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studiInfo Wintersemester 2011/12

Alternativen zum klassischen Arztberuf - Viele Wege führen in die Medizin

STUDIInfo 02/11„Halbgötter in Weiß“ sind nicht nur im Fernsehen ein Quotengarant. Medizinische Studienplätze sind seit Jahrzehnten akademische Bestseller – nur, dass sie nicht frei im Handel erhältlich sind. Die Stiftung für Hochschulzulassung (SfH) verzeichnete zum Wintersemester 2010/11 mehr als viereinhalb Bewerber auf einen der heiß begehrten Plätze. Durch die doppelten Abiturjahrgänge und das Aussetzen der Wehrpflicht wird sich dieser Wert vermutlich noch erhöhen. Viele Studienanfänger sollten sich daher fragen, ob es nicht attraktive Alternativen zum klassischen Arztberuf gibt.

Die Suchmaschine von www.hochschulkompass.de listet auf die Anfrage „Medizin“ über 430 Studienangebote an deutschen Universitäten und Hochschulen: von A wie „Advanced Physical Methods in Radiotherapy“ bis Z wie „Zahnmedizinische Prothetik“. Viele der angezeigten Fächer sind inzwischen Bachelor- oder Masterstudiengänge, andere scheinen auf den ersten Blick nichts mit Medizin zu tun zu haben. Informatiker, Juristen, Sportwissenschaftler oder Wirtschaftsingenieure werden indes auch im Gesundheitswesen gesucht. Wer flexibel ist, kann also auch über Umwege Karriere in seinem Wunsch-Berufsumfeld machen. Ein ausführliches Strategiegespräch, entweder bei der Zentralen Studienberatung (ZSB) der Hochschulen oder bei externen Anbietern wie etwa CampusCheck, kann bereits vor dem Studium Klarheit über den akademischen Werdegang, Job-Alternativen und die eigene Zukunftsplanung schaffen. Im Idealfall werden die individuellen Vorlieben und Fähigkeiten analysiert und daraufhin das Studienangebot auf Fächer durchsucht, die entsprechende Eigenschaften voraussetzen oder empfehlen. Hin und wieder lohnt sich auch der Blick auf Privat-, Fach- und nichtstaatliche Hochschulen. Die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) etwa legt ebenso wie das Schwesterunternehmen BSA-Akademie ihren Fokus auf aktuell populäre Themen wie Ernährungsberatung und Fitnesstraining.

Ausbildungsberufe als Alternative
Neben den der Medizin artverwandten Studiengängen gibt es natürlich die Ausbildungsberufe im Gesundheitswesen. Anna Nordmann hat sich nach dem Abitur für eine Ausbildung zur Physiotherapeutin entschieden. „Als Kind war ich selbst oft bei der Krankengymnastik. Später habe ich mein Betriebspraktikum in der Oberstufe in einer physiotherapeutischen Praxis absolviert“, blickt die 22-Jährige auf ihre ersten Berührungspunkte mit dem Beruf zurück. Vor allem die Arbeit mit den Patienten und die positiven Behandlungsergebnisse hätten sie für diese Tätigkeit begeistert. „Schon mit kleinen Anwendungen kann man den Menschen etwas Gutes tun und ihre Schmerzen lindern.“ Probleme, einen Ausbildungsplatz zu finden, hatte sie
nicht. Seit 2008 besucht sie die Timmermeister Schule Münster. Der Lehrplan ist auf sechs Semester ausgelegt, in dessen erster Hälfte viel Theorie oder Übungen an und mit den Kollegen auf dem Programm stehen. Im daran anschließenden Jahr folgt die praktische Ausbildung in verschiedenen Krankenhäusern, während das letzte Semester der Wiederholung und der Vorbereitung auf das Examen dient. Von der Fülle des Lernstoffs war sie zunächst überrascht. „Mir war im vorhinein nicht bewusst, dass man die ganze Anatomie und Physiologie des Körpers lernen und vor allem verstehen muss. In dieser Hinsicht ist es wie ein Medizinstudium“, glaubt Anna. Dennoch habe sie den richtigen Beruf für sich gefunden. Die Dankbarkeit der Patienten entschädige für das ganze Pauken. „Einmal kam ein Mann zu mir humpelnd in die Behandlung, mit sehr starken Rückenschmerzen. Nach eini-
gen Anwendungen strahlte er und ging leichtfüßig und nahezu schmerzfrei wieder aus dem Zimmer.“ Das seien Momente, aus denen sie Kraft und Motivation ziehe, verrät sie. Bald ist wieder Büffeln angesagt, schließlich stehen im Oktober die Prüfungen an – insgesamt 30 innerhalb weniger Wochen. Und auch nach ihrem Abschluss geht der Lernprozess weiter. Als Physiothera-
peut Karriere zu machen, vielleicht irgendwann sogar eine eigene Praxis zu eröffnen, bedeutet, viele Fortbildungen und Weiterqualifizierungen zu besuchen. Ein Bachelorstudiengang sei eine weitere Option, sagt Anna. Mehr interessiert sie jedoch die Osteopathie. „Diese Zusatzausbildung dauert allerdings fünf Jahre“, ist sie sich der Doppelbelastung von Job und Lernen bewusst.

Rückkehr auf die Schulbank
Auch andere Fachkräfte im Gesundheitswesen kehren später auf die „Schulbank“ zurück. Verschiedene Studiengänge setzen eine abgeschlossene Berufsausbildung sogar voraus. Wer etwa den Studiengang zum Medizinassistenten, B.Sc. (Physican Assistent) an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg oder an der Mathias Hochschule Rheine belegen möchte, muss vorher bereits in einem Gesundheitsberuf tätig gewesen sein (Näheres dazu im Infokasten). Die praktische Erfahrung ist für Studienanfänger nur von Vorteil, oft haben sie einen Wissensvorsprung gegenüber jenen Studenten ohne jegliche medizinische Vorbildung.

Veröffentlicht in STUDIInfo / Ausgabe 02/11
Verfasst von Tim Lehmann




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