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studiInfo Wintersemester 2008/09Krankenpflege zeigt neues Gesicht: Gesundheit fördernDie Gesundheitsreform geht auch am Berufsbild der Krankenpflege nicht spurlos vorüber. Neben der Pflege rückt nun die Mobilisierung in den Mittelpunkt der Arbeit mit den Patienten.Besonders alten Menschen, so erklärt Marlies Bierwagen, sei es schwer zu vermitteln, warum sie schon kurz nach einer Operation wieder aufstehen müssten. Wer jedoch mit der Einstellung ins Krankenhaus gehe, sich dort einmal so richtig verwöhnen zu lassen, wird nach Darstellung der Krankenschwester im ostfriesischen Hans-Susemihl-Krankenhaus enttäuscht werden. Aus medizinischer Sicht sei die Forderung der Patienten durchaus sinnvoll. Bierwagen, als Anleiterin auf der inneren Station der Klinik für die Ausbildung der Pflegeschüler zuständig, verweist auf nosokomiale Erkrankungen wie Lungenentzündung, Thrombosen oder Harnwegsinfekte. Häufig könnten diese im Krankenhaus auffällig oft auftretenden Erkrankungen vermieden werden, wenn die Patienten auch nach einer Operation früh wieder aktiv werden. Bei Lungenentzündungen etwa hätten die Krankheitserreger auch deshalb so gute Chancen, weil die Patienten im Liegen nur flach atmen und sich die Keime so in Lunge und Bronchien leichter vermehren könnten. Um solche Infektionen besser zu vermeiden und um die Verweildauer der Patienten im Krankenhaus zu reduzieren, lernen die Pflegeschüler an deutschen Berufsfachschulen neben der menschlichen Physiologie auch Techniken, die Gesundung zu beschleunigen und dem Patienten wieder zu mehr Eigenständigkeit zu verhelfen. Nach außen sichtbares Zeichen für die Umstrukturierung der Ausbildung ist die neue Berufsbezeichnung Gesundheits- und Krankenschwester oder -pfleger. Schattenseiten bei der Neustrukturierung Marlies Bierwagen, die an der Nordsee bereits seit mehr als fünf Jahren künftige Pflegekräfte anleitet, sieht bei der Neustrukturierung der Ausbildung jedoch auch Schattenseiten. Zum einen sei wegen der stärkeren Förderung der Patienten eigentlich ein höherer Betreuungsschlüssel erforderlich, damit das Pflegepersonal die tägliche Arbeit bewältigen könne. Zum anderen „sind die Leute, die ins Krankenhaus kommen, immer erstmal krank“ – und entsprechend müssten sie auch behandelt werden. Das neue Selbstverständnis erschwere es oft unnötig, die Eingeschränktheit des Patienten angemessen zu berücksichtigen, vielmehr gehe es jetzt oftmals in erster Linie darum, die Liegezeit zu verkürzen, auch wenn der Patient eigentlich noch längere Betreuung benötige. Die müsse dann in den eigenen vier Wänden geleistet werden. Schlechte Voraussetzungen für eine gute Pflege in der Klinik, gute Chancen aber für findige Gesundheits- und Krankenpfleger. Bedarf an häuslicher Pflege steigt Bierwagen erwartet in nächster Zukunft einen erheblich steigenden Bedarf an häuslicher Pflege, die über das heute übliche Betreuungsmaß deutlich hinaus geht. Wer bei einem Patienten zuhause künftig eine Infusionsbehandlung fortführen könne, habe gute Aussichten, sich damit erfolgreich selbstständig zu machen. Veröffentlicht in STUDIInfo / Ausgabe 02/08 Verfasst von studiInfo zurück |
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