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AbsolventenInfo Ausgabe 2/ 2008

Dynamische Entwicklung

Junge, technologisch orientierte Unternehmen mit ausgezeichneten Aufstiegschancen – trotz Rezessionsgefahr und Bankenkrise.

Dreißig Unternehmen, von denen der größte Teil mittelbar oder unmittelbar im Bereich erneuerbare Energien tätig ist, dazu ein paar Maschinenbauunternehmen vor allem aus der Medizintechnik und schließlich eine Handvoll Telekommunikationsanbieter – die Gemeinsamkeiten dieser so verschiedenen Unternehmen beschränken sich nicht nur darauf, dass sie den TecDAX, den Index der 30 größten Technologiewerte bilden. Sie sind allesamt Unternehmen, die kleiner sind als die im großen Bruder DAX gelisteten Firmen, die meisten sind jünger und vielen von ihnen trauen Analysten ein gehöriges Wachstum zu.

Hervorgegangen ist der TecDAX aus dem so genannten Neuen Markt und dessen Index, dem Nemax, der in den 90er Jahren für Furore gesorgt hat. Angeregt durch den seit 1971 an der New Yorker Wall Street geführten Nasdaq wollten auch die Frankfurter Börsianer eine Handelsplattform bieten, auf der nicht auf dem eigentlichen Börsenparkett gehandelt wurde, sondern auf elektronischem Wege. Zudem, so der erklärte Wille, sollten junge, weniger finanzkräftige Unternehmen auf diesem Handelsplatz die Möglichkeit haben, ihr Kapital durch Aktienausgabe zu erhöhen.
In den ersten Jahren ging das Konzept erstaunlich gut auf: Im Dezember 1997 standen die Werte der Unternehmen, die später den Index Nemax 50 bildeten, bei 1000 Punkten, im März 2000 waren es 9666 Punkte. In der Zwischenzeit hatten zahlreiche Anleger – darunter auch in Deutschland viele Durchschnittsverdiener – die Börse als vermeintlichen Goldesel für sich entdeckt. Kurz nach dem Börsengang der Telekom mit ihrer „T-Aktie“ 1996 war Aktienbesitz in aller Munde. Auf der anderen Seite traten an verschiedensten Stellen Anlegeberater und selbst ernannte „Börsengurus“ auf, die oft in eigenem Interesse über die Presse in der Regel ungeprüfte Finanztipps gaben. In dieser Stimmung wurden die vollmundigen Versprechen einiger junger Medien- und Internetdienstleister für voll genommen, nach wenigen Jahren zeigten sich jedoch die ersten Risse im Gebälk. EM.TV, ein Unternehmen, das mit TV-Rechten handelte, ist da nur das herausragendste Beispiel. Die Gesellschaft, gegründet von Thomas Haffa, wird 1997 im Nemax gelistet, der Ausgabepreis liegt bei 35 Cent, bis Ende 2003 steigt er auf 120 Euro. Dazwischen liegen Monate der Selbstüberschätzung, der Manipulation und des Betrugs. Nachdem die Umsätze des Unternehmens in den ersten Monaten nach dem Börsengang rasant gestiegen sind, werden für TV-Rechte zum Teil deutlich überhöhte Preise gezahlt. Wenig später begannen Vorstände – allen voran Thomas Haffa –, Gewinnwarnungen auszugeben.

Falsche Halbjahreszahlen
Im Dezember 2000 verkündet der Vorstandsvorsitzende Haffa, für das laufende Geschäftsjahr werde nur noch ein Gewinn von 50 Millionen Euro erwartet – gegenüber 600 Millionen, von denen noch im August die Rede war. Der Kurs stürzt ab und die Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungsverfahren gegen Thomas Haffa und seinen Bruder Florian ein, der im Unternehmen als Finanzvorstand fungiert. Knapp ein Jahr später eröffnet die Staatsanwaltschaft das Verfahren mit dem Vorwurf, sie hätten im August 2000 bewusst falsche Halbjahreszahlen veröffentlicht.

Seriös: Der TecDAX
Ähnliche Fälle häuften sich: So warben Unternehmen mit fingierten Umsätzen um Vertrauen auf dem Aktienmarkt, andere hatten das durch den Börsengang erhaltene Kapital überstürzt in Unternehmensankäufe investiert und konnten die ersten Zeichen der Krise nicht kompensieren, als der Aktienindex zu sinken begann, weil ihnen liquide Mittel fehlten. Der heutige TecDAX nimmt sich gegenüber dem schmuddeligen Vorfahren fast kleinbürgerlich. Zwar verzeichnen auch hier einzelne Werte deutliche Kurszuwächse, aber Explosionen wie vor einigen Jahren bleiben aus. Zudem steht bei den meisten Unternehmen dem Kurswert auch ein tatsächlicher Wert in Anlagen und Produktionsstätten gegenüber, die Zahl der börsennotierten Internet- und Mediendienstleister ist erheblich geringer als vor zehn Jahren.

Veröffentlicht in absolventenInfo / Ausgabe 02/08
Verfasst von Karsten Peters


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