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AbsolventenInfo Ausgabe 1/ 2006

Starthilfe für Start-Ups

Der Einstieg in die Selbstständigkeit ist nicht einfach. Gute Informationen am Anfang helfen Fehler zu vermeiden und einen glänzenden Start hinzulegen.

Damit aus der guten Idee kein Flop und aus dem Sprung in die Selbständigkeit keine Bauchlandung wird, sollten potenzielle Existenzgründer alle sich bietenden Informations- und Beratungsangebote nutzen:
Die Industrie- und Handelskammern sind erste Anlaufstelle für Existenzgründer und Unternehmer aus den Bereichen Industrie, Handel, Gastgewerbe, Dienstleistung und Verkehr, die sich betriebswirtschaftlich und rechtlich beraten lassen möchten. Die Mitarbeiter der Kammern begutachten auch die Unternehmenskonzepte der Existenzgründer, die beispielsweise zur Vorlage bei Kreditgesprächen oder zur Beantragung von Überbrückungsgeld oder Existenzgründungszuschüssen vorgelegt werden müssen. Die Adressen aller Industrie- und Handelskammern sind zu finden unter > www.dihk.de.

Wenn es um Existenzgründungen im Handwerk geht, sind die Mitarbeiter der Handwerkskammern die richtigen Ansprechpartner, wenn es um eine betriebswirtschaftliche und rechtliche Beratung geht. Bei den Handwerkskammern wird auch die Handwerksrolle geführt sowie das Verzeichnis der Inhaber eines zulassungsfreien Handwerks oder handwerksähnlichen Gewerbes. Auch die Handwerkskammern begutachten die Unternehmenskonzepte von Existenzgründern. Die Adressen aller Handwerkskammern finden sich unter > www.zdh.de.

Unbedingt zu Rate gezogen werden sollten auch kommunale oder regionale Wirtschaftsförderer, die sich als Ansprechpartner und Interessenvertreter der Wirtschaft vor Ort definieren. Neben Standortplanung und -werbung gehört die Unterstützung von Existenzgründern und bestehenden Unternehmen zu den Aufgaben der Ämter oder Gesellschaften für Wirtschaftsförderung. Im Angebot haben die Wirtschaftsförderer Orientierungsberatungen, Lotsendienste durch die Verwaltung, Hilfe bei Bauvorhaben oder bei der Standortsuche. Interessant für Existenzgründer sind auch Technologie- und Gründerzentren, die in den Kommunen und Regionen entstehen. Sie stellen Existenzgründern und Jungunternehmern einen günstigen Unternehmensstandort zur Verfügung und bieten darüber hinaus organisatorische und technische Infrastruktur (Verwaltung und Büro), Dienstleistungen rund um das Unternehmen (Sekretariatsservice), Finanzierungshilfen (günstige Mieten) und Managementberatung. Eine Liste aller Technologie- und Gründerzentren hat der Bundesverband Deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren e.V.(ADT) unter >www.adt-online.de zusammengestellt.

Die Agenturen für Arbeit haben neben ihrer Aufgabe, Arbeitssuchenden einen Job zu vermitteln auch unterstützende Funktion, wenn es darum geht, den Weg aus der Arbeitslosigkeit in eine selbstständige Tätigkeit zu ebnen (Überbrückungsgeld, Existenzgründungszuschuss, Einstiegsgeld). Ein Verzeichnis aller Arbeitsagenturen steht unter > www.arbeitsagentur.de.

Speziell an Frauen, die eine Selbstständigkeit anstreben, richtet sich die bundesweit tätige Gründerinnenagentur mit ihrem Beratungsangebot. Die Agentur wird gefördert von den Bundesministerien für Bildung und Forschung, für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie für Wirtschaft und Arbeit und bietet Angebote für Existenzgründerinnen, Unternehmerinnen, Beraterinnen und alle, die sich für verbesserte Startchancen für selbständige Frauen einsetzen.
Die Hotline unter Tel. 01805 229022 steht alle Interessentinnen offen. Das Internet-Angebot der Gründerinnenagentur umfasst Gründungsinformationen, Arbeitshilfen, Veranstaltungshinweise und eine Online-Recherchefunktion für spezielle Coaching- und Beratungsmöglichkeiten.Kontakt: >www.gruenderinnenagentur.de.

Start-Kapital für Start-ups
Klare Finanzen sind die Grundlage jeder Existenzgründung: Wer ein Unternehmen aus der Taufe heben möchte, um seine berufliche Existenz aufzubauen, der muss in der Regel erst einmal in Vorleistung treten, also investieren. Nach dem Studium ist die Kasse allerdings meistens nicht mehr prall gefüllt. Kein Grund, seine Idee nicht weiter zu verfolgen, denn Bund und Länder haben geeignete Förderprogramme aufgelegt, um den Mittelstand zu unterstützen und insbesondere Existenzgründungen (finanziell) zu erleichtern.

Wie viel Kapital wird benötigt? Ein klar durchdachter Kapitalbedarfsplan gehört unbedingt in jeden Businessplan, ganz gleich, woher die Gelder stammen. Wer darauf verzichtet, einen genauen Plan zu erstellen, der läuft Gefahr, dass möglicherweise am Ende das zur Verfügung stehende Geld doch nicht ausreicht. In einem solchen Fall muss dann kurzfristig nachfinanziert werden. Für öffentliche Existenzgründungsdarlehen ist es dann allerdings zu schon spät, denn sie müssen grundsätzlich vor der Unternehmensgründung beantragt werden.
Der Kapitalbedarfsplan muss fünf Größen berücksichtigen: Den Bedarf vor der Gründung, den Bedarf für die betriebliche Anlaufphase, den Bedarf zur Sicherung des Lebensunterhaltes, die Finanzierung des Kapitalbedarfs und die Fremdfinanzierung.

Schon vor der eigentlichen Gründung des Unternehmens fallen bereits die ersten Kosten an, die Berücksichtigung im Kapitalbedarfsplan finden sollten: Dazu zählen beispielsweise Beratungs- und Notariatskosten oder Gebühren für Genehmigungen und Anmeldungen.

Und dann ist es so weit: Der Betrieb kann beginnen. Wie viel Geld muss ausgegeben werden, um das Unternehmen stark zu machen? Hier wird unterschieden zwischen Anlagevermögen (Grundstück, Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge, Büroeinrichtung) und Umlaufvermögen. Zum Umlaufvermögen zählen betriebliche Aufwendungen wie Verwaltung, Vertrieb und Personal, die später durch die Einnahmen gedeckt, in der Anlaufphase aber vorfinanziert werden müssen. Wie hoch sind die Anlaufkosten also insgesamt? Wann geht voraussichtlich die erste Kundenzahlung ein? Wie dick muss also das finanzielle Polster in der Anfangsphase der Betriebsgründung sein?
Gibt es eine Möglichkeit, hier Kosten zu sparen, indem beispielsweise auf die Anschaffung gebrauchter Büroeinrichtungen, Anlagen, Geräte oder Maschinen zurückgegriffen wird? Aber aufgepasst: Eine zu spartanisch wirkende Ausstattung könnte dazu führen, dass Kunden nicht gewonnen werden können. Wenn ein Teil der anfallenden (Büro-) Arbeiten in den ersten Monaten außer Haus gegeben wird, könnten nicht unerhebliche Lohn- und Einrichtungskosten eingespart werden. Vielleicht bietet sich auch eine Zusammenarbeit mit Unternehmen der selben Handelsstufe an, um eventuell günstigere Einkaufskonditionen auszuhandeln. Auch das Angebot von Dienstleistungsunternehmen für Empfangs- und Sekretariatsservice, Car- oder Gerätesharing kann den Kapitalbedarf in der Anlaufphase minimieren.

Denn eine wichtige Größe fehlt noch in der Rechnung des Jungunternehmers: Der Kapitalbedarf zur Sicherung des eigenen Lebensunterhaltes. Alle monatlichen Ausgaben inklusive Versicherungen und Rücklagen für unvorhergesehene Ereignisse müssen finanziert werden.
Wie viel Kapital erwirtschaftet das Unternehmen in der Anfangszeit, und welche Summen müssen investiert werden? Ein detaillierter Liquiditätsplan gibt hier Auskunft: Nur so lässt sich feststellen, ob die (eingeplanten) Einnahmen in der Lage sind, alle anfallenden Kosten einschließlich des privaten Lebensunterhaltes zu decken. Sind die Kosten höher als die Zahlungseingänge, muss zusätzliches Kapital von außen, sprich aus privaten Ersparnissen oder über Fremdkapital „zugeschossen“ werden. Wenn öffentliche Fördergelder und/oder Bankkredite in Anspruch genommen werden müssen, dürfen die monatlichen Zinskosten und Tilgungsraten im Kapitalbedarfsplan nicht unberücksichtigt bleiben.

Wenn der Kapitalbedarfsplan zeigt, dass nur aus Eigenkapital das Unternehmen nicht zu finanzieren ist, muss niemand die berühmte Flinte ins Korn werfen. Wer von seiner Gründungsidee überzeugt ist (und auch seine Hausbank von der Schlüssigkeit des Businessplans überzeugen kann), hat viele verschiedenen Möglichkeiten, zu günstigen Konditionen Startkapital zu erhalten.

„Startkapital“ aus Förderprogrammen kann in Form von Zuschüssen oder einem Darlehen zu günstigen Zinssätzen und langen Laufzeiten den Existenzgründern die Anfangsphase der Gründung deutlich erleichtern. Häufig ist auch eine „Schonfrist“ für die Jungunternehmer Teil des Programms, es gibt aber auch Bürgschaften (wenn beispielsweise die Sicherheiten für Kredite fehlen). Eines sollten Existenzgründer in jedem Fall beachten, wenn sie Fördermittel in Anspruch nehmen möchten: Die Anträge müssen gestellt werden, bevor das Gründungsvorhaben realisiert werden. Bereits begonnene Vorhaben werden in der Regel nachträglich nicht unterstützt. Informationen erteilen die Förderbanken der einzelnen Bundesländer und die KfW Mittelstandsbank. Der Weg führt die Existenzgründer dann zu ihrer Hausbank, denn der Antrag auf Fördermittel muss immer bei der Hausbank gestellt werden.

Die Förderprogramme von Bund und Ländern verfolgen ganz unterschiedliche Ziele: Beim Übergang aus der Arbeitslosigkeit in die Selbständigkeit garantieren Überbrückungsgeld und Existenzgründungszuschuss den Lebensunterhalt des Gründers und seine soziale Absicherung in der Gründungsphase.

Mit dem Bereich „Unternehmerkapital“ sorgt die KfW-Mittelstandsbank dafür, dass Lücken geschlossen werden können beim sogenannten Haftkapital des Unternehmens, um größere Kreditwürdigkeit und höhere wirtschaftliche Handlungsfähigkeit zu erreichen. „Unternehmerkredit“ heißen die Förderdarlehen, die zur Investitions- und Betriebsmittelfinanzierung genutzt werden. Sie zeichnen sich durch besonders günstige Zinsen und Laufzeiten aus. Für kleinere Vorhaben gibt es spezielle Kreditprogramme (Mikrodarlehen, StartGeld). Sogenanntes „Wagniskapital“ benötigen innovative, technologieorientierte Gründer. Die KfW-Mittelstandsbank stellt diese Mittel in verschiedenen Programmen bereit. Fehlende bankübliche Kreditsicherheiten können durch Bürgschaftsprogramme ersetzt werden.

Alle Förderprogramme auf einen Blick
Welche Förderprogramme passen zu welchem Vorhaben? Die Palette der Hilfen und Förderungen ist vielfältig. Eine einfache und schnelle Recherche nach Finanzierungshilfen des Bundes, der Länder und der Europäischen Union gibt es im Internet. Mit der Förderdatenbank des Bundes (> http://db.bmwa.bund.de) gibt die Bundesregierung einen vollständigen und aktuellen Überblick über alle laufenden Förderprogramme des Bundes, der Länder und der Europäischen Union. Die Datenbank ist übersichtlich gestaltet und weist auch auf die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Programmen hin, die für eine effiziente Nutzung der staatlichen Förderung von Bedeutung sind. Dafür stehen dem Existenzgründer unterschiedliche Recherchemöglichkeiten zu Verfügung. Sowohl die Namen der Förderorganisationen als auch der Titel der Förderprogramme führen zum Ergebenis. Für den Überblick sorgt das Inhaltsverzeichnis - eine strukturierte Übersicht über alle Programme des Bundes, der Länder und der Europäischen Union.

Veröffentlicht in absolventenInfo / Ausgabe 01/06
Verfasst von absolventenInfo


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