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studiInfo Sommersemester 2007

Rund um zufrieden!

Studieren in den Niederlanden
Hat Annika Hegemann den Schritt, in Holland zu studieren schon einmal bereut? „Keinen Tag“, sagt sie voller Überzeugung. „Für mich war das genau die richtige Entscheidung“. Mit STUDIInfo spricht sie über Ihre Erfahrungen in den Niederlanden.

Eigentlich sitzt sie schon wieder auf gepackten Koffern. Annika Hegemann wird ihr drittes Studienjahr zum Bachelor of International Business and Languages an der Hochschule in Kotka (Finnland) verbringen. Aber für ein Gespräch mit STUDIInfo nimmt sie sich natürlich Zeit.
„Flexibel muss man eben sein“, sagt sie gelassen. „Das ist eines der wichtigsten Dinge, die ich in den vergangenen zwei Jahren gelernt habe“, sagt sie. Sich schnell auf neue Situationen einzustellen ohne lange an bürokratischen Regeln zu kleben, kreativ nach Lösungen für anstehende Probleme zu suchen und die Chancen zu ergreifen, die sich bieten - das ist die Flexibilität, von der die 24-jährige Studentin spricht. Ihre Lehrmeister sitzen im holländischen Emmen südlich von Groningen an der Hogeschool Drenthe. Hier ist Annika Hegemann seit dem 1. September 2004 eingeschrieben für den Bachelor-Studiengang International Business and Languages. „Etwas Vergleichbares gab es an keiner deutschen Fachhochschule oder Universität“, erklärt sie ihre Entscheidung, nach Abitur und einer kombinierten Ausbildung zur Bürokauffrau und Verwaltungsangestellten, ein Studium in den Niederlanden aufzunehmen.

„Nach den ersten Eindrücken habe ich gleich gespürt: Ja, hier bin ich richtig, hier möchte ich studieren“, erzählt Annika Hegemann.
Dass Holland als mögliches Studienland überhaupt in ihr Blickfeld rückte, verdankt sie einem Fernsehbericht. „Die Reportage porträtierte die Fachhochschule in Emmen und stellte den damals ganz neuen Bachelor-Studiengang International Business and Languages vor. Das international ausgerichtete Studienkonzept, Elemente der Wirtschaftswissenschaften mit Sprachen zu kombinieren hat mich sehr interessiert, erinnert sie sich noch gut. Sie besorgte sich weiteres Informationsmaterial und reiste zu einem Tag der offenen Tür nach Emmen. „Nach den ersten Eindrücken habe ich gleich gespürt: Ja, hier bin ich richtig, hier möchte ich studieren“.
Und sie war nicht allein: Die Idee, den Business-Bachelorstudiengang an der Hogeschool Drenthe zu beginnen hatten wie Annika Hegemann 70 andere junge Deutsche und lagen damit voll im Trend. „Im Studienjahr zuvor waren es nur 20 Studenten aus Deutschland, die diesen Studiengang belegten, im Studienjahr nach mir sind es sogar schon 90 deutsche Studenten“, weiß die Studentin und bestätigt darin, dass die holländischen Hochschulen bei deutschen Studenten immer beliebter werden.

Was macht die besondere Attraktivität eines Studiums in den Niederlanden aus?
„Da sind zum einen die wirklich innovativen Studiengänge, die an den Hochschulen und Universitäten angeboten werden. Das sind Studiengänge, ganz an den Marktbedürfnissen orientiert, an die in Deutschland noch niemand denkt, oder vor deren Verwirklichung noch viele bürokratische Hürden stehen“, macht die Emmen-Studentin deutlich. Auch der relativ „verschulte“ Studiengang kommt ihr sehr entgegen. „Wir arbeiten in Lerngruppen zusammen von meistens 20 bis 25 Studenten und haben einen sehr intensiven, persönlichen Kontakt zu unseren Dozenten, die uns ganz hervorragend betreuen“, beschreibt sie. „Kein Vergleich zu den anonymen Massenveranstaltungen an deutschen Hochschulen.“

Konkreter Praxisbezug von Anfang an
Das holländische Studienjahr, das übrigens immer am 1. September beginnt und am 31. August des folgenden Jahres endet, ist unterteilt in vier themenbezogene Abschnitte von jeweils rund zehn Wochen. „In dieser Zeit bearbeiten wir mit einer Gruppe ein konkretes Projekt, beispielsweise der Erarbeitung eines Sanierungskonzeptes für ein in Schieflage geratenes Unternehmen. Wir müssen die Ergebnisse später präsentieren und legen Prüfungen ab.“ Diese Art der Studienorganisation hat gleich zwei große Vorteile für die Studenten: Schritt für Schritt absolvieren sie ihr Studium und gleichzeitig ist von Anfang an ein konkreter Praxisbezug gegeben. „Die meisten unserer Dozenten kommen selbst aus der Wirtschaft, sind äußerst kompetent und wissen, wie wichtig es für uns Studenten ist, das an der Hochschule vermittelte Wissen nicht nur theoretisch zu beherrschen, sondern auch von Anfang an konkret anzuwenden“, beschreibt Annika Hegemann ihren Studienalltag.

Ist die fremde Sprache denn kein Handicap?
„In keiner Weise“, so die junge Studentin, für die die „Sprachbarriere“ schon lange keine mehr ist. „In Emmen ist dem Studium ein achtwöchiger kostenloser Intensivsprachkurs Niederländisch vorgeschaltet. Danach ist die Unterrichtssprache wirklich kein Problem mehr“, lacht sie. „Wichtig ist einfach, sich früh genug um einen Platz im Sprachkurs zu bemühen“, rät Annika Hegemann jungen Deutschen, die mit dem Gedanken spielen, in Holland zu studieren.

Rechtzeitig mit der Vorbereitung des Studiums beginnen Bei der Vorbereitung ihres Studiums hat ihr persönlich auch ein spezielles Vorbereitungsseminar „Studieren in Holland“ geholfen. „Nur eine gute Vorbereitung schützt vor unangenehmen Überraschungen“, sagt sie. Eine solche unliebsame Überraschung könnte beispielsweise sein, zu Studienbeginn noch kein Zimmer, keine Wohnung zur Verfügung zu haben. „Die Suche nach einer Unterkunft kann tatsächlich zum Problem werden“, weiß die Studentin. „Auch da muss man unbedingt den Faktor Zeit einplanen“, gibt sie aus eigener Erfahrung zu bedenken.

Die Finanzen sollte man nicht aus den Augen verlieren
Die Finanzen sollten Holland-Studenten in spe ebenfalls nicht aus den Augen verlieren, denn ganz billig ist das Wohnen und Leben in den Niederlanden nicht. „Die Lebenshaltungskosten liegen nach meiner Erfahrung etwas höher als in Deutschland“, rechnet Annika Hegemann nach. Dazu kommen rund 1500 Euro Studiengebühr pro Jahr und die Kosten für Fachliteratur und Fahrten nach Hause, um den Kontakt mit der Familie und alten Freunden nicht abreißen zu lassen. Über verschiedene Erstattungsmodelle ist es allerdings möglich, dass ein Teil der Gebühren von niederländischer Seite wieder gut geschrieben wird. Den Gedanken, vielleicht neben dem Studium zu jobben, musste Annika Hegemann schnell verwerfen, zum einen, weil Studentenjobs auch in den holländischen Universitätsstädten rar gesät sind und zum zweiten fehlt einfach die Zeit. „Das Studium an der niederländischen Hogeschool Drenthe ist äußerst arbeitsintensiv und die Semesterferien sind sehr kurz“, so ihre Erfahrung. „Von der Vorstellung, man könne ein Studium in den Niederlanden auf die leichte Schulter nehmen, nur weil es hier nicht so strenge NC-Regelungen gibt wie in Deutschland, müssen sich die Studienanfänger ganz schnell verabschieden.“

Das Auslandsjahr in Finnland, das Praktikum in Deutschland
Hat Annika Hegemann den Schritt, in Holland zu studieren schon einmal bereut? „Keinen Tag“, sagt sie voller Überzeugung. „Für mich war das genau die richtige Entscheidung. Und darüber hinaus werden Auslandsaufenthalte von den Arbeitsgebern immer häufiger angefragt“, hofft sie auf gute Berufschancen. Zwei Jahre ihres Bachelor-Studiums International Business and Languages hat sie nun schon absolviert. Das dritte und vierte Studienjahr sehen je ein Auslands- und ein Praktikumsjahr vor. „Das Auslandsjahr werde ich jetzt in Finnland verbringen, für mein Praktikumsjahr möchte ich mich bei großen Unternehmen in Deutschland bewerben“, so die Planung von Annika Hegemann. Und wenn sie dann den Bachelor in der Tasche hat, soll vielleicht noch der Master folgen, möglicherweise an einer anderen Hochschule. Da ist die 24-Jährige ganz flexibel. Denn Flexibilität, die hat sie gelernt bei ihrem Studium in Holland.

Veröffentlicht in STUDIInfo / Ausgabe 01/07
Verfasst von STUDIInfo


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