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studiInfo WS 08/09Alternative Medizin: „Wer heilt, hat recht“ Mehr als nur heilende Hände: In der Ausbildung zur Osteopathin erlernt Eva Böhrer umfassende Diagnose- und Behandlungstechniken.Latein und Philosophie waren nicht das Richtige für Eva Böhrer. Schon nach einem Semester stellte sie fest, dass die akademischen Disziplinen ihr zu theorielastig waren, sonst hätte sie sich nach dem ersten halben Jahr vielleicht für ein Medizinstudium entschieden. Aber glücklicherweise half der Zufall bei der Entscheidung: Evas Mutter hat sich in der Orientierungsphase ihrer Tochter einer Behandlung beim Osteopathen unterzogen. „Und das hat mich direkt angesprochen“, erklärt die 22-Jährige. Sie habe sich schon immer für Anatomie interessiert, wollte wissen, wie der Körper funktioniert – ein medizinischer Beruf lag damit nahe. Da die Osteopathie sich zudem noch intensiv und individuell mit jedem einzelnen Patienten beschäftige, so erzählt Eva, sei sie recht sicher, die richtige Wahl getroffen zu haben. Störungen durchs Bindegewebe Bei der Osteopathie stehen Gelenke und Bindegewebe im Mittelpunkt. Bindegewebe, die so genannten Faszien, sorgen unter anderem für den Halt der Muskulatur. Der gesamte Körper ist davon durchzogen. Die vergleichsweise junge Methode der Osteopathie – sie entstand Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA – geht davon aus, dass sich Störungen im Körper durch die Faszien fortpflanzen. So können beispielsweise Rückenschmerzen durch eine Verletzung am Knie verursacht sein. Die Osteopathie, so erläutert Eva, finde diese Störungen durch Abtasten. Mit speziellen Grifftechniken, die mitunter in mehreren Sitzungen wiederholt werden müssten, könnten Verspannungen und Ungleichgewichte behoben werden. Schulmedizinisch nicht zu erklären Allein – was genau geschieht, lässt sich schulmedizinisch kaum erklären. Keine Studie konnte bislang eine klare Wirksamkeit der Osteopathie nachweisen. Dessen ungeachtet erleben viele Patienten nach einer osteopathischen Behandlung deutliche Besserung. Wie die Osteopathie wirkt, steht für Eva indes auch nicht im Mittelpunkt des Interesses: „Wer heilt, hat recht.“ Unterstützt wird sie dabei von einem guten Freund, der an einer Universität Medizin studiert. Anfangs, so Eva, habe er kaum ein gutes Haar an der Osteopathie gelassen, sich dann aber selbst behandeln lassen – mit durchschlagendem Erfolg. Es gehe ihm viel besser als vorher, obwohl ihm die Wirkungsweise noch immer unklar sei. Medizinische Metohoden und Grundlagen Dennoch stehen auch bei der Ausbildung zum Osteopathen zahlreiche Methoden und medizinische Grundlagen auf dem Programm. 2005 hat Eva sich in Schlangenbad bei Wiesbaden an der einzigen Osteopathie-Schule eingeschrieben, die ihre Disziplin in Vollzeit unterrichtet. Und erst jetzt beginnt sie allmählich mit den ersten Praktika. Zuvor musste sie wie jeder Medizinstudent Anatomie, Biochemie, Histologie, Neurologie und zahllose andere Fächer büffeln, seit dem fünften Semester liegt der Schwerpunkt auf der praktischen Arbeit: Bei Diagnose, Analyse und Behandlung werden die theoretischen Kenntnisse in die Tat umgesetzt. „Aus der Klasse stellt sich reihum jemand als Patient zur Verfügung“, erklärt die angehende Osteopathin, „so dass uns der Ausbilder Techniken erklären kann.“ Immer wieder erklären sich auch Patienten aus dem Bekanntenkreis der Schüler bereit, die aber selbstverständlich nur unter den scharfen Augen eines erfahrenen Osteopathen behandelt werden. Nicht als medizinischer Beruf anerkannt Wenn alles gut geht, haben die Absolventen des Sutherland-Colleges zum Ende ihrer Ausbildung ein vom Verband der Osteopathen in Deutschland anerkanntes Examen in der Tasche – neben dem nötigen Wissen, sich einer Heilpraktikerprüfung zu unterziehen. Diese Kombination bietet sich an, weil der Osteopath hierzulande nicht als medizinischer Beruf anerkannt ist und somit nur in Verbindung mit einer anderen Tätigkeit ausgeübt werden kann. Häufig sind das Physiotherapeuten und medizinische Masseure, aber auch Heilpraktiker – Ärzte eher selten. Mit der Bescheinigung, als Heilpraktiker arbeiten zu dürfen, hat Eva am Ende der Ausbildung den großen Vorteil, auch in der osteopathischen Arbeit selbst diagnostizieren zu dürfen. So genannte Heilhilfsberufe wie Physiotherapeuten oder Masseure dürfen das nicht, sie arbeiten nur auf Rezept nach Diagnose des Arztes. Ausbildungswege: Die Ausbildung zum Osteopathen ist nicht zentral geregelt, der Beruf in Deutschland nicht von öffentlicher Seite anerkannt. Ausbildungsangebote prüfen Der Verband der Osteopathen Deutschlands (VOD) und die Bundearbeitsgemeinschaft Osteopathie bemühen sich jedoch um eine Anerkennung, während die Bundesarbeitsgemeinschaft darüber hinaus einen Kriterienkatalog formuliert hat, mit dem eine fundierte Ausbildung gewährleistet wird. Wer eine Ausbildung anstrebt, sollte darauf achten, dass die Schule diese Anforderungen erfüllen. Voraussetzung für die mindestens vierjährige Ausbildung sind medizinische Vorkenntnisse aus einem Heil- oder Heilhilfsberuf wie Arzt, Heilpraktiker, Physiotherapeut oder medizinischer Bademeister – wer keinen solchen Beruf ausübt, ist auf die Vollzeitausbildung etwa am Sutherland-College in Schlangenbad angewiesen. Schnupperkurse nutzen Die meisten Osteopathie-Schulen bieten kostenlose Schnupperkurse an, in denen künftige Teilnehmer sich eingehend über die Ausbildung informieren können. Außerdem besteht die Möglichkeit, sich mit Schülern und ausgebildeten Osteopathen auszutauschen. Weitere Informationen: www.osteopathie.de Veröffentlicht in STUDIInfo / Ausgabe 02/08 Verfasst von Karsten Peters zurück |
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