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studiInfo Sommersemester 2008

Medizin ohne Arztkittel

Geburtshilfe, Physiotherapie, Logopädie, Orthoptik – die Palette medizinischer Berufe geht weit über das hinaus, was es an den medizinischen Hochschulen und Universitätskliniken im Lande zu studieren gibt.

Die medizinischen Berufe glieder sich grob in zwei unterschiedliche
Bereiche: Unter Heilberufen im engeren Sinne werden ursprünglich die akademischen Professionen Arzt, Zahnarzt, Tierarzt, Apotheker und Psychotherapeut zusammengefasst – Berufe, deren Träger in Kammern und Standesverbänden organisiert sind.

Als Heilhilfsberufe werden die pflegenden und unterstützenden Tätigkeiten bezeichnet, also Alten- und Krankenpflege, Geburtspflege, Physiotherapie, Logopädie oder Podologie. Eine Sonderstellung nimmt nach wie vor der Beruf des Heilpraktikers ein, der zwar auch Kenntnisse schulmedizinischer Fähigkeiten nachweisen muss, aber bereits in der Ausbildung spielen die Naturheilkunde und andere alternative Behandlungsmethoden eine große Rolle.

Bei allen Unterschieden zwischen diesen Berufen in Ausrichtung und Ausbildung unterliegen sie alle gemeinsam strenger Aufsicht: Staatliche Prüfungen regeln den Zugang zum Physiotherapie-Beruf ebenso wie zur Hebamme und zum Podologen. So schreibt das Gesetz über den Beruf des Podologen vom 4. Dezember 2001 etwa vor, dass die medizinischen Fußpfleger eine zweijährige Ausbildung samt staatlicher Prüfung absolviert haben, in der sie nachweisen, dass sie Symptome von Erkrankungen erkennen und in Zusammenarbeit mit einem Arzt diese Erkrankungen therapieren können.

Die Logopädie, also die Analyse und Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen, wird an staatlich anerkannten Logopäden-Schulen unterrichtet. Ehe die Absolventen die Berufsbezeichnung tragen, müssen sie nach mindestens zweijährigem Schulbesuch eine staatliche Prüfung ablegen. Aufbauend auf dieser schulischen Ausbildung bieten einige Fachhochschulen, etwa die FH Oldenburg/Ostfriesland, ein Aufbaustudium an. An der norddeutschen Fachhochschule ist die Fachschulausbildung Zugangsvoraussetzung, zumal das Gesetz diesen Ausbildungsweg ausdrücklich vorschreibt. Während des auf drei Semester angelegten Studiums sollen die Logopäden zusätzliche therapeutische Ansätze sowie die wirtschaftlichen Voraussetzungen für das Betreiben einer eigenen Praxis erlernen.

Ähnliche Angebote bestehen mittlerweile auch für die Bereiche Ergo- und Physiotherapie. Bei beiden medizinischen Disziplinen etwa bereitet die Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen mit einem Bachelor-Studiengang auf wissenschaftlichem Niveau auf die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen beruflicher Handlungsfelder vor. Schwerpunkte des Studiums liegen zum einen in der Vermittlung von Behandlungsmethoden und zum anderen in der Analyse von Entscheidungsprozessen. Vor allem vor dem Hintergrund der Umstrukturierung im Gesundheitswesen bereitet das Studium auf die enge Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Disziplinen vor. Verbessert werden soll vor allem die Kooperation und Kommunikation zwischen Logopädie, Ergo- und Physiotherapie.

Veröffentlicht in STUDIInfo / Ausgabe 01/08
Verfasst von STUDIInfo


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