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AbsolventenInfo Ausgabe 2/ 2008

Wenn der Personalchef anruft...

Häufig benutzen Personalchefs das Telefoninterview, um schon vor der persönlichen Vorstellung mit der Bewerberauswahl zu beginnen. Am Telefon können sich Unternehmen schnell einen Eindruck vom Bewerber verschaffen und erste Fragen klären. Bei Positionen, in denen Stimme und Telefongeschick wichtig sind, wird besonders gerne im ersten Schritt zum Hörer gegriffen.

Leider wird ein Telefongespräch nicht immer angekündigt. Schließlich möchte mancher Personaler oder Unternehmenschef vor allem auch wissen, wie spontan der Bewerber reagiert. Jobsuchende in der Bewerbungsphase sollten daher auf alles vorbereitet sein. Markige Sprüche auf dem Anrufbeantworter oder ein flapsig in den Hörer gerufenes „Hi Unbekannter“ sollten in dieser Zeit tabu sein.

Das Telefoninterview ist so wichtig wie ein Auswahlgespräch. Unternehmen sparen durch die Auslese interessanter Kandidaten Zeit und Geld. Am Telefon testen sie die soziale Kompetenz des Bewerbers. „Wie kommunikativ ist der Bewerber, wie flexibel stellt er sich auf ungewohnte Situationen ein – das sind Eindrücke, die Personaler nach einem Telefonat positiv oder negativ vermerken“, sagt Isolde Debus, die in Frankfurt das Büro für Berufsstrategie leitet. Die meisten Firmen kündigen das telefonische Bewerbungsgespräch an. Dann ist es wichtig, sich eine überzeugende Selbstpräsentation zu überlegen. Wie antworte ich auf Fragen zum Lebenslauf? Was kann ich zum Unternehmen sagen? Wo sehe ich meine Stärken und Schwächen? Personaler erwarten klar strukturierte Antworten.

Spontane Sprachwechsel
Mit der Aufforderung „Erzählen Sie mal, was Sie die letzten Jahre gemacht haben“, testen sie, wie pointiert wichtige Sachverhalte vom Bewerber dargestellt werden können. Wer hier munter losplaudert, hat verloren. Ein Beispiel: Fremdsprachenkenntnisse. Wer glaubt, bei der Bestellung von „due espressi“ schon Grundkenntnisse in Italienisch zu haben, kann im Telefoninterview unangenehm auffallen. Bei DaimlerChrysler Services beispielsweise prüfen in der Regel Native Speaker die Bewerber. Viele international tätige Firmen wechseln im Interview unvermittelt die Sprache, um zu sehen, wie flexibel der Kandidat auf unvorhergesehene Situationen reagiert.

Nur mit der Sprache und der Stimme muss der Personaler überzeugt werden. Um dieser Anforderung gerecht zu werden, zahlt sich eine mentale Vorbereitung auf die Situation aus. Gezielt in den Bauch atmen hilft gegen Zittern in der Stimme. „Der Bewerber muss sich ein ideales Umfeld schaffen“, sagt Isolde Debus. Dazu gehört ein ruhiger Telefonplatz, schließlich ist Konzentration die Grundlage für ein erfolgreiches Gespräch.
Wer mit der Gammel-Jeans entspannt auf dem Sofa liegt, kann schnell einen zu saloppen Gesprächston annehmen. Auf dem Schreibtisch sollten neben dem Motivationsschreiben auch eine Kopie der Bewerbungsmappe sowie ein Terminkalender für den Fall weiterer Verabredungen liegen. Der Personaler wird sich mit Namen melden, darum ist es sinnvoll, ihn während des Gesprächs hin und wieder direkt anzusprechen.

„Wer die Spielregeln der Konversation nicht beachtet, dem Interviewer ins Wort fällt oder auf Fragen nicht antwortet, kassiert Minuspunkte“, weiss Isolde Debus. „Der Personaler wird den Ablauf zwar vorgeben, trotzdem ist es gut, wenn der Bewerber für sich selbst Schwerpunkte gesetzt hat.“ Wichtig ist es dabei auch, Interesse zu zeigen. Dazu gehört nicht nur ein Vorwissen über das Unternehmen, sondern auch klug gewählte und plazierte Zwischenfragen, ohne den Gesprächspartner zu unterbrechen.

Notlügen beim „Überfall“ erlaubt
Schwieriger ist es bei einem spontanen Telefoninterview. Unter widrigen Umständen sollte sich der Bewerber besser nicht darauf einlassen. Es ist besser ehrlich zu sagen, dass momentan kein idealer Zeitpunkt sei, und einen Termin mit dem Personalchef zu vereinbaren, als mit schnellem Puls halbherzige Antworten zu geben. Im Übrigen erlauben solche „Überfälle“ auch eine Notlüge.



Checkliste Telefoninterview

- Mit Freunden im Vorfeld Telefoninterviews üben, sich selbst auf Band aufnehmen für ruhigen Telefonplatz sorgen

- Bewerbungsunterlagen beim Gespräch griffbereit haben, Lücken im Lebenslauf sinnvoll begründen

- Telefonskript entwerfen, mit Ihrem Stärkeund Schwächeprofil, mit Fragen und Informationen zum Unternehmen

- Interviewer nicht ins Wort fallen, ihn ab und zu mit Namen ansprechen nicht zu knapp antworten, aber auch nicht zu weitschweifig.

- Entspannen hilft der Stimme: tiefes Ein- und Ausatmen, unverschränkte Arme und Beine, gerade Wirbelsäule

Veröffentlicht in absolventenInfo / Ausgabe 02/08
Verfasst von Jutta Melchers


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