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AbsolventenInfo Ausgabe 2/06

Den Headhuntern ins Netz gehen

Der weite Weg in die Führungsposition. Was Absolventen tun können, um interessant genug für einen Führungseinstieg zu sein und Headhunter auf sich aufmerksam zu machen.
Das Studium in akzeptabler Semesterzahl absolviert, Vorlesungen und Seminare besucht, während verschiedener Praktika den Berufsalltag schon ein wenig kennen gelernt, Abschlussarbeit geschrieben, Prüfung bestanden, Diplom, Bachelor oder Master in der Tasche - und jetzt? Na klar, den Traumjob finden, natürlich gut bezahlt, am besten gleich in der Führungsetage eines Unternehmens.

Also, zum Friseur und ins Kaufhaus: Die „anständige“ Frisur und das Business-Outfit machen sich gut auf den Fotos, welche die Bewerbungsmappe zieren. Kaum zu verstehen, dass die den verschiedenen Personalchefs vorgelegten Unterlagen ihr Ziel nicht erreichen, sondern postwendend wieder im Briefkasten der Studentenbude eintrudeln, die eigentlich längst gegen eine schicke kleine Wohnung getauscht werden sollte. Wenn die Sache mit dem Job doch endlich funktionieren würde. Warum ist der Chefsessel so schwer zu erreichen, warum bleibt der Aufzug auf dem Weg nach oben ständig stecken? Technischer Defekt? Oder Fehler im System? Ist vielleicht doch die Treppe die Alternative, um Stufe für Stufe der Führungsetage näher zu kommen?

Führungspositionen nur mit Praxiserfahrung
„Keine Frage, Absolventen haben es heute nicht leicht, Führungspositionen zu besetzen, denn, was ihnen zunächst einfach fehlt, ist die Bewährung in der Praxis“, sagt Unternehmensberater und Personalentwickler Adolf Wennemann (Bielefeld) und erklärt das Dilemma, in dem Absolventen sich häufig befinden: „Die jungen Leute, die frisch examiniert die Hochschulen verlassen, sind sicher hoch qualifiziert, das wird kein Personalchef in Abrede stellen.“ Aber wie können die Bewerbungsunterlagen dokumentieren, dass sie sich in der Praxis auch bewähren werden? „Bewerber ohne Berufserfahrung, und das sind die meisten Absolventen, werden, wenn es um die Besetzung von Führungspositionen geht, direkt aussortiert“, legt der Berater strenge Maßstäbe an. „Schließlich verlässt sich der Kunde, der Personal sucht, auf meine Entscheidung. Also muss ich die Prozesse auch überprüfbar machen.“ Für verschiedene Unternehmen ist Wennemann seit mehr als zehn Jahren erfolgreich tätig, um genau das für den jeweiligen Betrieb passende Personal zu suchen und zu finden. Da haben’s Absolventen wirklich schwer, es sei denn, sie können durch umfangreiche, qualifizierte Praktika die geforderte Berufserfahrung kompensieren und dies auch dokumentieren. „Aber das ist wirklich die Ausnahme“, so Wennemann.

Michael Borgstätt von der WKP-Personalund Unternehmensberatungs GmbH (Erkrath) kann das ein wenig modifizieren: „Wir arbeiten bei unserer Personalsuche, wenn es um Führungskräfte und Unternehmensnachfolgen geht, häufig mit der Direktansprache, dem sogenannten Headhunting“, schildert der Leiter des Bereichs E-Recruiting bei der WKP. Seit 1989 unterstützt die Agentur als Personalberater mittelständische Unternehmen und begleitet internationale Konzerne beim Recruiting und der Platzierung von Fach- und Führungskräften. Dafür sind die WKP-Personalberater auf der Pirsch.

Wer gerät ins Visier der Headhunter?
Schlechte Zeiten für Absolventen, denn da sie eben (noch) nicht in den Führungsetagen sitzen, geraten sie gemeinhin auch nicht ins Visier der externen Personalberater und Headhunter, die auf der Suche nach Kandidaten zur Besetzung von Schlüsselpositionen in den Unternehmen ihrer Auftraggeber sind und dafür in der Praxis bewährte Führungskräfte aus anderen Unternehmen gezielt zum Wechseln bewegen. Denn Headhunter können es sich nicht leisten, die berühmte „Katze im Sack“ ihren Auftraggebern anzubieten und Nachwuchstalente einzustellen, die im Praxisbereich noch weitgehend unbeschriebene Blätter als Referenzen anzubieten haben. Headhunter geben zumeist sogar eine „Garantie“ auf ihre Personalauswahl. Absolventen und Headhunter - unter diesenVorzeichen ein absolut ungleiches Paar, allerdings mit einer Ausnahme: Ingenieure aus den technischen Fachrichtungen werden Hände ringend gesucht, da wird dann schon mal ein Auge zugedrückt, was die praktischen Erfahrungen angeht. „Hier ist der Markt ganz eng. Junge Techniker sollten sich bei uns initiativ bewerben. Sie werden mit ihrem Profil in unsere Datenbank aufgenommen und meist auch schnell berücksichtigt, wenn es um eine Stellenbesetzung geht“, so Borgstätt.

Das Stichwort „Initiativbewerbungen“ fällt auch im Gespräch mit Bettina Wengenroth, langjährige Beraterin der GK-Unternehmens- und Personalberatungs-GmbH in Frankfurt. „Wir nehmen gerne Initiativbewerbungen entgegen“, sagt Bettina Wengenroth, „aber die Erfolgsaussichten gleich Führungspositionen einzunehmen, das möchte ich nicht verhehlen, sind doch eher gering“, schränkt sie ein und verweist auf die funktionale Spezialisierung der GK-Unternehmens- und Personalberatung. „Im PR-Marketing, dem Bereich, mit dem wir uns schwerpunktmäßig beschäftigen, ist der erste Einstieg meist sogar ohne einschlägige Berufserfahrung möglich.“ Und sich dann, nach dem Einstieg möglichst bald initiativ bei einer Personalberatungsagentur zu melden, kann der Anfang einer Karriere sein.

Welche Tipps können Bettina Wengenroth, Michael Borgstätt und Adolf Wennemann Absolventen mit auf den Weg in den Berufsstart geben?
„Berufserfahrungen sammeln und dokumentieren“, da sind sich die Experten einig. „Ein gutes Instrument, die Türen zu Unternehmen zu öffnen, sind die Karrieremessen, Firmenkontaktgespräche und Rekruitingtage“, beschreibt Bettina Wengenroth. Auf das Medium Internet setzen Michael Borgstätt und Adolf Wennemann. Über virtuelle Jobbörsen und die Internetseiten der Unternehmen seien viele Einstiegsmöglichkeiten zu finden, um die ersten Sprossen auf der Karriereleiter zu erklimmen und dann vielleicht auch den Headhuntern beim „E-Rekruiting“ in die ausgelegten Netze zu schwimmen.



Tipp: Zielgerichtet Studieren

„Sich als Absolvent mit der Planung der eigenen Karriere auseinanderzusetzen, ist eigentlich schon ein wenig zu spät“, weiß Bettina Wengenroth von der GK Unternehmens- und Personalberatung aus Erfahrung. „Wenn es um die Chancen auf dem Arbeitsmarkt geht, wird es immer wichtiger, alle Entscheidungen, auch die, die man im Studium trifft, möglichst auf ein Ziel hin zu orientieren, um einen Arbeitgeber mit seinen Bewerbungsunterlagen auch zu überzeugen.“ Unverzichtbar, so die Expertin, seien Praktika, die in die Studienzeit unbedingt eingebaut werden sollten. „Und auch wenn es darum geht, während des Studiums seinen Lebensunterhalt zu verdienen, sollte ein Bereich gewählt werden, der zum angestrebten Berufsbild passt. „Wer später im PR-Bereich tätig sein möchte, sollte beispielsweise versuchen, in einer Agentur zu jobben, statt Taxi zu fahren.“

Veröffentlicht in absolventenInfo / Ausgabe 02/06
Verfasst von Marlies Grüter


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