20 1 2 21 15 3 4 5 6 16 8 7 |
studiInfo Sommersemester 2009Alternativen zum Medizinstudium: „Ein ausgeprägtes Helfersyndrom ist nicht verkehrt“Was der Arzt nicht heilen kann oder was zur Heilung eine längere Zeit benötigt, erschwert den betroffenen Menschen das Leben sehr. Damit sie trotz ihrer körperlichen Beeinträchtigung im Alltag zurechtkommen und mobil sind, wird Orthopädietechnikerin Yvonne Wagner tätig.Braucht ein Patient nach einer Amputation eine Unterschenkelprothese? Soll eine genau passende Sitzschale für einen Rollstuhl hergestellt werden? Diese Fragen etwa gehören für Yvonne Wagner zum Arbeitsalltag. Im Februar vergangenen Jahres schloss die heute 29-Jährige ihre Ausbildung zur Orthopädietechnikerin ab. Ursprünglich wollte die gebürtige Cellerin einen ganz anderen beruflichen Weg einschlagen und nach dem Abitur ein Kunststudium aufnehmen. Die Bildermappe war bereits erstellt, die Bewerbungen geschrieben – „und dann hieß es warten“, blickt die junge Frau zurück. In der Zwischenzeit – „um die Langeweile zu überbrücken“ – absolvierte sie ein Praktikum bei einem Orthopädiebetrieb in Celle. „Mein Bruder machte dort seine Ausbildung“, begründet Yvonne den Schritt weg von der Kunst. Spaß am ersten Tag Dass sie einmal dort bleiben würde, hatte sie sich jedoch nicht erträumt. „Aber die Arbeit hat mir vom ersten Tag an Spaß gemacht“, erinnert sich die 29-Jährige. Darum bewarb sie sich im Anschluss bei dem Unternehmen um einen der Ausbildungsplätze – und wurde prompt genommen. Duale Ausbildung Dreieinhalb Jahre dauert die duale Ausbildung zur Orthopädietechnikerin. Zu kurz, findet Yvonne. „Es gibt so viele unterschiedliche Spezialisierungsbereiche, da wäre eine zusätzliche Vertiefung sinnvoll“, sagt die Absolventin. Im Ausbildungsbetrieb stehen von Beginn an alltägliche Arbeiten, wie das Maßnehmen an den Patienten, das Zeichnen von Entwürfe und die anschließende Herstellung von Gipsabdrücke auf dem Plan. Hier ist millimetergenaue Arbeit gefragt, damit hinterher die Prothese genau sitzt und keine Druckstellen erzeugt, denn schon kleinste Abweichungen können den Patienten Schmerzen bereiten. In der Berufsschule erarbeiten sich die Auszubildenden den theoretischen Hintergrund, den sie für die erfolgreiche Ausübung ihres Berufs benötigen. Spezialisierung auf Beinprothesen Der Berufsschulunterricht findet „am Stück“ als Blockunterricht in länderübergreifenden Fachklassen statt. Dort wird der Unterrichtsstoff eines Jahres in Blöcken von beispielsweise zwei oder drei Wochen vermittelt. Findet der Blockunterricht nicht am Wohnort statt, sind die Auszubildenden während dieser Zeit meist in einem Internat untergebracht und dadurch von Familie und Freunden getrennt. Nach zwei Jahren entschied sich Yvonne Wagner noch einmal für eine Veränderung: Sie wechselte den Ausbildungsbetrieb, um sich in einem münsterischen Betrieb auf die Herstellung von Beinprothesen zu spezialisieren. „Die Arbeit mit unterschiedlichen Werkstoffen, die Kreativität und der Ideenreichtum, der oft nötig ist, um für den Patienten ein Höchstmaß an Komfort zu ermöglichen – das ist jeden Tag neu und aufregend“, schwärmt die 29-Jährige sichtlich begeistert von ihrem Beruf. Und: „Man kann wirklich helfen.“ Scheu vor den Patienten, die oftmals mit bewegenden Krankengeschichten zu ihr kommen, hatte die Orthopädietechnikerin nie. „Aber manchmal nimmt man die Erzählungen doch mit nach Hause, da ist ein ausgeprägtes Helfersyndrom vielleicht nicht verkehrt“, lächelt sie. Neben dem handwerklichen Aspekt habe sie vor allem das medizinische Wissen, das den Auszubildenden vermittelt wird, gefesselt. Dennoch habe sie nach der Zwischenprüfung Zweifel gehabt, ob sie den richtigen Weg eingeschlagen habe. Blick in die Zukunft Heute ist Yvonne Wagner froh, sich für die Ausbildung entschieden zu haben. „Mir macht die Arbeit einfach Spaß“, betont sie. Dass die 29-Jährige sich in einem männlich dominierten Berufsumfeld befindet, damit hat sie keine Probleme. „Ich weiß, was ich kann“, zeigt sie sich überzeugt. Als nächsten Schritt auf der Karriereleiter möchte Yvonne ihren Meistertitel erwerben. Die Zukunftschancen stehen für die junge Frau nicht schlecht: „Auch wenn die Branche an sich klein ist, bietet der Beruf gute Einstiegs- und Karrierechancen. Ihr größter Traum ist zwar bislang noch wahr geworden, aber auch hier zeigt sich die Cellerin optimistisch: „Eines Tages möchte ich gerne als Servicetechnikerin bei den Paralympics arbeiten.“ Veröffentlicht in STUDIInfo / Ausgabe 01/09 Verfasst von Jutta Melchers zurück |
|
||||||||
|
Über uns | Werbung | Studenten-Shop | Partnernetzwerk | Partnernetzwerk | Impressum & Datenschutzerklärung Copyright 2012 Aschendorff Verlag GmbH & Co. KG |