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AbsolventenInfo Ausgabe 1/ 2008Gut beratenStudentische Unternehmensberatungen bieten Betrieben preiswerte Leistungen und Studierenden gute BerufsaussichtenSie sind preiswert, hochmotiviert und haben unmittelbaren Zugriff auf die aktuellsten Erkenntnisse der universitären Forschung: Studentische Unternehmensberatungen sind vor allem bei kleinen und mittelständischen Betrieben ausgesprochen beliebt, liegen doch ihre Tagessätze weit unter den Preisen arrivierter Consultants. So erhebt etwa die studentischer Unternehmensberatung Oscar an der Universität zu Köln einen Tagessatz von 200 Euro. „In dieser Größenordnung bewegt sich teilweise der Stundensatz großer Beratungsagenturen“, erklärt René Baron, studentischer Berater bei Oscar. „Aber selbstverständlich ist es nicht nur der Preis, der uns interessant macht“, ist der 28-Jährige sicher. Vielmehr würden viele Betriebe sich ganz gezielt an studentische Berater wenden, erwarten sie doch von den Youngsters unkonventionelle Lösungen. Dass sie diese überraschenden Ansätze in der Regel auch erhalten, liegt auf der Hand, verfügen doch die Studierenden kaum über eingehende Branchenkenntnisse. Bei jedem Auftrag, den die Beratungsagenturen erhalten, müssen sich die angehenden Akademiker erst intensiv ins Thema einarbeiten und ein Projektteam zusammenstellen – erst dann können sie sich daran machen, einen Lösungsvorschlag zu erarbeiten – unvorbelastet und mit unverstelltem Blick. „Die Motivation hier im Team ist dabei ungeheuer hoch“, versichert René mit Blick auf seine eigenen und die Arbeitszeiten der Kollegen. Im Gegensatz zu den meisten anderen studentischen Unternehmensberatungen ist Oscar kein eingetragener Verein, sondern eine GmbH. Anteilseigner ist das Organisationsforum Wirtschaftskongress (OFW). Der 1987 gegründete gemeinnützige Verein will wirtschaftlich interessierte Studierende bei einer praxisnahen Ausbildung unterstützen. Deshalb gründete der Vorstand vor rund 16 Jahren die Beratungsgesellschaft. Hohes Engagement bei der Arbeit Seither arbeiten sämtliche Mitarbeiter bei Oscar – allesamt Studis und junge Absolventen – als Praktikanten angestellt und erhalten alle die gleiche Vergütung: 400 € pro Monat. Dennoch, so versichert René, sitzen er und seine Kollegen vor wichtigen Präsentationen ihrer Ergebnisse mitunter bis tief in die Nacht im Büro. Ein Einsatz, der schon rein zeitlich nur möglich ist, weil die Studierenden für die Zeit ihres Engagements bei der Unternehmensberatung ihr Studium ruhen lassen, erwartet sie doch ein Full-Time-Job, der kein Studium mehr zulässt. Bei der Personalsuche beschränken sich die Kölner indes nicht nur auf die rheinischen Hochschulen. Aus dem gesamten Bundesgebiet treffen Bewerbungen ein, regelmäßig führt das Team Assessment Center durch, an deren Ende rund 40 Prozent der Bewerber in den Beraterpool aufgenommen werden. Erhält dann die Beratung einen Auftrag, so werden die passenden Studierenden ausgewählt und zu einem Team zusammengestellt – stets jüngere und ältere Berater in einer gemeinsamen Gruppe, so dass der Wissenstransfer gewährleistet ist. Mit all diesen Organisationsmerkmalen unterscheidet sich Oscar deutlich von den meisten anderen studentischen Unternehmensberatungen. So ist Sebastian Saarbeck gewählter Vorstand des Vereins Move aus Münster und als solcher verantwortlich für die studentische Unternehmensberatung an der Westfälischen Wilhelms-Universität und der Fachhochschule Münster. Die Aufgaben von Move beschränken sich indes auf Akquise, Recruiting, Archiv und Verwaltung. Erhalten die Studierenden den Auftrag, ein Unternehmen beraterisch zu unterstützen, so wird aus den 50 bis 60 Vereinsmitgliedern ein Team zusammengestellt. „Die Gruppe gründet dann eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die als Vertragspartner des Auftraggebers auftritt und auch rechtlich voll in der Pflicht steht“, erklärt Sebastian die Arbeitsverteilung. Die GbR handelt mit dem Kunden die Verlagsmodalitäten aus und regelt intern die Bezahlung der Projektbeteiligten, muss allerdings nach getaner Arbeit dem Verein eine umfassende Dokumentation vorlegen. Anders als in Köln wird von den Mitglieder nicht erwartet, dass sie während ihres Engagements bei Move ihr Studium unterbrechen. „Es kann zwar vorkommen, das der eine oder andere während eines Projekts ein paar Klausuren weniger schreibt als sonst, aber für das Studium sollte immer noch genug Zeit bleiben“, so der Vereinsvorstand. Sebastian, selbst im achten Semester seines BWL-Studiums, ist bereits seit rund drei Jahren Mitglied von Move und hat in dieser Zeit zahlreiche Projekte bearbeitet. „Das umfangreichste war der Auftrag eines Finanzdienstleisters, für den wir eine Imageanalyse durchgeführt haben – rund acht Monate waren wir damit beschäftigt.“ Im Normalfall orientieren sich die Projekte am Vorlesungszyklus, so dass die Arbeiten nach drei bis vier Monaten abgechlossen sind. Aus diesem Grund sieht Sebastian auch die studentischen Unternehmensberatungen nicht als Wettbewerber der großen Anbieter. „Was die machen, das können wir überhaupt nicht leisten.“ Andererseits befinde Move sich von Zeit zu Zeit schon in Konkurrenzsituationen mit kleineren Beratungsgesellschaften vor Ort. „Manchmal gewinnen wir den Pitch, manchmal gewinnen wir nicht.“ Begehrte Absolventen Bei den großen Unternehmensberatungen wie Price Waterhouse Coopers oder Capgemini spielen die studentischen Agenturen in Sachen Wettbewerb kaum eine Rolle. Auf der Suche nach Nachwuchs aber hält sich Kathrin Mink denn doch an die Studierenden. Schließlich stößt die Personalmanagerin von Capgemini unter den Young Professionals auf hoch motivierte Absolventen, die bereits einiges an Berufserfahrung mitbringen. Organisierte Kompetenz: Die Idee an der Universität erlerntes theoretisches Wissen bereits während des Studiums praktisch anzuwenden stammt aus Frankreich: Mitte der sechziger Jahre wurden dort die ersten studentischen Unternehmensberatungen gegründet, die Junior Enterprises (JE). Seit Mitte der achtziger Jahre gibt es studentische Unternehmensberatungen auch in Deutschland. Sie vermitteln Projektteams, die sich durch originelle Ideen und Kompetenz auszeichnen, an Unternehmen. Inzwischen gibt es über 80 solcher Vereine in Deutschland. In Anbetracht der fortschreitenden Entwicklung auf europäischer Ebene und des Strukturierungsbedarfs in Deutschland haben sieben JEs im September 1992 den Bundesverband Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen (BDSU) gegründet. Der BDSU bietet Kontakt zu Top-Unternehmen verschiedener Branchen und eine Plattform zur internen Weiterbildung. Auch auf internationaler Ebene ist der BDSU durch sein Engagement im europäischen Dachverband JADE aktiv. Die Mitglieder des BDSU werden nach an die ISO 9000 angelehnten Standards jährlich auditiert und vermitteln Beratung auf hohem Niveau. Der BDSU wird von namhaften Unternehmen gefördert. Neben der fi nanziellen Unterstützung, die die Netzwerkarbeit und die gemeinsamen BDSU-Veranstaltungen überhaupt erst ermöglicht, spielt im Rahmen der Kuratorenschaft die Begegnung zwischen Unternehmen und Studierenden eine herausragende Rolle. Veröffentlicht in absolventenInfo / Ausgabe 01/08 Verfasst von Karsten Peters zurück |
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