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studiInfo Sommersemester 2006Enger Kontakt und große EigenverantwortungAuslandssemester in den Niederlanden„Diese Freiheit habe ich genossen.“ So viel Eigenständigkeit und solch engen Kontakt mit den Dozenten war Heike Göttker von der deutschen Uni gar nicht gewohnt. Nach einem abgeschlossenen Studium in Münster ließ sich die 27-Jährige aus Nordrhein-Westfalen in den vergangenen zwei Jahren im Nachbarland zur Deutschlehrerin ausbilden. Ihre Erfahrungen: Die Lebenshaltungskosten sind hoch, aber die Studienbedingungen hervorragend. Parallel zum Magisterstudium in den Fächern Germanistik, Geschichte und Politik an der Westfälischen Wilhelms- Universität arbeitete Heike Göttker als freie Journalistin beim Norddeutschen Rundfunk. Weil die Berufsaussichten nach Beendigung des Studiums nicht allzu rosig waren, „habe ich mir überlegt, mir ein zweites Standbein aufzubauen“, erzählt Heike Göttker. Sie wollte Lehrerin werden und Deutsch als Fremdsprache unterrichten. „In Deutschland hätte ich noch einige Jahre für diesen Abschluss studieren müssen“, weiß Heike Göttker. Mit dem Gedanken, in den Niederlanden zu studieren, konnte sie sich ganz schnell anfreunden. Sie war auf ein interessantes Projekt von der „Europees Platform voor het Nederlandse Onderwijs“ gestoßen. Die europaweit agierende Organisation bemüht sich um einen europäischen Austausch und bot eine Ausbildung an, die ein einjähriges Praktikum und ein einjähriges Studium beinhaltet. Voraussetzung war ein abgeschlossenes Hochschulstudium in Deutschland im Fach Deutsch. Die meisten Informationen über Zulassungsbedingungen und andere Erfordernisse erhielt Heike Göttker von der Organisation. Besonders wichtig: Für ein Studium in den Niederlanden müssen Ausländer - außer in englischsprachigen Studiengängen - ein NT2-Examen ablegen. Damit beweist der Bewerber, dass er die Sprache lesen, sprechen und schreiben kann. „Um dieses Examen sollte man sich frühzeitig kümmern“, rät Heike Göttker. Nach dem Praktikum im ersten Jahr absolvierte die junge Frau aus Ostbevern, einer 10.000-Seelen-Gemeinde in der Nähe von Münster, im zweiten Jahr an der Universiteit Utrecht die Ausbildung zur Deutschlehrerin. Während sie an dem Diplom „eerstegraads bevoegdheid“ bastelte, arbeitete sie bereits als Lehrerin. Als ehemalige Studentin einer Massenuni wie in Münster erlebte Heike Göttker an der Hochschule in Utrecht einen kleinen, aber höchst angenehmen Kulturschock. Statt in überfüllten Seminaren wurde sie nun in übersichtlichen Lerngruppen unterrichtet. „Ich wurde gemeinsam mit acht Kommilitonen von einem Mentor betreut. Der Kontakt war sehr eng und persönlich“, schwärmt Heike Göttker. Ihr gefiel außerdem, dass der Studiengang sehr praxisorientiert und nicht so starr aufgebaut war wie in Deutschland. Von dort kannte sie straffe Vorgaben - bei einer Seminararbeit zum Beispiel waren Seitenzahl und Absatzformatierung exakt festgelegt. Die flexibleren Vorgaben in dem Studiengang an der Uni Utrecht galten auch inhaltlich. „Es wurde immer betont, dass man alles, was man macht, auch selbst sinnvoll finden muss und es nicht für die Uni tut“, berichtet Heike Göttker. „Ich durfte genau das machen, was ich wichtig fand, woran ich Spaß hatte und von dem ich selbst dachte, dass ich es noch nicht beherrsche.“ So viel Selbstständigkeit war sie von ihrem ersten Studium nicht gewohnt. Die anfängliche Verunsicherung verflog aber schnell. Künftigen Studenten in den Niederlanden gibt die 27-Jährige einen heißen Tipp: „Wer in Holland studieren möchte, sollte sich frühzeitig darüber Gedanken machen, wie er das finanziert. Es ist ein teures Pflaster.“ Auch um eine Wohnung oder ein Zimmer sollten sich angehende Studierende rechtzeitig kümmern, die sind nämlich äußerst rar. Und nicht gerade billig: Für 16 Quadratmeter bezahlt die Deutsche in Eindhoven stolze 365 Euro. Mit ihrem Diplom darf sie in der Unter-, Mittel- und Oberstufe unterrichten. Derzeit arbeitet Heike Göttker an einer weiterführenden Schule in Bladel in der Nähe von Eindhoven und unterrichtet die Klassen 7 bis 12 in allen Schulformen. „Ich könnte theoretisch an alle Schulen in den Niederlanden, an denen Deutsch als Fremdsprache angeboten wird, wechseln“, erklärt sie. Die Perspektiven in Deutschland kann sie noch nicht abschätzen. Gerne würde sie in Zukunft auch mal in der Heimat unterrichten. Dann wird Heike Göttker ihren Schülern vermutlich auch die Eigenverantwortung gewähren, die sie selbst in den Niederlanden so genossen hat. Weitere Informationen Viele nützliche Tipps für ein Studium in den Niederlanden erhaltet ihr unter den nachfolgenden Web-Adressen. www.studieren-in-holland.de Umfangreiche Homepage mit den wichtigsten Informationen und Erfahrungsberichten über ein Studium in den Niederlanden. www.nuffic.nl Infos zum niederländischen Bildungssystem, Austauschprojekten und internationalen Studiengängen. Sowohl in niederländischer als auch in englischer Sprache. www.hbo-raad.nl Die Vereinigung niederländischer Hochschulen präsentiert auf diesen Seiten allgemeine Studieninformationen. Ebenfalls in niederländischer und englischer Sprache. www.ib-groep.nl Die „Informatie beheer groep“ präsentiert Infos zum Sprachtest. Auch diese Homepage ist in niederländischer und englischer Sprache verfasst. www.studyin.nl Informationen über Studienmöglichkeiten sowie allgemein über die Niederlande. Die Seite ist in englischer Sprache verfasst. www.niederlandeweb.de Auf dieser Homepage präsentieren sich die Vertretungen des Königreichs der Niederlande in der Bundesrepublik Deutschland. Veröffentlicht in STUDIInfo / Ausgabe 01/06 Verfasst von STUDIInfo zurück |
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