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AbsolventenInfo Ausgabe 1/09„Die Produkte sind unsere Babys“ Seit eineinhalb Jahren ist Julia Bessler als Produktmanagerin am Würzburger Standort der Hamburger Firma Navigon beschäftigt – und bereits für die Entwicklung neuer Navigationsgeräte verantwortlich. Die 26-jährige Betriebswirtin ist die einzige Frau unter den Produktmanagern des weltweit agierenden Unternehmens. Im Interview berichtet sie über ihre Erfahrungen im Arbeitsleben.Auto und Navigation sind klassische Männerthemen – wieso sind Sie ausgerechnet Produktmanagerin in diesem Bereich geworden? Ich habe zuvor bereits als Produktmanagerin gearbeitet, dann im Internet die Stellenausschreibung von Navigon entdeckt und mich beworben. Angesprochen hat mich vor allem die internationale Ausrichtung der Stelle und des ganzen Unternehmens – in meinem vorherigen Job hatte ich nur mit dem deutschen Markt zu tun. Ich habe aber schon im Studium gerne über Ländergrenzen hinaus geschaut und daher nicht nur in Bremen, sondern auch in Frankreich und Australien studiert. Insofern war die Stelle genau die richtige Herausforderung. Kannten Sie sich denn schon in der Navigations-Branche aus? Nicht wirklich. Ich habe die Produkte der Firma bis zu meinem Einstieg im Dezember 2007 nur aus der Kundenperspektive wahrgenommen. Vor meinem Einstieg war ich knapp zwei Jahre als Produktmanagerin bei einem Haushaltsgerätehersteller tätig und habe dort mit Einbaugeräten, wie Herden oder Kühlschränken, zu tun gehabt – zumindest der technische Hintergrund war also schon gegeben. Woher kommt Ihr Interesse an technischen Geräten? Studiert habe ich Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Marketing. Klar ist aber: Wenn man mit der Entwicklung und dem Verkauf technischer Geräte zu tun hat, muss man eine gewisse Leidenschaft und technisches Grundwissen mitbringen. Es ist wichtig, dass man sich mit den Produkten, die einen rund um die Uhr beschäftigen, identifizieren kann. Was genau gehört zu Ihren Aufgaben als Produktmanagerin? Als Produktmanagerin betreue ich die gesamte Entwicklung einer neuen Geräteserie – von der Positionierung innerhalb der Modellfamilie über Marktanalyse, Design und Ausstattung bis hin zum Launch und sogar darüber hinaus. Die Geräte, die wir betreuen und begleiten, betrachten wir wie Babys, die wir ein ganzes Produktleben lang betreuen. Woher beziehen Sie Ihr Know-how für die Aufgaben? Vor allem aus dem Team, mit dem ich sehr eng zusammen arbeite. Während der gesamten Entwicklung sitze ich immer wieder mit den Kollegen zusammen, die für Design, Software, Marketing oder Vertrieb zuständig sind – sowohl an meinem Arbeitsort Würzburg als auch in der Zentrale in Hamburg. Ich stehe mit jedem, der an der Geräteentwicklung beteiligt ist, in Kontakt. So erhalte ich die nötigen Informationen, die ich brauche, um die Fäden in der Hand zu halten. Und ich kann auf dieser Basis Entscheidungen beispielsweise zu Ausstattungsdetails der Geräte fällen und begründen. Wie reagieren die männlichen Kollegen auf eine noch dazu so junge Frau in Ihrer Position? Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Die Kollegen zeigen auch keine Vorbehalte – wobei meine Vorgängerin in dieser Position sicher schon Vorarbeit geleistet hat. Man muss sich gerade als Frau aber schnell beweisen und zeigen, dass man Ahnung von der Materie hat. Hat man keine, sollte man sich so schnell wie möglich schlau machen und viele Fragen stellen, zumindest innerhalb des Teams. Vor allem als Neuling sollte man den Bonus nutzen, viele Fragen stellen zu dürfen – ohne Angst, sich zu blamieren. Was raten Sie Frauen, die in typischen Männerberufen tätig werden wollen? Frauen müssen besonders engagiert und ganz klar besser sein als Männer in vergleichbaren Positionen. Man muss neugierig sein und sich sehr schnell in technische Details einarbeiten. Als Frau unter Männern muss man sich schnell Respekt verschaffen und zeigen, was man drauf hat. Selbst-Marketing ist unheimlich wichtig. Veröffentlicht in absolventenInfo / Ausgabe 01/09 Verfasst von absolventenInfo zurück |
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