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AbsolventenInfo Ausgabe 2/ 2008

Den Blick für die Natur schärfen

Annelie Noack ist Forstwirtin und Falknerin aus Leidenschaft.

Wald, Wild und Kräuter – im Bereich Waldpädagogik und Umweltbildung fühlt Annelie Noack sich ganz Zuhause. Die 38-jährige Forstwirtin hat ihr Revier im Lüerwald bei Arnsberg – im Wildwald des Freiherrn von Boeselager. „Wer in Schweden geboren ist, bekommt die Liebe zur Natur mit in die Wiege gelegt“, ist sich Annelie Noack, Tochter eines deutschen Mediziners und einer Intensivkrankenschwester sicher.

Als sie neun Jahre alt war, zogen die Eltern in den bayerischen Wald. Im Idyll wuchs auch der Berufswunsch an der Fachhochschule Forstingenieurwesen zu studieren. Die Universität stellte für sie keine Alternative dar, denn dann hätte sie vermutlich mit ihrem Abschluss einen Forschungsauftrag in Händen gehalten. Sie wollte jedoch in die Praxis – eben zu Wald, Wild und Kräutern.
Die erste Hürde, ein hoher Numerus Clausus, war genommen, auf dem weiteren Weg hatte sie „einfach Glück“, ist Annelie Noack ihren Ausbildern dankbar. Zunächst einmal galt es, die Schulbank zu drücken: Bodenkunde, Botanik, Zoologie, Geologie, Jagdschein – bis zum Vordiplom wurde gebüffelt. Das Studium schließt einige Praxissemester ein, in denen die angehenden Forstingenieure von „alten Hasen“ betreut werden.

Gute Erfahrungen im Praktikum
Das erste Praktikum absolvierte sie am Forstamt Neureichenau im Bayerischen Wald, das zweite am Forstamt Dargun in der Mecklenburgischen Schweiz. „Da weiß man dann plötzlich, warum man studiert“, erinnert sie sich an die ersten Schritte in eine faszinierende Praxiswelt.

Tipps zur Holzgewinnung
Nach acht Semestern Studium nahm in Oberbayern Xaver Pichelmeier die ambitionierte Anwärterin für den gehobenen technischen Forstdienst unter seine Fittiche. Er betreute Waldbesitzer und gab Tipps rund um die Holzgewinnung, zu Pflanzungen und Kulturplänen. „Er hatte einfach waldbaulich viel auf dem Kasten“, erzählt die 38-Jährige, „und sah eine seiner Aufgaben bei waldpädagogischen Führungen für Schulklassen.“ Ihre Diplomarbeit schrieb Annelie Noack über die „Natürlichen Waldgesellschaften im Revier Brudersdorf“, bevor sie die Prüfung zum technischen Forstdienst absolvierte. Doch es folgte die Ernüchterung: Von 55 Absolventen wurden nur drei in den Staatsdienst übernommen.

Erste Berufserfahrungen
Erste eigenständige Berufserfahrung sammelte sie als Naturschutzwartin im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer auf der Insel Wangerooge. „Alle warnten mich vor einem Inselkoller, aber ich war ein Jahr lang nur auf der Insel und fasziniert von den Naturereignissen.“ Ihr Job: die Wasser- und Wattvogelzählung. Seit damals widmet sie einen Teil ihrer großen Leidenschaft dem Sammeln von Vogelschädeln. Einer – von einem Großen Brachvogel – misst mit Schnabel fast 20 Zentimeter und sie fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Mittlerweile sind es 40.“

Natur Interessierten nahe bringen
Der Vogelschar gilt auch der aktuelle Meilenstein ihrer Karriere: Als Försterin leitete sie zunächst einen Trupp von vier Waldarbeitern. Doch seit nunmehr acht Jahren ist Annelie Noack als Diplom-Forst-Ingenieurin und stellvertretende Betriebsleiterin auch für die Wildvögel zuständig. Sir Henry, eine Kreuzung aus Ger- und Wanderfalke, saß lange auf ihrem Falknerhandschuh, heute zieht ein Uhu die Blicke der interessierten Gäste auf sich. Denn Annelie Noack bringt die Natur des Sauerlandes den Besuchern nahe – eben Wald, Wild und Kräuter. Dass der Uhu dabei nicht immer so wohllaunig ist wie sie, nimmt sie mit Humor – an guten Tagen lobt sie ihren „Uhi“, an schlechten schimpft sie mit dem „Waldschrat“. Und die Besucher? Ganz gleich ob Kindergarten, Menschen mit Handicap, Familien oder Senioren, sie sind vom hautnahen Erleben der Greifvögel begeistert.

Büroarbeit gehört dazu
Schaut sie im Fernsehen regelmäßig die Vorabendserie „Forsthaus Falkenau“ und fühlt sich verstanden? „Bloß nicht“, lautet die knappe und von energischem Kopfschütteln begleitete Antwort. Einen Blick zurück riskieren? „Das Schlimmste an diesem Beruf ist, dass es leider auch Büroarbeit gibt“, stöhnt Annelie Noack auf. In die Zukunft spähen? „Forst-Ingenieurin im Norden wäre mein Traum.“



In aller Kürze: Der Beruf des Falkners

Sie bilden die Falken, Sperber, Habichte oder Adler dazu aus, Kleintiere wie Rebhühner, Kaninchen oder Ratten zu jagen.
Dazu halten und versorgen sie die Tiere artgerecht und stellen bedarfsgerechte Futtermischungen zusammen – der Beruf des Falkners ist ebenso spannend wie abwechslungsreich. Ob sie Vögel mit Futter versorgen, die Volieren säubern, mit den Tieren trainieren oder eine Greifvogelschau vor Publikum durchführen: Falkner sind bei jeder Witterung viel im Freien. Vor den gefährlichen Klauen und Schnäbeln der Tiere schützen sich Falkner durch einen Handschuh aus dickem Leder sowie durch einen gefütterten Körperschutz. Mit dem behandschuhten Arm nehmen sie die Vögel aus den Volieren. Vom Arm aus starten diese ihre Flüge und kehren dorthin wieder zurück, um mit einem Leckerbissen belohnt zu werden.

Falkner arbeiten eigenständig, doch in großen Greifvogelhaltungen betreuen mehrere Kollegen den Tierbestand. Im Team mit Hilfskräften oder Tierpflegern und Tierpflegerinnen sprechen sie die Aufgabenverteilung genau ab. Eine wichtige Rolle, besonders bei Flugvorführungen, spielt die Information der Öffentlichkeit über bedrohte Greifvogelarten oder über die Beizjagd. Hierbei müssen die Falkner ihr Kommunikationsgeschick sowie ihre Redegewandtheit unter Beweis stellen. Sie sollten daher Freude am Umgang mit Menschen und besonders mit Kindern haben.

Die Falknerei ist an verschiedene rechtliche und praktische Voraussetzungen gebunden. Falkner müssen die Jäger- und die Falknerprüfung
erfolgreich abgelegt haben, um den Falknerjagdschein und das Recht der Jagdausübung zu erhalten. Sie benötigen den Legalitätsnachweis für den Beizvogel und je nach Bundesland eine Gehegegenehmigung für dessen Unterbringung. An praktischen Voraussetzungen müssen. ausreichende Jagdgelegenheit auf für Beizjagd geeignetes Wild, genügend Platz für artund verhaltensgerechte Unterbringung, regelmäßig viel Zeit bei Tageslicht für die Pflege und das Training des Vogels sowie ausreichendes Wissen und Erfahrung in der praktischen Falknerei vorhanden sein.

Veröffentlicht in absolventenInfo / Ausgabe 02/08
Verfasst von Birgitta Raulf


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