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AbsolventenInfo Ausgabe 1/ 2008

In Neptuns Reich

Regenerative Energien

30 Meter Wassertiefe, im Umkreis von über 50 Kilometern kein Festland und extreme Witterungsverhältnisse: Matthias Portmann entwickelt für den Energiekonzern RWE Offshore-Windparks vor der niederländischen Küste.
Dass sich dieser Aufwand auch in wirtschaftlicher Hinsicht für den Branchenriesen rentiert, davon ist der promovierte Bauingenieur überzeugt, schließlich plant die RWE-Tochter RWE Innogy, für die Portmann arbeitet, in den Niederlanden den Bau von zwei großen Offshore- Windparks mit insgesamt 2.000 MW – die Leistung von zwei konventionellen Großkraftwerken.
Aber bevor die Planungsanträge genehmigt sind und die Windparks gebaut werden können, ist noch einiges zu tun. Nachdem die Areale vor der niederländischen Küste gefunden wurden, in denen der Schiffsverkehr und die Fischerei nicht beeinträchtigt werden, die nicht für militärische Manöver genutzt werden, wo kein Sand oder Kies abgebaut wird und die nicht auf Vogelflugrouten liegen, beginnen die detaillierten Umweltverträglichkeitsstudien. Da die Anlagen auf besonders widerstandsfähigen Fundamenten stehen müssen, um Wind und Wellen trotzen zu können, werde der Boden zunächst seismisch untersucht „Bevor die Fundamente geplant werden, fährt ein Bohrschiff zu den Locations und nimmt Bohrkerne aus dem Untergrund.“ Anhand dieser Proben, so Portmann, ermitteln Ingenieure und Geologen, wie die Basis beschaffen sein muss, damit das rotierende Kraftwerk guten Halt findet.

Ingenieurstudium als Grundlage
Sein Rüstzeug für die Entwicklung großer Windenergieparks hat der 35-Jährige nicht aus einem speziellen Studiengang. Nach seinem Studium zum Bauingenieur an der Ruhr-Universität Bochum promovierte er und nahm dann eine Stelle beim Essener Baukonzern Hochtief an – so weit eine klassische Karriere. „Aber schon vor Beginn des Studiums habe ich mich für Umwelttechnik interessiert – nur gab es noch keine entsprechenden Studiengänge.“ Im Nachhinein sei die Entscheidung für ein Ingenieurstudium aber doch die richtige gewesen. „Mit der fundierten Ausbildung des konstruktiven Ingenieursbaus habe ich eine gute Grundlage geschaffen.“
Bei Hochtief war der Bauingenieur nach klassischen Tätigkeiten zuletzt für die Entwicklung Geothermischer Kraftwerke zuständig, mit der sich im Übrigen auch sein neuer Arbeitgeber RWE Innogy beschäftigt.
Im Gegensatz zu den bekannten Erdwärmeheizungen, die Wohnhäuser beheizen, ging es jedoch um größere Anlagen. „Bei der Tiefengeothermie wird zwischen dreitausend und fünftausend Metern tief in die Erdkruste gebohrt“, so Portmann. Über eine Bohrung wird Thermalwasser aus der Tiefe gepumpt. Mit dem heißen Thermalwasser kann mittels spezieller Kreisläufe elektrischer Strom erzeugt werden. „Die Abwärme wird dann noch eingesetzt, um Wohnhäuser in der näheren Umgebung auf angenehmen Temperaturen zu bringen.“

Offshore Wind Anlage
Bei der RWE Innogy ist Portmann seit einigen Monaten im Bereich Offshore Windenergie beschäftigt und zuversichtlich, dass das Projekt in den Niederlanden realisiert wird. Zur Zeit arbeitet er mit den Kollegen der niederländischen Konzern-Tochter RWE Energy Netherlands für das Genehmigungsverfahren, müssen doch zahlreiche Bestimmungen eingehalten werden. Hinzu kommen Herausforderungen beim Bau und Betrieb der Offshore Wind Anlage: Jede einzelne Turbine muss aufwendig mit dem Schiff an den Bestimmungsort gebracht werden, das Fundament ist im schwankendem Salzwasser zu montieren – und selbstverständlich können Schiffe und Montageteams bei Sturm nicht arbeiten.

Kein Verzicht auf Konventionelle Anlagen
Dass RWE derzeit in Hamm für rund zwei Milliarden Euro eines der weltweit modernsten Steinkohlekraftwerke errichtet, steht für den Offshore-Wind-Planer nicht im Widerspruch mit seiner Arbeit – im Gegenteil. „Es wäre naiv, auf den Bau modernster, konventioneller Anlagen zu verzichten. Wir brauchen diese Investitionen, um die Energieversorgung auch mittelfristig sicherstellen zu können.“ Bis 2020 jedenfalls, das sei sicher, könnten regenerative Energieträger trotz des enormen technischen Fortschritts die konventionelle Stromerzeugung nicht ersetzten. Aber wenn alles gut geht, werden in zwölf Jahren 2000 MW Offshore-Windparks vor der niederländischen Küste einen Beitrag für eine klimafreundliche Stromerzeugung leisten.

Veröffentlicht in absolventenInfo / Ausgabe 01/08
Verfasst von Karsten Peters


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