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AbsolventenInfo Ausgabe 1/ 2007

Bewerbung: Es geht nicht um gut oder schlecht!

Persönliches Profil hilft bei der Suche nach der richtigen Stelle.
Häufig, so stellt Melanie Vogel, Fachfrau für Bewerbungsfragen, fest, wissen Hochschulabsolventen nach ihrem Studium gar nicht so genau, was sie eigentlich beruflich machen wollen. Viele würden sich relativ unspezifisch bei den verschiedensten Unternehmen bewerben, erhalten aber kaum Einladungen zu Vorstellungsgesprächen oder gar Stellenzusagen.

Eine Situation, der abgeholfen werden kann. So bietet Vogel Absolventen und Berufstätigen gleichermaßen ihre Dienste an, wenn sie bei der Stellensuche nicht so recht weiterkommen. In einer Fortbildung hat sich die Mitbegründerin des Karrierenetzwerks Campus Concept mit psychologischen Profilen und dem Führen von Beratungsgesprächen auseinandergesetzt. Als selbstständiger Bewerbungs- und Karrierecoach ermittelt sie nun gemeinsam mit Abiturienten und Hochschulabsolventen persönliche Profile, die am Anfang der beruflichen Karriere ihrer Klienten stehen.

Ermittlung der Eigenschaften
Vor dem eigentlichen Beratungsgespräch versendet Vogel einen komplexen Fragebogen, mit dem sie die besonderen Vorlieben und Eigenschaften des Bewerbers ermitteln will. „Dabei geht es überhaupt nicht um gut oder schlecht“, erklärt Vogel. Interessant sei nur, herauszufinden, was dem Absolventen liege. Wenn ein introvertierter, sachorientierter Mensch etwa in der Akquise arbeite und entsprechend viel mit Kunden zu tun habe, werde er in seinem Job wahrscheinlich nicht glücklich.
Um die Absolventen vor solchen Fehlentscheidungen zu bewahren, arbeitet Melanie Vogel in ihren Beratungen mit dem DISGProfil, das in den dreißiger Jahren von den amerikanischen Psychologen William Moulton Marston und John Geier entwickelt wurde. Im Grunde basierend auf der antiken Temperamentenlehre entwickelt dieses System ein Profil in vier Kategorien: gewissenhaft, stetig, initiativ, dominant. Diese vier Bereiche wiederum sind den Begriffspaaren zurückhaltend / bestimmt und anstrengend / angenehm zugeordnet. In seiner vollen Ausprägung kann mit einem solchen Profil also ein Bewerber als zupackender, gewissenhafter Mensch beschrieben werden, der seinem Umfeld gegenüber offen und bestimmt auftritt – oder als zuverlässig unterstützend und zurückhaltend. Dabei lässt das System mit einer komplexen Aufschlüsselung Quantifizierungen zu: Eine feine Aufgliederung der Eigenschaften ist durchaus möglich.

Haben Vogels Klienten den Fragebogen im Vorfeld ausgefüllt und zurückgeschickt, so entwickelt die Beraterin im ersten Gespräch mit dem Interessenten seine beruflichen Möglichkeiten. Orientiert am bisherigen Bildungsweg grenzt Vogel mit dem Bewerber das mögliche Arbeitsfeld ein, versucht Anregungen für die Stellensuche zu geben und erläutert die Konsequenzen aus dem Fragebogen.
Nach all dieser Arbeit und einem zwei- bis dreistündigen Gespräch gehen die Bewerber mit neuen Erkenntnissen über sich und einer wohl um einiges konkreteren Vorstellung des idealen Arbeitsplatzes heim. „Etwa zwei Wochen nach diesem ersten Gespräch vereinbare ich mit dem Klienten einen weiteren Termin“, so Vogel. Dabei geht es um konkrete Perspektiven und oft um Nachfragen oder Unsicherheiten, die nach dem ersten Gespräch aufgetreten sind und einer Klärung bedürfen.

Beratung für die eigene Karriere
Dass ihre Unterstützung den meisten Absolventen hilft, davon ist Melanie Vogel indes überzeugt. „Etwa 80 Prozent meiner Klienten finden in den ersten drei bis sechs Monaten nach der Beratung eine angemessene Stelle.“ Nach dieser umfassenden Beratung seien Bewerber bei ihrer Jobsuche effizienter, zielorientierter und erfolgreicher. Dennoch sei es in Deutschland noch immer recht ungewöhnlich, professionellen Rat zu suchen. „Wer in den USA ein Problem hat, geht ganz selbstverständlich zu einem Coach oder einem Therapeuten“, zieht Vogel den Vergleich. In jüngster Zeit hätten sich die Anforderungen an Bewerber so stark gewandelt, dass kaum jemand wirklich noch den Überblick habe, welche Stelle am ehesten auf das eigene Profil passen würden. „Man kann von Bewerbern nicht erwarten, dass jeder alles kann – ein kluger Bewerber lässt sich beraten, damit er seine Karriere planen kann.“



Feedback aus dem sozialen Umfeld

„Wofür bin ich gemacht?“ – das, so erklärt Werner Katzengruber von der Raycon Consulting Group, sei die wesentliche Frage, die Studierende und Hochschulabsolventen ihre Freunde fragen sollten, um eine zentrale Entscheidung ihres Lebens vorzubereiten: die Berufswahl. Mit den Rückmeldungen aus dem direkten Umfeld erhalte man zwar keine wissenschaftlich valide Auswertung, aber wenn aus verschiedenen Richtungen ähnliche Antworten kommen, sei die Wahrscheinlichkeit schon relativ hoch, dass sie eine passende Tendenz angeben. Ein zu großer Aufwand sei diese Kleinstumfrage auf keinen Fall, geht es doch darum eine Richtungsentscheidung zumindest für die nächsten Jahre zu treffen.

Auch das Gespräch mit seinem Professor suchen

Dass dieser Weg sehr viel preisgünstiger ist als der über einen professionellen Coach, liegt auf der Hand, und wer die Möglichkeit hat, im Gespräch mit dem Professor noch eine zusätzliche Instanz in die Bewertung mit einfließen zu lassen, befindet sich schon fast auf der sicheren Seite. Absolventen, die ihre Abschlussarbeit in einem Unternehmen schreiben, empfiehlt Katzengruber zudem ein Gespräch mit der Personalabteilung – nach welchen Kriterien sie ihre Mitarbeiter auswählen, wie ein Vorstellungsgespräch abläuft, seien die wichtigen Punkte, mit denen Hochschulabsolventen sich gut vorbereiten könnten, um die Bewerbungsphase gut zu überstehen.

Veröffentlicht in absolventenInfo / Ausgabe 01/07
Verfasst von absolventenInfo


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