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AbsolventenInfo Ausgabe 1/ 2006Selbstbewusst nach den Sternen greifen.Andrés Heinemann, Marketingleiter des Flughafens Münster/Osnabrück: „Die eigene Persönlichkeit ist wichtig!“Eine Frage gleich vorweg. Haben Sie als Leiter Marketing und Kommunikation am Flughafen Münster-Osnabrück Ihren Traumjob gefunden? Ein klares Ja. Und das hat ganz unterschiedliche Gründe. Natürlich habe ich nicht als kleiner Junge schon davon geträumt, im späteren Berufsleben das Sprachrohr eines Flughafens zu sein. Der Traum ist für mich vielmehr, genau die Tätigkeit ausüben zu können, die mir persönlich ganz besonders liegt. Alle Abläufe in einem Unternehmen wie dem FMO zu kennen, über sämtliche Bereiche Bescheid zu wissen, die interne Kommunikation im Blick zu haben und in der Öffentlichkeit den Flughafen darzustellen und zu bewerben, das ist genau mein Ding. Ein weiteres Stück Traum ist sicherlich der Arbeitsplatz Flughafen selbst, denn das Fliegen in die Welt hinaus, die Weite und Offenheit eines Flughafen, die haben mich auch schon als kleiner Junge fasziniert. Dann drehen wir doch ein klein wenig an der Uhr. Wie sind Sie Marketing-Leiter des FMO geworden? Mein Schul- und Ausbildungsweg ist eigentlich ganz unspektakulär. In Osnabrück bin ich aufgewachsen und habe das Gymnasium besucht. Nach dem Abitur begann ich das Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Osnabrück. 1995 legte ich mein Examen ab. Über ein Praktikum lernte ich den Flughafen als Wirtschaftsunternehmen kennen. Als dann wenig später eine Position in der Marketingabteilung zu besetzen war, habe ich mich kurzerhand beworben und bekam die Stelle. 1998 wurde ich zum Pressesprecher des FMO bestellt, ein Jahr später zum Leiter des Bereichs Öffentlichkeitsarbeit, seit 2001 bin ich Leiter Marketing und Kommunikation. So wie der Flughafen in den vergangenen Jahren gewachsen ist, sind auch meine Aufgabenbereiche immer weiter gewachsen. Erinnern Sie sich noch an Ihr Einstellungsgespräch? Aber sicher, es war ein sehr intensives und konstruktives Gespräch, in dem es nicht nur um mein an der Universität erworbenes Fachwissen ging, sondern ganz besonders auch um die Tätigkeiten, die ich während des Studiums in verschiedenen Bereichen ausüben konnte, denn sie haben mich nachhaltig geprägt. So war ich beispielsweise über viele Jahre persönlicher Referent des Europaabgeordneten Professor Hans-Gert Röttgering, ich leitete sein Wahlkreisbüro und war vornehmlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Genau so wenig möchte ich die Erfahrungen missen, die ich als Aushilfskraft in einem Reisebüro während des Studiums machen konnte, denn diese Tätigkeit erforderte den direkten Umgang mit Menschen und erlaubte tiefe Einblicke in die Reisebranche. Als wissenschaftliche Hilfskraft an der Universität schließlich standen analytisches und Problem orientiertes Denken im Vordergrund. Letztlich zusammen genommen alles Dinge, die zwar immer „nebenbei“ liefen, aber jedes für sich hat dazu beigetragen, mich für meinen heutigen Beruf zu qualifizieren. Also ein Appell an alle Studenten und Absolventen, sich möglichst neben dem Studium und den vorgesehenen Fachpraktika auch in anderen Bereichen zu engagieren? Unbedingt. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, das Diplom oder das Examen kann nur die Eintrittskarte für eine leitende Funktion in einem Unternehmen sein. Ebenso bedeutend ist die eigene Persönlichkeit, mit der der Hochschulabsolvent überzeugen muss, und die Persönlichkeit wird nicht im Hörsaal gebildet. Wichtig ist deshalb das Engagement über das Studium hinaus, ganz gleich, ob es im politischen, kirchlichen oder sozialen Bereich ist. So entwickelt man auch selbst ein Gespür für die eigenen Stärken und Schwächen. Was schätzen Sie an Ihrem Beruf? Lassen Sie mich kurz auf die Formulierung eingehen, weil wir vorhin vom „Traumjob“ sprachen. Die Tätigkeit hier am Flughafen ist tatsächlich mein Beruf, und das bedeutet für mich mehr als ein „Job“, den man vielleicht übergangsweise und eher halbherzig ausübt. Beim Beruf ist immer ein Stück Herzblut, vielleicht sogar ein wenig Berufung dabei, um ihn ganz auszufüllen. Was ich am Beruf des Leiters Marketing und Kommunikation schätze, ist besonders die Vielfältigkeit der Aufgabenbereiche. Sie reichen im Feld der Kommunikation von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die Region und darüber hinaus, über das Organisieren von Messen und Präsentationen bis zur internen Kommunikation und redaktionellen Betreuung unserer Hauszeitung. Beim Schwerpunkt Marketing geht es darum, für den Flughafen selbst und für den Wirtschaftsstandort im Umfeld zu werben. Wenn es dann beispielsweise gelingt, neue Fluglinien zu gewinnen, sind das Erfolge, die zu den absoluten Höhepunkten meiner beruflichen Tätigkeit zählen. Können Sie weitere Ereignisse nennen, an die Sie sich besonders erinnern, die Sie nachhaltig beeindruckt haben? Das Arbeitsfeld Flughafen ist natürlich immer für Überraschungen gut. Im Jahre 2004 war es das Endspiel der Fußball Champions League, das in Gelsenkirchen stattfand, und zu dem der FC Porto und seine Fans in 30 Sondermaschinen am FMO landeten. Da ging es hier zu wie auf einem Großflughafen. Und als die Fußballer dann auch noch mit der Siegestrophäe abreisten, war das schon ein einmaliges Schauspiel. In Erinnerung geblieben ist mir auch der Besuch des früheren russischen Staatschefs Michael Gorbatschow, der seine damals schwerkranke Frau in den Unikliniken Münster besuchte und spontan am Flughafen ein Interview gab. Ein Ereignis, das auch für besonderen Medienrummel sorgte, war das Einchecken von hochkarätigen, vierbeinigen Fluggästen: Vom FMO aus starteten die Sportpferde zu den olympischen Spielen nach Athen. Ein schwarzer Tag für mich als Flughafensprecher war dagegen der 11. September 2001, denn tiefe Verunsicherung in der Öffentlichkeit galt es durch eine behutsame Öffentlichkeitsarbeit wieder in Vertrauen umzuwandeln. Jetzt aktuell ist es die Startbahnverlängerung, die dem FMO neue Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet, die es auszuloten und zu präsentieren gilt. Jeden Tag warten neue Herausforderungen auf mich und mein Team. Welche Tipps können Sie jungen Diplomanden und Hochschulabsolventen bei der Planung ihrer Karriere mit auf den Weg geben? Wer keinen Job, sondern einen echten Beruf sucht, der ist schon auf dem richtigen Weg. Dabei hilft es, die eigenen Interessen herauszufiltern und auch über den Tellerrand des Studiums zu schauen. Einen Königsweg gibt es sicher nicht, aber wer seine Stärken kennt und überlegt, wo er genau diese Eigenschaften beruflich einbringen kann, der wird mit seiner Persönlichkeit überzeugen und mit dem richtigen Gespür und ein wenig Geduld den Einstieg in die eigene Karriere schaffen. Fatal wäre allerdings, alles daran zu setzen, fünf Nebentätigkeiten und vielleicht noch einen Auslandsaufenthalt im Lebenslauf vorweisen zu können. Ich persönlich halte es für wichtiger, seine Linie beharrlich zu verfolgen aber dabei auch offen zu sein für andere Möglichkeiten, die sich den Absolventen bieten, und eines nicht zu vergessen: Authentisch zu bleiben und mit der eigenen Persönlichkeit zu überzeugen, dann klappt‘s mit der Karriere. >>>>>>>>>>>>>>>><<<<<<<<<<<<<<<< Zur Person: Andrés Heinemann wohnt in Osnabrück, ist 34 Jahre alt, Diplom-Kaufmann, seit 1996 am Flughafen Münster-Osnabrück beschäftigt, seit 2001 Leiter Marketing und Kommunikation. Veröffentlicht in absolventenInfo / Ausgabe 01/06 Verfasst von Marlies Grüter zurück |
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