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studiInfo Sommersemester 2005„Ich glaube, es beginnt die beste Zeit meines Lebens"Erfahrungen eines Studienanfängers„Als ich das Abi in der Tasche hatte, wusste ich: ich will studieren! Was genau, das wusste ich nicht. Also schrieb ich mich ein und merkte schnell, dass ich das falsche Fach studierte. Na und, irren ist menschlich! Dann informierte ich mich und weiß jetzt, was ich will.“ Als Daniel vor etwa zwei Jahren sein Abitur machte, war er sich sicher: Zuerst Zivildienst und dann ab an die Uni. Gesagt, getan. Nach der scheinbar nicht enden wollenden Zivi-Zeit im Krankenhaus, war es dann soweit, die Einschreibung stand bevor. Dabei gab es nur ein Problem – welches Fach er studieren wollte, das wusste er nicht. Und Zeit, um lange zu überlegen hatte er auch nicht. Schließlich war es schon Mitte September und Ende des Monats lief die Einschreibefrist ab. Und für die meisten Fächer war es sowieso zu spät, denn die Bewerbungsfrist für zulassungsbeschränkte Studiengänge war bereits seit Juli verstrichen. Jetzt hieß es, eine Entscheidung musste her – und zwar schnell. Am Ende fiel die Wahl auf Wirtschaftsinformatik. Für Daniel, der sich in seiner Freizeit mit Web-Design beschäftigt und sogar schon mal für einen bekannten Fernsehsender eine Internetseite entworfen hatte, eine logische Entscheidung. „Ich dachte, was mir in meiner Freizeit Spaß macht, das mache ich bestimmt auch im Studium gern. Da habe ich mich jedoch leider geirrt. Im Nachhinein ist man immer schlauer, diese Erfahrung musste ich wohl erst machen“, sagt der 21-Jährige heute. Ein Semester hat er durchgehalten. Vorlesungen und Seminare besucht, der Stundenplan voll bis oben hin. Das war irgendwie zu viel. Irgendwie zu theoretisch. „Ich habe mir das Fach einfach ganz anders vorgestellt. Mit Sicherheit gibt es Leute, für die es genau das Richtige ist – leider nur nicht für mich.“ Daniels Eltern waren über seinen Entschluss natürlich anfangs nicht gerade begeistert. Doch ihre Versuche ihn umzustimmen, blieben erfolglos. „Es ist Deine eigene Entscheidung“, sagten sie. Und irgendwann war es dann in Ordnung. Nach dem einen Semester Wirtschaftsinformatik gönnte sich Daniel zunächst eine Auszeit. Schließlich hat das Studentendasein ja auch seine Vorzüge. Das Leben genießen, das war es, was Daniel wollte. Einfach mal nichts tun. Nur das wozu man Lust hat. Und das tat er: Erst der Urlaub in Florida, dann der Trip nach London, ein wenig später Berlin. „Ich brauchte die Zeit für mich. Nur so konnte ich herausfinden, was ich mit meinem Leben anstellen wollte.“ Eines Tages war es dann soweit, Daniel hatte sich gefunden. Zumindest so weit, um sich sicher zu sein, das vergangene Semester abhaken zu wollen und noch mal ganz von vorn anzufangen. Und das diesmal richtig. Mit allem Drum und dran – von Anfang an geplant und durchdacht. Der erste Schritt führte Daniel ins Internet. Er durchforstete eine Seite nach der anderen nach Studienfächern, Zulassungsbeschränkungen, Berufsaussichten und Bewerbungsverfahren. „Ich glaube, es gibt keine Seite im Internet zum Thema Studium, die ich nicht kenne. Doch die ganze Sucherei hat mich nicht richtig voran gebracht“. Also entschied sich Daniel, professionellen Rat in Anspruch zu nehmen. Wozu gibt es schließlich eine Studienberatung? Einen Telefonanruf und ungefähr eine Woche später hatte er dann einen Termin bei der ZSB – der Zentralen Studienberatung. Auf dem Flur, wo alle warteten, bis sie an der Reihe waren, wäre er am liebsten einfach abgehauen. Gleich würde irgendein gelangweilter Studienberater ihn ausfragen. Was er das letzte Semester gemacht habe? Und warum er denn nicht wisse, was er wolle? Er wäre ja immerhin schon 21. Als Daniel schließlich der nächste in der Reihe war, war es zum Weglaufen zu spät. – Wenige Minuten später wusste er, dass es auch nicht notwendig gewesen wäre. Eine freundliche Dame, so Ende Vierzig, nahm ihn in Empfang. Und anders als er erwartet hatte, stellte sie nicht eine penetrante Frage nach der anderen. Nur ab und zu fragte sie etwas nach. Merkte hier und da etwas an. Und Daniel erzählte. Was er gern in seiner Freizeit machte. Dass er in der Schule immer von Geschichte fasziniert gewesen war. Weil diese so viel mit der Gegenwart gemeinsam hatte. Und von der Politik, die ihn interessierte, weil sie undurchsichtig und spannend zugleich ist. Nach gut einer Stunde war er wieder draußen, versorgt mit jeder Menge Infomaterial und einem guten Gefühl. Ein paar Tage später saß Daniel, dem Rat der Studienberaterin nachkommend, in einer Geschichtsvorlesung. Ganz unverbindlich, einfach nur, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Das gleiche wiederholte er in den darauf folgenden Wochen mit den Fächern Politik und Ethnologie. Politik gefiel ihm auf Anhieb. Hier war alles so ungezwungen und Dozenten und Studenten machten einen unkomplizierten Eindruck. Bei Ethnologie hingegen hatte er noch Zweifel. Volkskunde, war das etwas für ihn? Er wollte nicht noch einmal den Fehler machen und sich für einen falschen Studiengang entscheiden. Darum entschloss er sich, sich noch näher mit dem Fach zu beschäftigen. Er sprach mit älteren Studenten in der Fachschaft und einem Fachstudienberater. Und endlich war er sich sicher. Ja, jetzt wusste Daniel, was er wollte. Er würde Geschichte, Politik und Ethnologie studieren – auf Magister. Dem Informationsmaterial, das er von der ZSB bekommen hatte, konnte er entnehmen, dass Geschichte und Ethnologie zulassungsfrei waren. Das heißt, er würde sich einfach einschreiben können. Nur Politik ist hochschulintern zulassungsbeschränkt, der erforderliche Numerus clausus jedoch nicht so hoch. Sein Abiturdurchschnitt war zwar nicht der allerbeste, aber schlecht war er in der Schule auch nicht gewesen. Daniel war sich sicher, einen Studienplatz zu bekommen. Also besorgte er sich die erforderlichen Bewerbungsunterlagen, was sich dank moderner Technik als kinderleicht erwies. Einfach von der Homepage der Uni downloaden. Etwas komplizierter war es da schon, die Unterlagen richtig auszufüllen. Welcher Schlüssel steht noch gleich für Politikwissenschaft? Und welche Zahl muss man eintragen, wenn man sein Abitur an einem ganz normalen Gymnasium gemacht hat? Nach gut einer Stunde war endlich alles ausgefüllt. Er kontrollierte seine Eintragungen ein letztes Mal und steckte das Formular zusammen mit den erforderlichen Unterlagen, einer beglaubigten Kopie seines Abiturzeugnisses und der Zivildienstbescheinigung, in einen Umschlag und brachte diesen noch am gleichen Tag zur Post. Jetzt hieß es warten. Würde er zugelassen werden? Wenn nicht, was dann? Etwas anderes studieren? Nein, Daniel war sich sicher, dass er Politik studieren wollte. Selbst wenn er dafür noch mal den Studienort wechseln müsste. An anderen Unis war das Fach zum Glück zulassungsfrei. Ein paar Wochen später, es konnte – so glaubte Daniel – eigentlich nur noch ein Ablehnungsbescheid sein, lag endlich das heiß ersehnte Schreiben von der Uni im Briefkasten. „Ich weiß noch genau wie aufgeregt ich war. Schließlich hieß es alles oder nichts.“ Nach kurzem Zögern öffnete Daniel das Couvert. Zugelassen. Super! Demnächst schreibt Daniel sich ein – genauer gesagt um, denn er wechselt ja nur den Studiengang und nicht die Universität. Diesmal wird er alle Unterlagen von vornherein dabei haben: Den Nachweis, dass er den Semesterbeitrag überwiesen hat, das Original des Abizeugnisses, seinen Personalausweis und sogar einen Krankenversicherungsnachweis, den er beim letzten Mal vergessen hatte und dann noch ganz eilig von der Niederlassung seiner Krankenversicherung abholen musste. Wahrscheinlich wird er diesen jedoch gar nicht brauchen, da er ja noch eingeschriebener Student ist. Aber sicher ist sicher. Was er nach dem ganzen Papierkram machen wird, weiß Daniel auch schon. „Ich werde mich auf die Suche nach einem WG-Zimmer machen und von Zuhause ausziehen. Dass gehört doch irgendwie zu einem richtigen Studium dazu. – Ich glaube, es beginnt die beste Zeit meines Lebens.“ Veröffentlicht in STUDIInfo / Ausgabe 01/05 Verfasst von STUDIInfo zurück |
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