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AbsolventenInfo Ausgabe 2/ 2006Pferde und Management: Mit PS zur NFKMarion Pleie hält die Leinen fest in der Hand - im Fahrsport und als Nachwuchsführungskraft (NFK) bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in WarendorfDie Leinen hat sie fest in der Hand. Sie will schließlich dirigieren, wohin die Fahrt gehen soll. Wenn Marion Pleie auf dem Bock ihres Zweispänners sitzt und mit ihren Pferden in nationalen Vergleichswettkämpfen der höchsten Klasse einen Hindernisparcours meistert, dann überlässt sie nichts dem Zufall. Das Ziel, das erreicht werden muss, ist für sie und die anderen Wettbewerbsteilnehmer klar definiert. Nur die Strecke bis zum Ziel ist nicht schnurgerade. Ganz im Gegenteil: Viele Hindernisse versperren den Weg. Sie verlangen, dass die Fahrtgeschwindigkeit an einigen Punkten gedrosselt wird, sie führen scheinbar sogar ein Stück rückwärts, sie geben aber auch die Möglichkeit, wieder zu beschleunigen, Fahrt aufzunehmen, vielleicht zu galoppieren, wenn der richtige Zeitpunkt erwischt wird. Denn unerbittlich läuft die Zeit. Aber übertriebener Aktionismus, um die Bestzeit um jeden Preis zu erreichen, würde nur schaden, könnte dazu führen, in einem Hindernis die Kontrolle über das Gespann zu verlieren, im wahrsten Sinne des Wortes anzuecken, Strafpunkte zu kassieren. Immer sind also Sorgfalt und Übersicht gefragt, und natürlich die richtige Taktik, aber auch Mut und Zuversicht, alternative Strecken zu wählen, wenn der zurecht gelegte (Fahr-) Plan nicht funktionieren will. Alles ist ausgerichtet auf das Ziel, das es zu erreichen gilt. Und vor dem Zieleinlauf gibt Marion Pleie die Leinen nicht aus der Hand. Im Fahrsport und auch im Berufsleben nicht. Zielstrebig den eigenen Weg gehen, Hindernisse als Herausforderungen begreifen und auch im übertragenen Sinne die Leinen nicht locker zu lassen, sind das Eigenschaften, die sie auszeichnen? „Verantwortungsgefühl und Pflichtbewusstsein habe ich im Umgang mit den Pferden bestimmt gelernt“, sagt die 24-Jährige, die über die Reiterei zum Fahrsport kam. „Und vielleicht hat der Sport mir auch den Ehrgeiz vermittelt, ein Ziel erreichen zu wollen und dafür auch alles zu tun.“ Denn wenn sie sich etwas vorgenommen hat, dann setzt Marion Pleie alles daran, ihren Traum Realität werden zu lassen. „Geschenke gibt es nur selten. Da ist schon jeder selbst gefordert“, fasst sie ihre Erfahrung in Worte. „Und wenn’s dann tatsächlich klappt, wenn man etwas aus eigener Kraft geschafft hat, dann kann man sogar ein bisschen stolz auf sich sein“, sagt sie. PS und BWL Und sie hat’s geschafft: Mit der Möglichkeit, bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) in Warendorf als Nachwuchsführungskraft ein zweijähriges Traineeprogramm durchlaufen zu können, ist sie schon an ihrem zweiten beruflichen Etappenziel angekommen. „Eine Tätigkeit an der FN, das war mein absoluter Traum“, sagt sie. Für ihren Traum hat sie allerdings hart gearbeitet. „Pferde waren und sind mein Hobby, also hatte ich mir nach dem Abitur vorgenommen, auch beruflich irgend etwas mit Pferden zu machen“, erzählt Marion Pleie. Eine Ausbildung zur Pferdepflegerin? Den Gedanken verwarf sie schnell wieder. Ein Studium der Tiermedizin? Auch das schien ihr nicht der passende Weg zu sein. „Pferde und Management“, ein im Jahr 2001 ganz neu eingerichteter Bachelorstudiengang am Van Hall Instituut im niederländischen Leeuwarden, bot dagegen genau das, was sie sich von einem qualifizierten Studium erhoffte: Pferdesport und betriebswirtschafliches Know-How in Kombination. In den Niederlanden studieren? Ins Ausland gehen und zuvor eine neue Sprache erlernen? „Wenn’s sein muss, mache ich genau das“, war Marion Pleies klare Entscheidung, denn das Ziel, einen Studiengang wählen zu können, der genau ihren Vorstellungen entsprach, ließ alle Hindernisse in den Hintergrund treten. Also meldete sie sich bei der Hochschule in Leuwarden zum Studium an, bekam in einer Studiengruppe von 25 Studenten einen Platz und gehörte zum ersten Jahrgang, der Studenten, die den Studiengang „Tiere und Management“ (Schwerpunkt: Pferde) belegten. „Gut, der vierwöchige Niederländisch-Sprachkurs, der als Pflichtveranstaltung dem Studium vorgeschaltet war, forderte uns deutschen Studenten schon einiges ab“, berichtet Marion Pleie im Rückblick. „Aber mit Ehrgeiz ist das alles zu schaffen“, fügt sie schnell hinzu. Netzwerken Denn der Studienalltag in den Niederlanden, so ihre Erfahrung, entschädigt für alles. „Wir hatten in unserer Studiengruppe ein sehr gutes Verhältnis untereinander und auch zu den Dozenten war der Kontakt höchst unkompliziert“, erzählt Marion Pleie. Aber, was in ihren Augen einen besonderen Stellenwert hat, war die stetige Nähe zur Praxis während des Studiums. „Die Dozenten haben uns Studenten von Anfang an den Blick in die Berufswelt geöffnet, einerseits durch die vielen Praxisbeispiele, aber auch durch Tipps, die sie uns mit auf den Weg gegeben haben.“ Ihr persönlich ist ein Wahlspruch ihrer Dozenten fest im Gedächtnis geblieben: „Ihr müsst aus der Hochschule immer wieder hinaus gehen, zu Kongressen, zu Vorträgen, zu Veranstaltungen und daran arbeiten, Euch ein Netzwerk aufzubauen.“ Chancen nutzen War das „Netzwerken“ zunächst ein Buch mit sieben Siegeln, weiß Marion Pleie inzwischen die Bedeutung dieser immer wieder in ihr Aufgabenbuch geschriebenen Lehre zu schätzen. „Es ist wenig erfolgversprechend darauf zu warten, dass jemand an Deine Tür klopft und Dir den Traumjob anbietet. Am besten ist, jede Möglichkeit zu nutzen, um sich in der Branche, in der man Fuß fassen möchte, bekannt zu machen und zu zeigen, was man kann“, sagt sie aus eigener Netzwerk-Erfahrung. Marion Pleies große Chance waren die im Studienverlaufsplan vorgesehenen Praktika. „Ich habe mich für ein Praktikum bei der FN in Warendorf beworben und sogar die Möglichkeit erhalten, beide vorgesehenen Praktika dort zu absolvieren“, erzählt sie. Insgesamt fast zehn Monate lang arbeitete Marion Pleie als Praktikantin in den unterschiedlichsten Abteilung der Reiterlichen Vereinigung. Ein Praktikum mit mehr Inhalten als Kaffeekochen und Kopieren? „Auf jeden Fall“, bestätigt sie, „ganz egal ob in der Pressestelle, im Organisationsbüro oder in der Mitgliederverwaltung, überall konnte ich eigene Aufgaben übernehmen.“ Und offensichtlich hat die junge Pferdemanagement-Praktikantin von der niederländischen Hochschule auch bei den Verantwortlichen den besten Eindruck hinterlassen. „Als ich meine Diplomarbeit schrieb über die Reiterei im Wandel der Zeit, da erreichte mich ein Anruf aus Warendorf mit dem Angebot, schon wenig später in das zweijährige Traineeprogramm der FN einzusteigen“, erinnert sich Marion Pleie noch gut. „Da musste ich mich mit der Fertigstellung der Arbeit noch richtig ins Zeug legen, um sie eher abzugeben als zunächst vorgesehen.“ Aber den Einstellungstermin für die neuen Trainees an der FN durfte sie auf keinen Fall verpassen. „Hier zu arbeiten, das war mein absoluter Traum“, sagt Marion Pleie. Und er ist es noch. Seit einem Jahr arbeitet sie als Nachwuchsführungskraft (NFK) im Servicebereich der FN. „Ich habe zwar durchaus vieles am Schreibtisch zu erledigen, aber immer hat meine Tätigkeit mit Pferden zu tun“, beschreibt sie ihren Arbeitsalltag. „Derzeit sind wir mit der Entwicklung einer eigenen FNService-Card beschäftigt. Diese Projektarbeit macht mir besonders viel Spaß.“ Was kommt nach dem Ende der Traineezeit im nächsten Jahr? Daran will Marion Pleie jetzt noch nicht denken, auch wenn ihr hin und wieder doch die Leitsprüche ihrer Dozenten wieder einfallen: „Netzwerken und viele Kontakte knüpfen.“ Das ist es auch, was sie anderen Hochschulabsolventen als Tipp mit auf den Weg geben kann: „Immer am Karriereplan basteln, Kontakte knüpfen, sich von Hindernissen nicht aufhalten lassen und die Leinen nicht aus der Hand geben, bis das gesteckte Ziel erreicht ist. Mit ein wenig Geduld und ganz viel Einsatz ist alles zu schaffen.“ Veröffentlicht in absolventenInfo / Ausgabe 02/06 Verfasst von Marlies Grüter zurück |
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