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studiInfo Wintersemester 2005/06Master oder Magister - das ist hier die FrageDie neuen StudienabschlüsseWenn das Wunschfach gefunden ist, muss man sich doch eigentlich nur noch die passende Hochschule aussuchen und möglichst schnell einen Studienplatz ergattern. Ganz so einfach ist das nicht mehr. Viele angehende Studenten stehen heute noch vor einer anderen kniffligen Wahl: Sollen sie sich für die alten oder doch schon lieber für die neuen Studiengänge einschreiben? Diplom beziehungsweise Magister oder Bachelor und Master? Nur noch fünf Jahre, dann sollen die alten Abschlüsse der Vergangenheit angehören. Bis 2010 wird die deutsche Hochschullandschaft komplett umgekrempelt. Vermutlich wird in einzelnen Fachrichtungen den Hochschulen noch ein Hintertürchen offen gelassen, um den Start der umfassenden Reform etwas hinauszuzögern. Aber fest steht: Bachelor und Master werden die Studiengänge Diplom und Magister ersetzen. Nur das Staatsexamen bleibt voraussichtlich in Rechtswissenschaft und Medizin sowie in einigen Bundesländern eventuell auch in der Lehrerausbildung bestehen. Die Reform wird auch gerne mit dem Schlagwort „Bologna-Prozess“ tituliert. Der Grund: In der italienischen Stadt verständigten sich 1999 die Bildungsminister aus 29 europäischen Ländern auf ein einheitliches Studiensystem - auf die Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraumes. Seit der Nachfolgekonferenz im September 2003 in Berlin sitzen 40 Staaten mit im Bildungsboot. Kernpunkt der Vereinbarungen: Es gibt einheitliche Hochschulabschlüsse, den Bachelor und den Master. Ein Bachelor- Studiengang soll sechs bis acht Semester, also drei bis vier Jahre, ein darauf aufbauender Master-Studiengang in der Regel vier Semester (zwei Jahre) dauern. Die neuen Abschlüsse sollen europaweit nach den gleichen Kriterien verliehen werden, um die internationale Vergleichbarkeit zu erhöhen. „Das System zweistufiger Studiengänge ist für Deutschland in großen Teilen neu, aber international üblich. Wir wissen aus der Vergangenheit, dass unser traditionelles einstufiges System im Ausland nicht immer verstanden wurde und deshalb Anerkennungsverfahren schwierig waren“, betont Dr. Christiane Ebel-Gabriel, die Generalsekretärin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Zudem sollen die Studieninhalte gestrafft und klar strukturiert werden. Mit der Neugestaltung soll die Qualität des Studiums verbessert und, so heißt es im Fachjargon, „die Mobilität gefördert“ werden. Im Klartext: Die Studierenden können problemloser zwischen den einzelnen deutschen Hochschulen und auf eine ausländische Hochschule wechseln. Der Bachelor ist der erste akademische Titel in diesem System und qualifiziert den Absolventen bereits für einen Beruf. Der Studiengang vermittelt Grundlagen für eine wissenschaftliche Ausbildung, ist in der Regel aber praxisbezogen und orientiert sich im Idealfall bereits am künftigen Berufsbild. Das Master-Studium kann nach einem abgeschlossenen Bachelor-Studiengang aufgenommen werden. Es dient dazu, die wissenschaftliche Ausbildung zu vertiefen und das Fachwissen zu erweitern. Ein Master-Studium bereitet auf eine Tätigkeit an einer Hochschule und auf Berufe vor, für die eine fundierte wissenschaftliche Ausbildung benötigt wird. Daran anschließen kann sich die Promotion, der Erwerb eines Doktortitels. Der Lernstoff in den neuen Studiengängen wird nach Modulen gegliedert. Anders als in dem bisherigen System, in dem Lehrveranstaltungen meist über ein Semester gingen, werden sie in Bachelor- und Master-Studiengängen zu inhaltlich zusammenhängenden Veranstaltungsblöcken ausgeweitet, die in der Regel über zwei Semester laufen und sich aus mindestens zwei Lehrveranstaltungen - zum Beispiel einer Vorlesung und einem Seminar - zusammensetzen. Dabei werden kontinuierlich von den Studenten Leistungsnachweise verlangt, meist in Form von Klausuren. Die großen Abschlussprüfungen wie bei Diplom- und Magister-Studiengängen fallen dafür weg. Neu ist auch, dass so genannte Credit Points verteilt werden. Die europaweit gültigen Leistungspunkte beziehen sich auf den Arbeitsund Zeitaufwand, die ein Hochschüler inklusive Vor- und Nachbereitung für eine Lehrveranstaltung investieren muss, und werden das komplette Studium über gesammelt. Weil europaweit das European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) eingeführt wird, können die Leistungen und der Wissensstand der einzelnen Studenten besser verglichen und ein Hochschulwechsel erleichtert werden. Den Studierenden bieten sich drei Möglichkeiten der akademischen Ausbildung: Sie können nach dem Bachelor-Studium direkt in den Beruf gehen, einen inhaltlich anschließenden Master („konsekutiv“) oder einen fachlich verschiedenen Master („nicht konsekutiv“) erwerben oder nach dem Bachelor erst Berufserfahrungen sammeln und dann ein Master-Studium einschieben. „Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung des lebenslangen Lernens“, weiß Dr. Christiane Ebel-Gabriel. Zur Promotion berechtigt übrigens erst der Master. Bei besonders qualifizierten Bachelor-Absolventen kann aber eine Ausnahme gemacht werden. Promotion? Vielen Abiturienten und anderen angehenden Akademikern brennen erst einmal ganz andere Fragen unter den Nägeln. Was spricht für einen alten, was für einen neuen Studiengang? Allerdings stellt sich diese Frage nicht in jedem Fall, denn die Umsetzung der Reform bereitet vielen Hochschulen Probleme - wenn die Lehrinstitute sie denn überhaupt schon in Angriff genommen haben. Verwundern kann das angesichts der Dimension dieser Neugestaltung im Bildungswesen nicht. „Die Verantwortlichen der Hochschulen sind gefordert, die Studiengänge mit einem klaren inhaltlichen Konzept zu gestalten und dieses vom Qualifikations- und Kompetenzprofil der Absolventen her zu denken“, erklärt Ebel-Gabriel. „Hier wurde ein Prozess zur inhaltlichen Erneuerung von Lehren und Lernen an den Hochschulen in Gang gesetzt.“ Entsprechend niedrig ist die Zahl der Studenten, die sich bislang in Bachelor- und Master-Studiengängen eingeschrieben haben beziehungsweise einschreiben konnten: Im Wintersemester 2003/2004 (aktuellere Zahlen sind nicht verfügbar) lag sie laut Statistischem Bundesamt bei 107.749. Das sind knapp fünf Prozent aller Studierenden an deutschen Hochschulen. Immerhin: Die Tendenz ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Im Prüfungsjahr 2003 haben rund 5500 Studierende einen Abschluss in den neuen Studiengängen erworben. Seit der Einführung waren es bis dahin rund 11.000 Studierende. Deshalb ist die Frage, welche Konsequenz die Wahl des Studiengangs auf die Berufsperspektive hat, noch nicht seriös zu beantworten. In jedem Fall ist es hilfreich, wenn die angehenden Hochschüler bereits wissen, ob sie eher wissenschaftlich orientiert oder eher berufsorientiert studieren wollen. Bei einer stärker wissenschaftlichen Ausrichtung sind durchaus noch die herkömmlichen Studiengänge empfehlenswert, bei einer berufsorientierten eher ein Bachelor-Studiengang. Wer unschlüssig ist, dürfte ohnehin erst einmal mit dem Bachelor gut bedient sein. Vor allem aber der Dipl.-Ing. gilt in Deutschland und im Ausland als Markenzeichen. Bis ein Master of Science an dieses Renommee heranreicht, müssen noch einige Vorlesungen gehalten werden. Weil die Abschlüsse Diplom-Ingenieur und Diplom- Kaufmann einen exzellenten Ruf genießen, kann es Sinn machen, nach wie vor einen solchen Abschluss anzupeilen. Viel wichtiger allerdings als die Frage Diplom/Magister oder Bachelor/ Master ist ein Vergleich der inhaltlichen Angebote an den einzelnen Hochschulen. Darüber sollten sich künftige Studenten eingehend informieren - und darüber, ob an einer Hochschule in dem gewünschten Studienfach nach einem Bachelor- auch ein darauf aufbauender Master-Studiengang angeboten wird. Viele Studenten zweifeln, ob die neuen Abschlüsse, vor allem der Bachelor, am Arbeitsmarkt ausreichend gewürdigt werden. Hier ist zu beobachten, dass der Master von immer mehr Arbeitgebern wie ein traditioneller Universitätsabschluss angesehen wird. Der Bachelor wird tendenziell wie ein Fachhochschul-Diplom akzeptiert und auch ungefähr entsprechend bezahlt. „Aber wir müssen uns weiterhin der Aufgabe widmen, die neuen Abschlüsse noch bekannter zu machen, insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen“, weiß Dr. Christiane Ebel-Gabriel. Die HRK-Generalsekretärin blickt optimistisch in die Zukunft: „Wir wissen inzwischen aus verschiedenen Unternehmensbefragungen, dass die Arbeitgeber den neuen Abschlüssen zunehmend offen und positiv gegenüber stehen.“ Und die anderen haben ja noch ein paar Jahre Zeit, sich mit dem Bachelor und dem Master als qualifizierten akademischen Titel anzufreunden. Veröffentlicht in STUDIInfo / Ausgabe 02/05 Verfasst von STUDIInfo zurück |
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