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AbsolventenInfo Ausgabe 1/ 2007

Faszination Schimmelpilz

Für Absolventen mit Interesse für Biologie und Chemie wird seit neuestem ein weiteres Fach angeboten: Die Biotechnologie. Philipp Wiemann ist seit dem ersten Semester dabei und hat viele positive Erfahrungen gesammelt.
Philipp Wiemann erforscht Fusarien zur Prävention bei Reispflanzen. Nachdem der Biotechnologe sich bereits in seiner Diplomarbeit mit dem Thema Schimmelpilz beschäftigte, will er nun sein Studium des Faches Biotechnologie mit einer Promotion krönen.

Zufrieden blickt Philipp Wiemann auf die trübe Flüssigkeit im Erlenmeyer-Kolben, den er in der Hand hält. Die gelblich-beige Lösung wirkt auf den ersten Blick unspektakulär, aber für den Molekularbiologen hat die chemische Verbindung eine wichtige Bedeutung. „Hier im Labor werden unterschiedlichste Schimmelpilzarten zur Forschung gezüchtet, darunter auch Fusarium fujikuroi, mit dem ich arbeite“, erklärt der 26-jährige Doktorand.

Für seine Promotion arbeitet er am Institut für Botanik und am Institut für Lebensmittelchemie. Zwischen diesen beiden Instituten gibt es eine Kooperation, Wiemann ist Stipendiat in einem internationalen Graduierten Kolleg der WWU Münster.

Neues Fach: Biotechnologie
Eine besondere Beziehung zum Thema Schimmelpilze gibt es für Philipp Wiemann erst seit dem Beginn seines Studiums, aber nach seinem Abitur war für ihn klar, dass sein beruflicher Werdegang mit einer Naturwissenschaft in Zusammenhang stehen sollte. Zuerst tendierte er zu einem Medizin- oder Biologie-Studium, erfuhr dann aber von dem neu angebotenen Fach Biotechnologie. „Die Institute für Biologie, Chemie sowie Molekulare Mikrobiologie und Biotechnologie in Münster boten als eine von nur vier Universitäten in Deutschland das neue Fach an“, erinnert sich Wiemann. „Mir hat die vielseitige Ausrichtung des Studiengangs gefallen, außerdem fand ich es spannend, zu den ersten Studierenden des Faches zu gehören.“

Chemie als Grundlage
Die besonders naturwissenschaftliche Ausrichtung des Faches führte dazu, dass der frischgebackene Studierende im Jahr 2001 erst einmal seine Defizite in Chemie aufholen musste. „In der Schule hatte ich nicht so intensiven Chemie-Unterricht, so dass die ersten Semester ganz schön anstrengend waren – aber es hat auch Spaß gemacht“, betont der gebürtige Herdecker. Die Erwartungen des ehrgeizigen Studenten an das Fach Biotechnologie wurden dann aber auch voll und ganz erfüllt. Es wurden weniger Studieninhalte aus der klassischen Biologie gelehrt, dafür gab es schon im Grundstudium Seminare aus den Wirtschaftswissenschaften und Jura im Angebot – wie zum Beispiel Innovationsmanagement und Patentrecht. Konsequenterweise wählte der Biotechnologe dann nach dem Vordiplom BWL zu einem seiner beiden Nebenfächer.

Gute Studienbedingungen
Als sehr angenehm empfand Philipp Wiemann die Studienbedingungen. Lediglich 34 Kommilitonen und Kommilitoninnen ermöglichten eine sehr familiäre und übersichtliche Atmosphäre in den Studienjahren des 26-jährigen.

Die Suche nach einem Thema für seine Abschlussarbeit war für den Absolventen schnell vollzogen. Nach einem Kurs über Schimmelpilze war seine Begeisterung für diesen Bereich geweckt. „Viele Kommilitonen haben sich zu diesem Zeitpunkt vor allem mit Bakterien beschäftigt. Mich hat an den Schimmelpilzen fasziniert, dass sie über eine DNA-Struktur verfügen, die denen des Menschen ähnlich ist“, schwärmt Wiemann von seinem Forschungssujet. „Außerdem haben sich in meinem Studienumfeld nicht so viele Menschen mit einem solchen Thema beschäftigt“. Philipp Wiemann war relativ frei in der Gestaltung seines Diplom-Themas und wurde von den Doktoranden des Instituts gut beraten. „Sekundärmetabolismus in Fusarium fujikuroi: Genregulation und Metabolic Design“ lautete der wissenschaftliche Titel seiner Abschlussarbeit. Der Schimmelpilz Fusarium fujikuroi produziert unter bestimmten Bedingungen Gibberellinsäure – ein pflanzliches Wachstumshormon. Die Gibberellinsäure fördert die Keimung und hat Einfluss auf das Wachstum von Pflanzen. Damit können beispielsweise kernlose Weintrauben gezüchtet werden.

Gentechnische Forschung
Noch wichtiger sind sicher die Perspektiven der Gentechnik im Bereich der Bekämpfung von tödlichen Krankheiten. Der Wirkstoff des Krebsmedikaments Taxol kann bisher nur aus Eiben gewonnen werden. „Es müssen zahllose dieser Bäume gefällt und verarbeitet werden um sehr wenig dieses Medikaments herstellen zu können. Mit Hilfe der Schimmelpilz-Forschung kann der wichtigste Inhaltsstoff viel einfacher und kostengünstiger hergestellt werden“, erklärt Wiemann.

Schimmelpilze und Reis
Primär beschäftigt sich Philipp Wiemann mit der Interaktion von Schimmelpilzen und Reis. Zielstellung ist dabei die Prävention von Reispflanzen gegen den Angriff von Schimmelpilzen. Wichtig ist Wiemann in diesem Zusammenhang, dass die höchsten Sicherheitsstandards bei der Forschung einzuhalten sind – schließlich müssen Kreuzungen mit Pflanzen in der Natur verhindert werden. „Das Labor hier im botanischen Institut bietet beste Arbeitsbedingungen für gentechnische Forschung.“

Wenn Versuche scheitern und die Zeit tickt
Diese Bedingungen kamen dem 26-Jährigen auch während seiner Absolventenzeit zugute. Nach der Anmeldung seines Themas standen ihm neun Monate Zeit zur Verfügung. Um die Forschung im Labor voranzutreiben, galt es einige Nachtschichten zu absolvieren. „Man lernt seinen Tag zu organisieren und effektiv zu arbeiten“, blickt Wiemann zurück, „wenn ein Versuch immer wieder scheitert, kann das ganz schön an den Nerven zerren, besonders wenn die Zeit läuft.“ Durch die intensive Forschung blieben ihm für das eigentliche Verfassen der immerhin 160 Seiten umfassenden Arbeit lediglich acht Wochen Zeit. Nach dieser Erfahrung rät Philipp Wiemann den kommenden Absolventen-Generationen: „Es ist leicht gesagt, aber das Wichtigste ist einfach gute Planung und vor allem rechtzeitig mit dem Schreiben der Arbeit anzufangen.“

Veröffentlicht in absolventenInfo / Ausgabe 01/07
Verfasst von absolventenInfo


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