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AbsolventenInfo Ausgabe 1/ 2006

Die Nachfahren des Freiherren von Knigge lassen grüßen

Gute Manieren und geschliffene Umgangsformen werden bei Führungskräften vorausgesetzt
Wer betritt zuerst den Fahrstuhl? Welche Blumen beweisen zum Geburtstag der Chefsekretärin Stil? Wie wird ein mehrgängiges Menü zelebriert? Welche Socken passen zu welcher Hose? Manche Menschen bringen die besten Voraussetzungen mit und kommen in der Gesellschaft doch nicht zurecht. Für diese schrieb Freiherr von Knigge anno 1789 seinen Knigge. Längst haben sich die Anforderungen an gutes Benehmen verschoben. Und doch: Wer sich heute erfolgreich bewerben will, sollte nicht nur wissen, wie man den Namen des Freiherren schreibt, sondern auch seine Ratschläge befolgen. Allerdings haben sich die Anforderungen im Alltags durchaus gewandelt. Heute würde ein Schützling den Freiherr wohl eher hilfesuchend konsultieren, wenn er eine geschäftliche E-Mail korrekt verfassen muss. Oder - wenn es gilt, eine Information dem namenlosen Ansprechpartner „Mailbox“ sachlich zu übermitteln. Auf diese Fragen finden sich im Knigge keine Antworten.

Das Auftreten, der Habitus und eine natürliche Souveränität sind für die Karriere wichtiger als alle Zeugnisse - überraschte jüngst das Ergebnis einer Studie der Universität Darmstadt. Denn egal, ob das Treffen mit dem Chef, Kunden oder Kollegen - nach wie vor ist es der erste Eindruck, der zählt und sich im nachhinein kaum revidieren lässt. Innerhalb von drei Sekunden entscheidet sich, ob andere mit Sympathie oder Antipathie reagieren. Höflichkeit, Rücksichtnahme und Persönlichkeit heißen die Zauberworte für gute Umgangsformen.
Während im familiären Rahmen Taktlosigkeiten noch salopp oder humorig überspielt werden können, ist das Beherrschen moderner Umgangsformen im Berufsleben ein absolutes Muss. Berufstätige - vom Assistenten bis zum Topmanager -, die der Business-Etikette nicht mächtig sind, provozieren peinliche Situationen, geben ihr Unternehmen der Lächerlichkeit preis und beschädigen schlimmstenfalls ihre eigene Karriere. Gute Manieren dagegen ermöglichen es jedem, auch unter erschwerten Bedingungen selbstsicher aufzutreten.

Knifflige Situationen meistern

Anstoß geben
Wein oder Champagner muss in den entsprechenden Gläsern mit Stiel serviert werden, an denen sie auch anzufassen sind, denn nur dann klingen die Gläser beim Anstoßen klangvoll. Haben alle Gäste ein gefülltes Glas, dann hebt der Gastgeber sein Glas an, nimmt Blickkontakt auf und spricht „Zum Wohl“. Die Gäste sprechen ihm nach, trinken, schauen alle noch einmal in die Runde und setzen dann erst ihre Gläser ab.

Pünktlichkeit ist eine Zier...
Zu einer Einladung sollte der Gast immer pünktlich erscheinen. Ist absehbar, dass er den Zeitpunkt nicht einhalten kann, sollte der Gastgeber rechtzeitig informiert werden. Zu spät kommen bedeutet nämlich, den Verlauf eines Festes zu stören. Allerdings ist ein zu frühes Erscheinen auch nicht gerade höflich, da dies die Vorbereitungen des Gastgebers stören kann.
Wird der Gast zu einem warmen Essen eingeladen, so muss er auf die Minute pünktlich sein. Das gleiche gilt für ein Fest, das mit einer Rede eröffnet wird, aber eine solche Rede darf nicht länger als 15 Minuten dauern.
Auf manchen Einladungskarten stehen die Kürzel - der lateinischen Sprache entnommen - „s.t.“ sine tempore = ohne Zeit, was darauf hinweist, dass der Gast pünktlich erscheinen soll. Bei „c.t.“ cum tempore = mit Zeit, ist es dem Gast erlaubt bis zu einer Viertelstunde später zu kommen. Bei einer Abendeinladung kann man bis zu einer Viertelstunde füher oder später erscheinen. Bei Cocktailpartys ist die Anfangszeit für das Erscheinen der Gäste nicht bindend.

Haltung bewahren...
Wichtigste Voraussetzung bei Tisch ist die Sitzhaltung. Man sollte aufrecht, entspannt und etwa eine Handbreite vom Tisch entfernt sitzen. Das gilt auch für die Haltung der Arme bei Tisch, diese sollten sich beim Essen am Körper angelehnt befinden. Die Hände sind nur bis zu den Handgelenken auf den Tisch zu legen, und mit den Unterarmen (keinesfalls mit den Ellenbogen!) kann man sich leicht abstützen. Wenn man das Besteck während des Essvorgangs hält, dürfen allerdings auch die Handgelenke nicht den Tisch berühren.

Mit Besteck oder ohne?
Brötchen werden in mundgerechte Teile gebrochen, mit Butter bestrichen und dann verzehrt. Belegte Brötchen werden auf dem Teller mit der Hand fixiert und dann in einzelne Teile zerschnitten. Eine echte Herausforderung: Geflügel essen - eben nicht „zu Fuß“. Gebratene oder gegrillte Hähnchen werden mit Messer und Gabel gegessen. Gebackene Hähnchen, die in der Regel trockener serviert werden, können mit den Fingern verspeist werden. Allerdings sieht es immer appetitlicher aus, wenn Messer und Gabel zum Einsatz kommen. Truthahn und Gans werden der Länge nach in Scheiben geschnitten und ebenfalls mit dem Besteck verzehrt.

Wenn Besteck erzählt...
Ein mit den Spitzen gekreuztes Besteck sagt aus, dass der Gast mit dem Essen noch nicht fertig ist oder er einen Nachschlag wünscht. Liegen Messer und Gabel parallel nebeneinander, wobei die Schneide des Messers zur Gabel hin ausgerichtet ist, drückt dies fürs Erste aus, dass das Essen beendet worden ist.

Ladys first...
Ist die Geschäftsfrau mit Kunden unterwegs, so kann sie ihnen ohne Tabuverletzung die Autotür aufhalten und vermittelt dabei Souveränität. Allerdings hilt „Mann“ nach wie vor aus dem Mantel.

Veröffentlicht in absolventenInfo / Ausgabe 01/06
Verfasst von absolventenInfo


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