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studiInfo Wintersemester 2005/06Kompakt, effizient und Erfolg versprechendDuale AusbildungDiese Frage hat schon so manchem Schüler den Schlaf geraubt: Soll ich nach dem Abitur direkt in den Beruf einsteigen oder soll ich studieren? Eine kompakte Alternative mit glänzenden beruflichen Perspektiven ist die duale Ausbildung. Viele Unternehmen bieten Abiturienten die Möglichkeit, eine betriebliche Ausbildung mit einem Studium an einer Berufs-, Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie zu kombinieren. Diese Plätze sind rar. Auch wenn auf die Absolventen eine kompakte und anstrengende Ausbildung wartet, sind die Stellen heiß begehrt und die Bewerberzahlen entsprechend hoch. Aus gutem Grund: Die Studierenden haben nach drei, in einigen wenigen Fällen auch schon nach zwei Jahren einen fundierten Abschluss in der Tasche und verdienen während des Studiums ihr eigenes Geld. Auf dem Arbeitsmarkt sind die Absolventen der Akademien gefragt, weil sie sowohl über theoretische Kenntnisse als auch praktische Erfahrungen verfügen und als belastbar gelten. Oft werden sie nach Beendigung der Ausbildung von ihrem Betrieb übernommen und haben dort nicht die allerschlechtesten Aufstiegschancen. Vor allem in den Berufsfeldern Betriebswirtschaft, Verwaltung, Ingenieurwesen sowie Pflege und Gesundheit werden diese Studiengänge angeboten. Die Ausbildung mit angeschlossenem Studium wird fast immer mehrstufig aufgebaut. Neben einem berufsqualifizierenden Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf legen die Absolventen einen BA/VWA-Diplomabschluss mit dem Zusatz VWA oder BA ab, zum Beispiel Betriebswirt (VWA) oder Betriebswirt (BA). Absolventen der Akademien können in Europa und den USA einen Aufbaustudiengang als MBA (Master of Business Administration) belegen. Die Interessenten einer dualen Ausbildung adressieren ihre Bewerbungen meist direkt an die Unternehmen, die einen oder mehrere Kandidaten auswählen und diese bei der Akademie anmelden. Aus- und Weiterbildung auf universitärem Niveau wird in mehr als 100 Städten von Berufs-, Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien angeboten - von Kiel bis Garmisch-Partenkirchen und von Aachen bis Frankfurt/Oder. Träger sind in der Regel Industrie- und Handelskammern, Unternehmensverbände, Gemeinden und Gemeindeverbände, zum Teil Länder und vereinzelt auch private Unternehmen sowie Verbände. Schule dürfte eine Kooperation in Münster machen: Die dortige Fachhochschule und die Westfälische Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (VWA) bieten den in NRW ersten dualen Bachelor-Studiengang Betriebswirtschaft an. Das mit einer betrieblichen Berufsausbildung kombinierte dreieinhalbjährige Studium richtet sich an Abiturienten. Mit dem Bachelor of Arts bietet die VWA Münster ihren Studierenden einen staatlich anerkannten Hochschulabschluss, der ihnen einen Zugang zu weiterführenden Master-Studiengängen eröffnet. Das Studium umfasst sieben Semester und führt parallel zum IHK-Berufsabschluss nach drei Semestern sowie zum Betriebswirt (VWA) nach sechs Semestern. Die Angebote in den Unternehmen fast aller Branchen sind interessant und äußerst vielschichtig. Bei Audi beispielsweise werden in diesem Jahr insgesamt 15 BA-Studenten eingestellt. Vier werden zu Betriebswirten in verschiedenen Fachrichtungen ausgebildet, elf zu Ingenieuren in den Fachrichtungen Mechatronik und Fahrzeugelektronik. Zu den Anforderungen an die Bewerber gehört ein Abitur mit mindestens der Gesamtnote „gut“. „Zusätzlich laden wir die uns geeignet erscheinenden Bewerber zu einem Eignungstest und einem Assessment-Center ein“, erklärt Hans-Peter Faber, der Leiter Bildungswesen der Audi AG. Kriterien für die Auswahl sind dann unter anderem Internationalität, Teamfähigkeit, Motivation, Präsentations- und Argumentationsverhalten. Am BA-Studium schätzt Audi vor allem die flexiblen Angebote der Berufsakademie und die Kürze der Ausbildung. „Die Studierenden sind frühzeitig in Unternehmensprozesse und Unternehmensphilosophie eingebunden. Eine spätere Einarbeitung am Arbeitsplatz ist so in der Regel nicht mehr notwendig“, betont Hans-Peter Faber. Die Chancen, nach dem dualen Ausbildungsgang beim Autobauer aus Ingolstadt bleiben zu dürfen, sind groß. „Es bestehen gute Aussichten, nach erfolgreich beendetem Studium und ordentlichen Leistungen in den Praxisphasen übernommen zu werden“, sagt Faber. „Die bisherige Erfahrung zeigt, dass etwa 90 Prozent der Teilnehmer einen Arbeitsvertrag angeboten bekommen haben.“ Das ist keine schlechte Quote! Insgesamt 123 Plätze für duale Studiengänge mstellt die Deutsche Telekom in 2005 zur Verfügung: 30 Stellen für den Studiengang Bachelor of Arts in Business Administration, 30 für Bachelor of Engineering in Telekommunikationsinformatik und die andere Hälfte für verschiedene Studiengänge wie zum Beispiel Wirtschaftsinformatik oder Informationstechnik. Von den Bewerbern erwartet der ehemalige Staatskonzern neben anderen Voraussetzungen ein gutes Abitur beziehungsweise eine gute Fachhochschulreife, gute Englischkenntnisse und die Bereitschaft zu bundesweiter Mobilität. „In diesem Ausbildungsmodell erwarten wir nach erfolgreich abgeschlossenem Studium eine hohe Einsatzreife und die Möglichkeit einer übergangslosen Mitarbeit“, betont Klemens Hansert von der Telekom. Aber nicht nur die großen Konzerne bieten einen Kombipack aus betrieblicher Ausbildung und Studium an, sondern auch viele mittelständische Unternehmen wie die Winkhaus Gruppe, ein Familienunternehmen mit Sitz in Telgte bei Münster. Die weltweit agierende Unternehmensgruppe mit einer 150-jährigen Firmengeschichte hat sich auf Fenstertechnik, Türtechnik und Automation spezialisiert. Sie bildet jährlich zwei bis drei Betriebswirte mit integrierter Ausbildung zum Industriekaufmann aus, einen Diplom-Ingenieur Maschinenbau (FH) mit integrierter Ausbildung zum Werkzeugmechaniker und einen Diplom-Ingenieur Mechatronik (FH) mit integrierter Ausbildung zum Mechatroniker. Die Bewerber sollten ein gutes Abitur (bei Interesse an einer betriebswirtschaftlichen Ausbildung ist ein Wirtschaftsabitur von Vorteil), Fremdsprachenkenntnisse, überdurchschnittliches Engagement und Sozialkompetenz vorweisen können. „Von der Verknüpfung von Theorie und Praxis versprechen wir uns praktisch ausgebildete Arbeitnehmer, keine Theoretiker ohne Berufserfahrung. Spätere Vakanzen können so problemlos aus den eigenen Reihen besetzt werden“, erläutert Dominik Hinzen, der Pressesprecher der Winkhaus Gruppe. Das Unternehmen bietet nach der Ausbildung eine Garantieübernahme für drei Monate. „Bei guten praktischen und theoretischen Leistungen“, so Dominik Hinzen, „sind die Übernahmechancen sehr gut.“ Eine eigene Variante zur dualen Ausbildung hat die BMW Group entwickelt. Mit dem Nachwuchs-Förderungs-Programm (NFP) bietet der Münchener Autobauer ein werk- und niederlassungsübergreifendes Programm, das ein Fachhochschulstudium mit einer integrierten Berufsausbildung verbindet und fünf Jahre dauert. Für die 75 Plätze im Jahr gibt es elf Studien- und Ausbildungskombinationen, davon 70 Prozent für Ingenieure, 20 Prozent für Informatiker und zehn Prozent für internationale BWLer. Nach der Berufsausbildung, die in zwei Varianten in der Konzernzentrale und in einer Niederlassung durchgeführt wird, und einem „Auslandseinsatz“ an einem der Standorte der BMW Group schließt sich ein FH-Studium an. Die Diplomarbeit wird im Konzern geschrieben. Die Bewerber dürfen zu Beginn des NFP nicht älter als 22 Jahre sein und müssen das Abitur oder die Fachhochschulreife mit guter Note abgeschlossen haben. „Unsere Zielsetzung ist die Ausbildung exzellenter Nachwuchskräfte mit hoher Akzeptanz im Unternehmen sowie hoher Firmenloyalität mit Fokus auch auf Zusatzqualifikationen“, erklärt Martina Hatzel von der Unternehmenskommunikation der BMW Group. Neben der Praxis- und Leistungsorientierung wird großer Wert auf die internationale Ausrichtung gelegt. Die Doppelqualifikation soll unternehmensweit einen einheitlichen Qualitätsstandard sichern. Auch bei BMW können sich die Absolventen der dualen Ausbildung berechtigte Hoffnungen machen, einen Anschlussvertrag unterschreiben zu dürfen. Martina Hatzel betont: „Das NFP existiert seit über 13 Jahren und besitzt sehr hohe Akzeptanz im Unternehmen, so dass nahezu alle Absolventen übernommen werden.“ Veröffentlicht in STUDIInfo / Ausgabe 02/05 Verfasst von STUDIInfo zurück |
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