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AbsolventenInfo Ausgabe 2/ 2008

Pecunia olet

Renditen und Zinsen jenseits der acht Prozent, Geldanlagen nur um des Geldverdienens willen ohne Rücksicht auf Sinn oder gar ethische Vertretbarkeit – in der Finanzwelt sind diese Grundsätze so selbstverständlich, dass sie von kaum jemandem hinterfragt werden. Lediglich ein paar „weltfremde Spinner“, so hat es den Anschein, versuchen mit ihrem Geld Projekte zu fi nanzieren, von denen sie auch selbst überzeugt sind.

So erweckt es zumindest nach außen den Eindruck. Wer sich jedoch näher auseinandersetzt mit der Nische derjenigen, die am Kapitalmarkt nachhaltig, ökologisch und sozial verantwortungsvoll agieren, muss schnell feststellen, dass dieses Marktsegment von Jahr zu Jahr wächst.

Hier tummeln sich zwar noch wenige Banken, die allerdings sind so erfolgreich, dass die Annahme, es handle sich um weltfremde Idealisten, völlig haltlos erscheint. So konnte die GLS, die Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken, im vergangenen Jahr einen Zuwachs der Bilanzsumme von gut 20 Prozent verzeichnen – in diesem Marktsegment kein Einzelfall: Die Steyler Bank, eine Gründung der Steyler Missionare aus Sankt Augustin, verzeichnete ein Wachstum der Bilanzsumme um knapp elf Prozent, die Bilanzsumme der Nürnberger Umweltbank stieg um beachtliche 26,5 Prozent.
Auch Laura Schindler, angehende Vermögensberaterin bei der GLS mit Hauptsitz in Bochum, bestätigt diese Entwicklung. Im Moment, so erklärt die 33-Jährige, die in ihrem Trainee-Programm gerade Station in der Kundenbetreuung macht, „rufen viele Kunden von der Postbank an, die nach der Übernahme durch die Deutsche Bank das Kreditinstitut wechseln wollen.“ Und das, obwohl die GLS ihren Kunden zumindest im Pekuniären keine so guten Bedingungen bieten kann wie andere Geschäftsbanken. Das Girokonto gibt es nicht kostenlos und in der Regel liegen Verzinsungen und Renditen für Einlagen um einige Prozentpunkte unter denen der nicht nachhaltig arbeitenden Konkurrenz.

Skandale im Kreditwesen
Dass die Kunden dennoch in stärkerem Maße auf das Geschäftgebaren ihrer Bank Wert legen, führt die studierte Betriebswirtin auf die aktuellen Verwerfungen und Skandale im Kreditwesen zurück. Aufgeschreckt durch die Immobilienkrise in den USA, durch Entlassung zahlreicher Mitarbeiter bei den Großbanken trotz einmaliger Gewinne, würden sich immer mehr Menschen eine Bank wünschen, die nicht alles der Rendite unterordnet. „Statt der höheren Zinsen“, so Schindler, „bieten wir unseren Kunden einen doppelten Wert: die – zwar etwas niedrigeren – fi nanziellen Erträge und das Bewusstsein, mit dem Geld etwas Sinnvolles zu unterstützen, oder zumindest keine Projekte zu fördern, die der Kunden mit seinem Geld nicht fi nanzieren will.“

Hervorgegangen ist die GLS aus der Initiatvie des Bochumer Rechtsanwalts und Antroposophen Wilhelm Ernst Barkhoff. 1961 entstand die Gemeinnützige Treuhandstelle, Vorläuferin der heutigen GLS Treuhand e.V., 1974 kam dann die GLS Bank hinzu. Seither kann die Bank auf eine kontinuierliche Entwicklung zurückblicken. Wurden in den Anfangsjahren in erster Linie Waldorfschulen, Demeter-Höfe und Wohnprojekte fi nanziert, so wurde das Portfolio mit der Zeit deutlich erweitert.

Grundsätze der Arbeit werden geachtet
Heute braucht die GLS selbst den Vergleich mit einer „normalen“ Geschäftsbank nicht mehr zu fürchten. So liegt sie mit ihrer Bilanzsumme von 795 Millionen Euro mit knapp 200 Mitarbeitern nicht weit entfernt von der Volksbank Bochum mit 212 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von 850 Millionen Euro.
Dennoch sollen die Grundsätze der Arbeit auf keinen Fall verloren gehen. „Noch immer“, so Schindler, „wird jedes Investment genau geprüft.“ Alle drei Monate tagt der Anlageausschuss, in dem entschieden wird, welche Projekte fi nanziert werden sollen. Ausgeschlossen sind von vornherein zahlreiche Wirtschaftsbereiche wie Atomenergie, Embryonenforschung, Grüne Gentechnik oder Rüstung, aber auch Unternehmen, die Arbeitnehmer- und Menschenrechte missachten, auf Kinderarbeit zurückgreifen oder Tierversuche durchführen. Ganz oben stehen dagegen Projekte aus dem kulturellen Bereich, freie Schulen, ökologische Landwirtschaft und regenerative Energien. „Zudem“, so gibt Schindler zu bedenken, „legen wir über jeden einzelnen Kredit Rechenschaft ab – unsere Kunden und Mitglieder können jederzeit einsehen, in welchen Projekten ihre Einlagen investiert werden.“ Aber die Transparenz geht noch weiter. Für jedes einzelne Guthaben können die Bankkunden Präferenzen angeben, in welchem Bereich das Geld verwendet werden soll, um über Kreditfi nanzierung neue Projekte zu ermöglichen.

Laura Schindler berichtet
Dass Laura Schindler bei der GLS gelandet ist, wirkt ausgesprochen konsequent. Ihre Abiturprüfung hat die Beraterin an einer Waldorf-Schule in Bochum abgelegt, die Nähe zu ihrem jetzigen Arbeitgeber liegt auf die Hand, fi nanziert doch die GLS zahlreiche Reformschulen in Deutschland. „Nach dem Abitur habe ich dann ganz normal Betriebswirtschaft studiert, International Business in Amsterdam.“ Ein notwendiges Praktikum absolvierte sie bei der Triodos-Bank in der Nähe von Utrecht. Dort erhielt Schindler erste Einblicke in die Arbeit bei einem nachhaltig arbeitenden Kreditinstitut, hat doch die Triodos-Bank ähnliche Ansprüche wie ihr jetziger Arbeitgeber.

Am Anfang stand die Pressestelle
Nach dieser Erfahrung war für Schindler recht schnell klar, dass sie sich bei der GLS bewerben würde, zumal die Bank mit einem Arbeitsplatz in ihrer Heimatstadt Bochum lockte. Bereits vor drei Jahren feierte die Absolventin ihren Einstieg, allerdings zunächst in der Pressestelle. „Nach einiger Zeit wollte ich ein bisschen tiefer in die Bankgeschäfte einsteigen und entschied mich für ein Trainee-Programm zur Vermögensberaterin.“

Veröffentlicht in absolventenInfo / Ausgabe 02/08
Verfasst von Karsten Peters


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