20 1 2 21 15 3 4 5 6 16 8 7 |
studiInfo Sommersemester 2006Das Ausland direkt vor der HaustürStudieren in den NiederlandenUrlaub auf Ameland, Segeln auf dem Ijsselmeer - touristisch haben die Niederlande viel zu bieten. Nichts Neues. Frischer dagegen ist der Trend, bei den holländischen Nachbarn zu studieren. Rund zehn Prozent der Studenten an der Saxion Hogeschol in Enschede sind Deutsche. Heute ist Schluss mit lustig. Ende der ausgeflippten Begrüßungstage, der Hoi-Woche, mit Party, Kennenlernen und ein bisschen Bürokratie. Das Wochenende dient noch zum Erholen. Aber es geht unweigerlich los. Acht Unterrichtswochen stehen den 3500 neuen Studenten der Saxion Hogeschol bevor, ehe ihre ersten beiden Prüfungswochen folgen. Für rund 280 von ihnen hat ihre Premiere auf dem Hochschulparkett schon stattgefunden. In den Sprachkursen. Sie kommen aus Deutschland und haben sich für ein Studium jenseits der Grenze entschieden. Rund zehn Prozent aller 11.000 Studenten, die in Enschede lernen, kommen nicht aus den Niederlanden. Ein Großteil von ihnen pendelt täglich über die fünf Kilometer entfernte Grenze. „80 bis 90 Prozent“, schätzt Karel Otte vom Saxion-Servicebüro Deutschland, sind dort wegen der räumlichen Nähe zu ihrem Heimatort. So wie für Tobias aus Ahaus-Alstätte. Er braucht jeden Morgen gute 15 Minuten zur Uni und hat in Enschede gefunden, was ihm Münster als eine Alternative nicht bieten konnte: Seinen Studiengang „Small Business & Retailmanagement“, eine Art Betriebswirtschaftslehre für den Mittelstand. Vorlesungen mit 400 Kommilitonen kennt er nur aus den Erzählungen von Freunden, die in Deutschland Maschinenbau studieren. Niederländische Einrichtungen - und vor allem die praxisorientierten Hochschulen - setzen auf problemzentrierten Unterricht auf dem Weg zu Bachelor oder Master. Mit der Entscheidung für einen Studiengang lassen sich die Studenten gleichzeitig auf eine Spezialisierung ein. Nicht allein eine Mentalitätsfrage: Mit seinen Professoren ist Tobias ganz selbstverständlich auf „Du“. Studieren locker flockig? „Seine Leistung muss man trotzdem bringen. Gerade weil man sich so nahe steht, kriegt man schnell gesagt, wo es eng wird“, erklärt er. Dafür sorgt auch das System der Credit Points, dass Lernergebnisse vergleichbar machen will: Im ersten Studienjahr, dass in vier Quartale unterteilt ist, müssen die Neustarter einen großen Teil der Punkte sammeln, der für die ersten beiden Jahre gefordert ist. „Man muss im ersten Jahr richtig powern“, erläutert Karel Otte. Sonst droht ein Blauer Brief, und auch der Ausschluss vom Studiengang ist möglich. Für deutsche Studenten sei dieses Jahr besonders fordernd wegen der Sprachbarriere. Das Hindernis abzubauen ist eine der Aufgaben während der Vorbereitung. Notwendig für den Start ist, eine Klausur nach einem dreiwöchigen Sprachkurs zu bestehen. Selbst Sprachmuffel, so Otte, müssten vor dieser Hürde keine Hemmungen haben, denn die aktuelle Quote der bestandenen Prüfungen liege bei 97 Prozent. Vereinbar seien auch die Zugangsvoraussetzungen: Die Auslese nach dem ersten Studienjahr ersetzt den deutschen Numerus clausus, den es in den Niederlanden nur für wenige Studiengänge gibt. Manche Qualifikationen lassen sich auch nachholen. Schwierig wird es allerdings bei Fächern, die in Deutschland eine Staatsprüfung verlangen. Sie verlangen gute Informationen im Voraus. „Grundsätzlich ist ein Studium in den Niederlanden für den interessant, der mehr Struktur im Lernen braucht“, erklärt Karel Otte, denn der Unterrichtsaufbau sei sehr verschult. Der enge Kontakt zu den Dozenten zeigt dabei: Die Niederländer verstehen ihre Hochschulen als Dienstleister. 1.500 Euro sind pro Studienjahr zu zahlen. Viele Fördermodelle sind möglich. Und wenn Nordrhein-Westfalen im Sommer des nächsten Jahres die Studiengebühr von 500 Euro zulässt? Wie werden die niederländischen Hochschulen und Universitäten reagieren? „Wir werden nicht aktiv in Deutschland werben, aber wir glauben, dass wir eine Funktion im Grenzgebiet haben“, sagt Kommunikationsdirektor Rob Admiraal. Gelegen sei der Saxion daran, die Quote der internationalen Studierenden bei zehn Prozent zu halten und zugleich die Qualität der Lehre zu gewährleisten. Sein Rat: „Man sollte nicht hier studieren, weil es vielleicht modisch ist. Aber wir wollen niemandem das Studium hier verweigern.“ Veröffentlicht in STUDIInfo / Ausgabe 01/06 Verfasst von Michaela Töns zurück |
|
||||||||
|
Über uns | Werbung | Studenten-Shop | Partnernetzwerk | Partnernetzwerk | Impressum & Datenschutzerklärung Copyright 2012 Aschendorff Verlag GmbH & Co. KG |