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AbsolventenInfo Ausgabe 1/ 2006Nur nicht die Nerven verlierenIndividuelle Vorbereitung von Kandidaten auf das Assessment CenterNicht lange her, da fieberte die Nation mit kleinen Goldkehlen, die Partout eine professionelle Sangeskarriere starten wollten. Das Auswahlverfahren auf dem Weg zum Siegertreppchen schien manchem Zuschauer allzu hart. Doch seien wir ehrlich - im Assessment Center (AC) hätten sich die Aspiranten gleich verabschieden müssen. Denn der reale Alltag auf dem hart umworbenen Arbeitsmarkt präsentiert sich erbarmungslos. Wenn den Zahlen zu trauen ist, befindet sich nahezu jeder zehnte Deutsche auf Jobsuche. Kein leichter Start also, der den Absolventen bevorsteht, denn eines steht fest: Die Zahl der Mitbewerber um eine gute Position ist immens. Und auch die Unternehmen stehen vor der großen Herausforderung, aus der Flut eingehender Bewerbungen zu selektieren. Sie verlassen sich zunehmend auf kompetente Dienstleister: Assessment Center übernehmen die Aufgabe, ausgeschriebene Positionen bestmöglich zu besetzen. Absolventen sollten im Rahmen dieses Bewerbungsmarathons mit Einzelgesprächen ebenso rechnen wie mit Gruppenübungen, in denen es gilt, die eigene Teamfähigkeit und Führungsqualitäten unter Beweis zu stellen. Ganz sicher sind neben Allgemeinwissen auch Themen aus Politik und Wirtschaft (Tipp: unbedingt Zeitung lesen und am Vorabend Nachrichten sehen) gefragt. So verschaffen sich die Prüfer - auch Assessoren genannt - einen Eindruck über das Verhalten der Kandidaten in Praxissituationen. Thema können Anforderungen im Beruf sein oder ein scheinbar banales Alltagsthema. Im Pro- und Contra-Gespräch zeigt sich bald, wer in Stress gerät und wer auch in heikler Situation die Ruhe bewahrt. Häufig sind im Assessment Center Rollenspiele gefordert, bei denen die Kandidaten in die Rolle des Mitarbeiters oder der Führungskraft schlüpfen. Und es gilt, nicht ausschließlich fachliches Wissen zu präsentieren. Vielmehr fallen weiche Faktoren wie die Persönlichkeit, Kommunikationsfähigkeit und das Engagement des Einzelnen ins Gewicht. Dabei ist die Herangehensweise an diesen wichtigen Tag ebenso individuell wir die Vorstellung von dem, was den Bewerber dort erwarten könnte. Markus Kampmann (30), Magisterabschluss in den Fächern Politikwissenschaft, Wirtschaftspolitik und Öffentliches Recht, derzeit Volontär bei einer Tageszeitung, stellt sich der Herausforderung: Ahnungslos ins Assessment Center zu gehen - das kommt für mich nicht in Frage. Da kann der Studienabschluss noch so gut sein - beim Auswahlverfahren für einen Job zählen der persönliche Eindruck und die Ergebnisse der jeweiligen Aufgabenstellungen, die es vor Ort zu lösen gilt. Da ich in der Regel nicht weiß, was da im Einzelnen auf mich zukommt, ist eine gründliche Vorbereitung das A und O - schon alleine deshalb, weil das Gefühl, gut vorbereitet zu sein, das Selbstvertrauen und damit das Auftreten stärkt. Diese Faktoren sind nicht zu unterschätzen, denn Assessment Center zielen gerade darauf ab, die Teilnehmer unter Stressbedingungen auf die Probe zu stellen. Informationen sind dafür eine wesentliche Voraussetzung. Ich würde mich also so gut es geht über das jeweilige Unternehmen sowie über die speziellen Anforderungen der offerierten Stelle informieren. Daraus dürften sich auch Rückschlüsse ziehen lassen auf das, was mich im Assessment Center selbst erwartet. Da bei derartigen Auswahlverfahren gerne auch das Allgemeinwissen - vor allem zu aktuellen Themen - auf die Probe gestellt wird, gehört das intensive Lesen der Tagespresse selbstverständlich zur Vorbereitung mit dazu. Auch kann es von Vorteil sein, wenn man sich schon vorab über typische Frage- und Aufgabenstellungen in Assessment Centern informiert und diese durchspielt - beispielsweise Übungen für Intelligenz-, Leistungs- und Persönlichkeitstest. Auch Jutta Melchers (26), Magisterabschluss in den Fächern Germanistik, Politikwissenschaften und Soziologie, bereitet sich auf diese erste Hürde vor: Zunächst einmal gilt beim Gedanken an das Assessment Center die Devise: nur nicht die Nerven verlieren. Und auch, wenn ich aus Gesprächen mit Freunden weiß, dass die Vorbereitungsmöglichkeiten auf einen solchen Test angeblich nur beschränkt seien, recherchiere ich - auch um die Nerven zu beruhigen. Zunächst einmal hole ich Informationen und Basisdaten über das Unternehmen ein, bei dem ich mich beworben habe. Das sollte zwar sicherlich bereits beim Abschicken der Bewerbungsunterlagen geschehen sein, eine weitere Vertiefung in das Thema schadet aber nicht. Schließlich tun sich dabei Themenbereiche auf, die sicherlich auch im bevorstehenden Test eine Rolle spielen. Wirtschaftsdaten oder Unternehmensstrukturen zum Beispiel. Doch im Assessment Center wird mehr verlang als das schlichte Herunterbeten von Fachwissen. In diesem Fall kann eine Recherche im Internet oder in der einschlägigen Fachliteratur von Vorteil sein. Dort gibt es Expertentipps, die vor den gängigsten Stolpersteinen und Fallgruben warnen. Und ich höre in mich hinein: Wie wirke ich nach Außen? Vielleicht kann mir auch eine Freundin helfen, die diese Frage ehrlich beantwortet. Schließlich kommt es im Assessment Center in erster Linie auf die so genannten „Soft Skills“ an. Die Außenwirkung ist somit entscheidend. Wer zu schüchtern - aber auch zu selbstsicher wirkt - hat oftmals nur geringe Aussichten auf den Job. Daher sollte man wissen, wie die eigene Persönlichkeit beim Gegenüber ankommt. Eine Rolle zu spielen hingegen funktioniert ganz sicher nicht. Wichtig erscheint mir aber auch zu wissen, was ich selber will und vom angestrebten Job erwarte. Denn nur so wirkt das Auftreten beim Assessment Center überzeugend, und ich kann meine Position auch wirkungsvoll darlegen. Zu guter Letzt würde ich mich noch auf die praktischen Herausforderungen im Assessment Center vorbereiten. Schließlich soll der erste positive Eindruck nicht dadurch verwässert werden, dass ich nicht mit einem Flip-Chart umgehen kann. Ungeduld ist nicht immer eine positive Eigenschaft Dem Bewerber auf den sprichwörtlichen „Zahn“ zu fühlen ist Aufgabe des Personalentscheiders - ganz gleich, ob es sich dabei um einen Job handelt, mit dem das Studium finanziert wird oder den Einstieg in die Berufswelt. Dabei sind einige Regeln zu beachten. Zuerst einmal gilt es, ordentlich gekleidet zu erscheinen - wohlgemerkt nicht „verkleidet“. Die „Kluft“ sollte zum Typ passen. Also ab in das Kaufhaus des Vertrauens, einen sympathischen Verkäufer ansprechen - der übrigens äußerst korrekt gekleidet sein sollte - und ihm darlegen, wo der Schuh drückt (der nicht nur sauber geputzt, sondern auchbequem sein und folglich bei Neuinvestition vorher eingelaufen werden sollte). Wirkt manchmal Wunder! Ein Gang zur Kosmetikerin kann Ihr und Ihm keineswegs schaden. Und nicht zuletzt - der Gang zum Friseur des Vertrauens, der auch eingeweiht werden sollte. Denn der erste Eindruck ist wichtig! Die Tasche gehört in die linke Hand, den Händedruck mit der rechten Hand ruhig mal mit dem Kumpel üben. Und - beim Aufstehen den Stuhl wieder an die Ausgangsposition stellen - es gilt, einen ordentlichen Eindruck zu hinterlassen.Der Bewerber darf beim Erstkontakt mit dem potenziellen Arbeitgeber durchaus mit gängigen Standardfragen rechnen, auf die er sich im Vorfeld vorbereiten sollte. „Warum bewerben Sie sich bei unserer Firma? Was erhoffen Sie sich in dieser Position?“ Aber auch - „Welches war Ihr negativstes Erlebnis?“ oder „Welche Eigenschaften schätzen Ihre Freunde an Ihnen?“ Heikel wird es bei der Frage nach dem häufigen Wechsel der Studienrichtung oder Fehlzeiten im Abiturzeugnis. Kleiner Tipp: Immer am Abend zuvor die Spätnachrichten sehen - häufig werden Fragen aus dem aktuellen politischen Geschehen gestellt. Grundsätzlich ist Ehrlichkeit gefragt. Und die gerät bei einstudierten Standardantworten ins Wanken. So antworten nahezu alle Bewerber, gefragt nach „negativen Eigenschaften“ - alles andere als spontan mit „Ungeduld“. Welcher gelehrte Personalentwickler in der Historie von Bewerbungstrainings auf die Idee gekommen sein mag, dieses einzig positive Negativum als Antwort für die Bewerberwelt zu schaffen - er hat ausgedient. Denn während „Ich singe lautstark unter der Dusche!“ dem potenziellen Arbeitgeber noch ein Schmunzeln entlockt, ist es bei diesem Trivial-Attribut nur ein Stirnrunzeln. Und leider häufig das Aus. Weitere Fallstricke: Fremdsprachen. Für so manchen Bewerber war das Thema bereits erledigt, als er aufgefordert wurde, sich selbst vorzustellen - über eine Dauer von sieben Minuten und in englischer Sprache. Grundsätzlich, rät Peter von Woedtke, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Kahle, Wasmuth, v. Woedtke mit Sitz in Hamburg, sollte der Bewerber im Assessmentcenter darauf vorbereitet sein, Gruppenaufgaben zu lösen. Und da liegt nicht der Bewerber weit vorn, der sich besonders lautstark im Alleingang aus der Gruppe hervorhebt. Teambuilding, Organisationstalent, Kreativität beim Finden von Lösungsansätzen und vieles mehr sind an Eigenschaften einer angehenden Führungskraft gefragt. Veröffentlicht in absolventenInfo / Ausgabe 01/06 Verfasst von absolventenInfo zurück |
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