, für die sie bereit sein sollten. 9] Sie sollten neugierig darauf sein, die Fähigkeit zum Lehren und Forschen zu entwickeln, damit sie ihr Wissen und Können sowohl an jüngere Kollegen als auch an Patienten weiter geben können. 10] Bei der Tätigkeit ist ein hohes moralisches und ethisches Niveau gefragt, das sie verstehen und leben sollten. Veröffentlicht in STUDIInfo / Ausgabe 01/10 Verfasst von Simone Böhnisch zurück |
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