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studiInfo Sommersemester 2008

„Nach dem Physikum wird es besser.“

Es war eine Bauchentscheidung, die Marie-Stella Pauly zum Studium der Humanmedizin getrieben hat. Viereinhalb Jahre später hat die 24-Jährige ihre akademische Ausbildung beendet und steht vor ihrem praktischen Jahr. Die angehende Ärztin berichtet für über ihr ereignisreiches Medizinstudium.

Lernen und Büffeln sind für die Siegerländerin indes nicht passé, schließlich will nach dem Praxisjahr das Staatsexamen bestanden werden, nur dann gelingt der endgültige Wechsel von den Seminaren ins Berufsleben.

Frühes Interesse an der Medizin
Sie habe schon immer mit Interesse Arztserien im Fernsehen verfolgt, vor allem der chirurgische Bereich habe sie fasziniert. Auch verschiedene Artikel in Magazinen über medizinische Themen, Gesundheit und Forschung hinterließen ihre Eindrücke. In der elften Klasse absolvierte Marie-Stella Pauly daher ein zweiwöchiges Schulpraktikum in einer chirurgischen Praxis in Siegen. „Das Praktikum hat mir bei meiner Entscheidung für das Medizinstudium auf jeden Fall geholfen“, erinnert sich Marie-Stella. „Ich habe bei Operationen zusehen dürfen, sogar direkt am OP-Tisch gestanden und mir ein besseres Bild von dem Job machen können.“ Eine weitere Option war für sie der Beruf der Sonderschullehrerin. Eins war klar: Bei ihrer Arbeit wollte sie viel mit Menschen zu tun haben.
In den nächsten beiden Schuljahren zeichnete sich die Entscheidung pro Medizin allerdings immer deutlicher ab. Sie wählte Biologie als Leistungskurs und auch in Chemie belegte sie einen Grundkurs.
Bei ihrem Hausarzt und anderen Medizinern informierte sich Marie-Stella darüber, wie das Leben eines Arztes aussieht. „Über das Studium selbst habe ich mich allerdings so gut wie gar nicht schlau gemacht“, gesteht sie. Im Nachhinein sieht sie darin einen Vorteil. „Hätte ich vorher gewusst, was mich im Studium erwartet, bin ich mir nicht sicher, ob ich mich dafür eingeschrieben hätte.“ Über die ZVS bewarb sie sich für Berlin, Freiburg und Marburg. Schließlich bekam sie ihren Drittwunsch bewilligt. Der Umzug nach Hessen war schnell organisiert und die Nähe zur Heimat sollte sich noch als Vorteil herausstellen.

Ein Krankenpflegepraktikum als Start
Die Zeit zwischen Abitur und Studienbeginn zum Wintersemester 2002 nutzte
Marie-Stella für das obligatorische Krankenpflegepraktikum, das jeder Medizinstudent bis zum vierten Semester vorweisen muss. Während die erforderlichen 60 Tage in vielen Bundesländern am Stück absolviert werden müssen, ist es in Hessen möglich, das Praktikum in Etappen zu unterteilen. „Das war eine schöne Zeit. Ich bin im Schichtdienst voll integriert worden und ich merkte, dass meine Arbeitskraft benötigt wurde“, sagt sie. Und auch in anderer Hinsicht sei das Praktikum wichtig gewesen: „Ich erkannte schnell, dass ich größere Herausforderungen suchte. Die Arbeit der Krankenschwester oder der Pflegerin hat mich nicht erfüllt.“ Daher freute sich die Neustudentin auf die Universität.
Dort erlebte Marie-Stellas Euphorie erstmal einen Rückschlag. Die verschulte Struktur des Medizinstudiums und der hohe Theorieanteil machten ihr zu Beginn der Vorklinik, der erste Studienabschnitt bis zum vierten Semester, zu schaffen: „Im Grunde musste erste einmal sehr viel gelernt, auch auswendig gelernt werden: Terminologie, Anatomie, Biochemie und Physiologie. Das war oft kaum zu meistern.“ Allerdings räumt sie auch eigene Fehler ein. „Zunächst habe ich eine falsche Lernstrategie gewählt und immer nur vor den Klausuren den Kopf in die Bücher gesteckt. Man muss von Anfang an mitlernen. Dadurch spart man sich hinterher viel Arbeit – und Nerven.“ Viele seien dem Stress vor dem Physikum aufgrund des hohen Lernpensums nicht gewachsen und brechen das Studium vorzeitig ab. Man müsse sich eben durchbeißen, bis man den point of no return erreicht habe. „Nach dem Physikum“, verspricht sie, „wird es besser.“
Ab dem fünften Semester wurde das Studium zunehmend praxisorientiert. „In den ersten beiden Jahren war es schon frustrierend kaum einen Patienten gesehen zu haben. Die Zeit in der Klinik war daher sehr aufregend und spannend“, erzählt Marie- Stella. Sie sei sehr enthusiastisch an den zweiten Teil des Studiums gegangen. „Ich bin oft belächelt worden, weil mich alles Neue, jede Kleinigkeit so fasziniert hat – ob es das Abhören mit dem Stethoskop war, die erste Blutabnahme, Infusionen anlegen oder einen Rettungswagen von innen sehen.“ Außerdem habe sich die Büffellei der ersten Semester bezahlt gemacht. „Das Wissen, wie ein Ultraschallkopf funktioniert ist für die Praxis nicht relevant, aber es stärkt das eigene Vertrauen auf die Technik und dadurch ist man bei den Diagnosen sicherer.“
In der Praxis habe sie erfahren, was der Beruf des Arztes erfordert. „Der Umgang mit dem Patienten ist das Wichtigste. Auch Anamnese, also das Studieren und Analysieren der Krankengeschichte, wird immer und immer wieder gefordert“, erklärt Marie- Stella. Ein Arzt müsse gut zuhören, aber auch erkennen können, welche beschriebenen Symptome für eine Diagnose wichtig sind. Darüber hinaus seien die Famulaturen, das sind längere fachspezifi sche Praktika, für den eigenen Werdegang unersetzbar. „Es ist überraschend, welche eigenen Interessen man entdeckt. Lange habe ich
gedacht, dass Chirurgie meine Disziplin sei. Nun bin ich mir sicher, Gynäkologin werden zu wollen.“

Ständige Weiterbildung
Rückblickend ist Marie-Stella glücklich über ihre Entscheidung für das Medizinstudium. Sie freut sich auf das letzte Jahr vor ihrem Examen und sieht den Prüfungen gelassener als früher entgegen. „Man lernt mit der Zeit, zu sieben. Alles kann man sowieso nicht lernen. Aber man muss eine gute Grundlage schaffen. Auch wenn man endlich als Arzt arbeitet geht es mit dem Lernen weiter, Medizin ist schließlich ein Fach, in dem man ständig weiterlernen muss.“

Veröffentlicht in STUDIInfo / Ausgabe 01/08
Verfasst von STUDIInfo


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