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AbsolventenInfo Ausgabe 2/ 2007Zwei Länder, zwei Sprachen ... und zweimal die Woche Wiener SchnitzelVon München nach Salzburg, so scheint es, ist es nicht besonders weit. Dennoch erkennt Florian Fischer regelmäßig aufs Neue kulturelle Unterschiede zwischen der bayerischen Hauptstadt und der österreichischen Metropole.Wertmarke statt Pre-Paid-Karte, Staubzucker statt Puderzucker und natürlich Marille anstelle der Aprikose: Obwohl Österreich so nahe liegt, finden sich nicht nur sprachliche Differenzen zwischen Deutschland und der Alpenrepublik, wenngleich Dialekt beim südlichen Nachbarn erheblich mehr gepflegt wird. Bei der Wohnungssuche etwa, die sich nach Fischers Erfahrungen erheblich schwieriger gestaltet haben als die Stellensuche, hat sich der Neuösterreicher inzwischen auf eine „Garconniere“ verlegt, eine Junggesellenwohnung, weil er in Studenten- WGs kaum mehr Chancen hat, aufgenommen zu werden. Langer Entscheidungsprozess Dass Fischer überhaupt den Weg nach Salzburg gefunden hat, ist einem langwierigen Entscheidungsprozess zu verdanken: Während seines Geographie-Studiums an der Technischen Universität München spezialisierte Fischer sich auf den Bereich Geoinformatik, eine noch recht jungen Technik, bei der räumliche Daten so miteinander verknüpft werden, dass sie für die verschiedensten Anwendungen nutzbar gemacht werden. Entscheidung für Salzburg Zum Abschluss des Studiums hatte der Absolvent immerhin drei Stellenangebote für einen Fachbereich, in dem die Hochschulabgänger sonst kaum Aussicht haben, eine angemessene Anstellung zu finden: Die TU München, die Uni Osnabrück und die Uni Salzburg wünschten sich den Absolventen, sind doch diese drei Hochschulen neben wenigen anderen derzeit damit befasst, die Grenzen der Geoinformatik neu abzustecken und entsprechende Datenverarbeitungssysteme zu entwickeln - eine Thematik, die Fischer schon während des Studiums beschäftigt hat. Erst nach langem Überlegen entschied der 29-Jährige sich für Salzburg. „Hier boten sich mir die besten Chancen.“ Differenziertes Positionierungssystem München wäre zwar leichter gewesen, aber das Promotionsthema an der TU war allzu theoretisch, so dass Fischer nun in Österreich Fragen rund um ein sehr differenziertes Positionierungssystem erörtert: Im Academisch Medisch Centrum von Amsterdam etwa, der Uniklinik in der niederländischen Hauptstadt, sind alle Geräte mit aktiven Sensoren ausgestattet, damit die Mitarbeiter über ein entsprechendes Computersystem immer darüber im Bilde sind, wo die benötigten Apparaturen gerade stehen. „Offenbar“, so Fischer, „verschwinden da öfter mal teure Maschinen.“ Doch damit nicht genug: Technisch möglich ist es auch, Patienten und Mitarbeitern ähnliche Sensoren in die Hand zu geben, die zwischen Arzt, Pflegepersonal und Patient unterscheiden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Wenn akuter Bedarf besteht, weiß die Stationsleitung immer genau, wo gerade welcher Mitarbeiter ist und kann entsprechend gezielt reagieren. Die Gefahr, dass dabei die Privatsphäre auf der Strecke bleibt, ist jedoch enorm. Mit seiner Arbeit versucht Fischer herauszufinden, wie sich das Verhalten von Menschen durch solche Ortungssysteme verändert, welche Einschränkungen vorzunehmen sind, um dem die Bewegungsfreiheit und die Freiheit von Beobachtung sicherzustellen. GIScience Sein Arbeitgeber, die Österreichische Akademie der Wissenschaften, betreibt seit Februar dieses Jahres die Forschungsstelle GIScience für Geoinformationswissenschaften in Salzburg. Sie ist am Zentrum für Geoinformatik der Uni Salzburg angesiedelt, das auf diesem Gebiet als führend in Europa gilt. Mit dieser Unterstützung soll in Salzburg die Grundlage für eine neue eigenständige wissenschaftliche Disziplin gelegt werden, die die Kompetenzen verschiedenster Fakultäten verbindet. Gelingt das, so dürfte nach der Evaluation im Frühjahr 2009 noch einige Stellen für Geoinformatiker entstehen. Wiener Schnitzel vom Kalb Florian Fischer fährt einstweilen noch oft ins heimische München, hat er doch dort seine Freundin zurücklassen müssen. Aber die Offenheit und Freundlichkeit in Salzburg, so erzählt er, entschädige ihn manchmal für die Distanz. Und die Mensa tut das ihrige dazu: „Zweimal die Woche gibt es Wiener Schnitzel, vom Kalb, natürlich.“ „Ins Ausland ohne Sprachbarriere: Neue Erkenntnisse inklusive“ Auf dem Weg ins Ausland schrecken viele Absolventen vor der zu überwindenden Sprachbarriere zurück - und bleiben deshalb eher zu Hause, ohne diese Freiheit genossen zu haben und ohne in der Ferne neue Erfahrungen gesammelt zu haben, die für die eigene Persönlichkeit und bei der späteren Stellensuche mitunter sehr hilfreich sein können. Schließlich erkennen Personalchefs im Auslandsaufenthalt die Risiko- und Einsatzbereitschaft ebenso wie eine zupackende Persönlichkeit. Wer sich im ersten Schritt den Berufseinstieg im fremdsprachigen Ausland noch nicht zutraut, dem bietet sich zum Beispiel Österreich an. Viele Gastronomie-Fachkräfte arbeiten bereits seit langem im Sommer auf deutschen Nordseeinseln und verbringen die Wintersaison in den österreichischen Skigebieten. Aber auch anderen Branchen hat das Land zwischen den Alpen jede Menge zu bieten. So zählen etwa österreichische Unternehmen zu den führenden in weiten Teilen des Maschinenbaus. Durch die Mitgliedschaft des Alpenstaats in der Europäischen Union unterliegen Deutsche keinerlei Beschränkung bei Arbeitsoder Aufenthaltsgenehmigung: EU-Bürger sind den österreichischen Staatsbürgern gleichgestellt und benötigen weder Beschäftigungsbewilligung, Arbeitserlaubnis noch einen Befreiungsschein für unselbstständige Arbeit. Allerdings sind alle EUBürger verpflichtet, sich innerhalb von drei Tagen bei der örtlichen Polizei oder dem Gemeindeamt zu melden, wenn sie in Österreich arbeiten. Drei Monate nach Ankunft muss eine Aufenthaltsgenehmigung beantragt werden, ausgestellt wird sie in der Regel ohne größere Umstände von der Fremdenpolizei oder der Bezirkshauptmannschaft. Die Aufenthaltsgenehmigung wird für fünf Jahre erteilt und setzt zwingend eine Einstellungserklärung durch einen österreichischen Arbeitgeber voraus. Liegt diese Erklärung nicht vor, wird die Genehmigung nur für sechs Monate ausgestellt. Wer sich für ein Studium - ganz gleich, ob Aufbaustudiengang oder eine Weiterbildung an einer Hochschule entscheidet, kann den gleichen Weg gehen. Für akademische Weiterbildungen und Aufbaustudiengänge in allen Bereichen bieten die 16 Universitäten, sechs Kunsthochschulen und 18 Fachhochschulen in Österreich zahlreiche Möglichkeiten. Über Bewerbungen um Studienplätze entscheiden die einzelnen Hochschulen selbst. Einen Überblick über Universitäten, Fachhochschulen, Kunstuniversitäten und sämtliche Studiengänge in Österreich bietet die Internetseite www.wegweiser.ac.at. Veröffentlicht in absolventenInfo / Ausgabe 02/07 Verfasst von Karsten Peters zurück |
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