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AbsolventenInfo Ausgabe 1/ 2007Berufswunsch: Profiler!Profiler und Gerichtsmediziner – sie sind die Helden aktueller Kriminalgeschichten. Und das hat Folgen: Immer mehr Berufseinsteiger wollen ihren Helden aus Fernsehserien und Filmen nacheifern. Was allerdings fehlt, das sind die passenden Jobs.Wenn es in früheren Tagen Verbrechern an den Kragen ging, dann sorgten kopflastige Detektive wie Sherlock Holmes, harmlos anmutende alte Damen wie Miss Marple oder ein extrem pfiffiger Hercule Poirot dafür, dass die Übeltäter überführt wurden. Und kaum einer kam auf die Idee, ihnen nacheifern zu wollen und damit den Lebensunterhalt zu bestreiten. Doch plötzlich ist alles anders: Dank TVSerien wie CSI sind Profiler plötzlich mächtig angesagt, die kleine Puzzleteilchen mit einer gehörigen Portion Intuition zusammenzusetzen und dem Täter damit auf die Schliche zu kommen. Profiler in Deutschland? Wie das Bundeskriminalamt auf seiner Homepage in einem Dossier für potenzielle Berufseinsteiger erklärt, geben beispielsweise rund 40 Prozent aller Psychologiestudieneinsteiger in den neuen Bundesländer bei der Frage nach dem gewünschten Betätigungsfeld an, sie möchten gerne Profiler werden. Davon abgesehen, dass es den Job in dieser Form und Bezeichnung in Deutschland überhaupt nicht gibt, sind die Jobaussichten in einem Berufsumfeld, das diesem am nächsten kommt, äußerst bescheiden. Der Berufsalltag der Fallanalysten ist ein gänzlich anderer als in den TV-Serien oder Kinofilmen. Die Operative Fallanalyse (OFA) ist durch die föderalen Strukturen der Bundesrepublik Deutschland zum einen bei den Landeskriminalämtern und zum anderen beim Bundeskriminalamt angesiedelt. Da in Deutschland die Aufklärungsquote im Bereich der Kriminalfälle ohnehin recht hoch ist, ist es nur äußerst selten erforderlich, dass die OFA-Fachleute herangezogen werden. In ganz Deutschland sind dies jährlich zwischen 50 und 80 Fälle. Selbstständig tätig werden sie nie. Daraus lässt sich natürlich ableiten, dass auch der Personalbedarf im OFA-Bereich durchaus übersichtlich ist. In allen 16 Bundesländern zusammen gibt es rund 50 Mitarbeiter, die sich mit der Operativen Fallanalyse beschäftigen, beim Bundeskriminalamt kommen noch einmal 16 dazu. Auch das Bild des einsamen Wolfes, der bei Nacht in seinem Büro scharf nachdenkt und letztendlich die entscheidende Eingebung erhält, ist fernab der Realität. Gearbeitet wird in Teams von drei bis acht Analytikern und Ermittlern. Zum Betätigungsfeld gehören auch so unspektakuläre Dinge wie die Pflege einer Computer-Datenbank für Serienstraftäter, Fortbildungsveranstaltungen und Gremienarbeit sowie Unterstützung und Beratung von anderen Polizeibeamten. Also nicht gerade kriminalistischer Glamour und Adrenalin pur wie im TV. Gerichtsmediziner und Pathelogen Für den entscheidenden Tipp bei der Überführung eines Straftäters sorgen in den angesagten Fernsehserien auch immer häufiger die Gerichtsmediziner. Sie tauchen – total realitätsfremd – ungefragt am Tatort auf und liefern bereits erste Hinweise. Dinge, die dem gemeinen Polizeibeamten nicht direkt ins Auge fallen. In Wirklichkeit ist der Außentermin eher die Ausnahme - und der Alltag ist oft weniger spektakulär. Denn neben der Thanatologie, der Leichenschau bei außergewöhnlichen Todesfällen, besteht die Arbeit auch aus relativ trockenen Themen wie Abstammungs- und Behandlungsfehlergutachten sowie Glaubwürdigkeitsbeurteilungen aus medizinischer und forensischer Sicht. Zumindest ernüchternder als das, was den neuen Helden in TV-Krimis zugeschrieben wird. Zu Verwechslungen kommt es in Fernsehserien oft mit Pathologen, die zwar auch Obduktionen durchführen, aber diese im Regelfall nicht zur Abklärung des Todesursache sondern aus wissenschaftlichen Gründen durchführen. Der Irrtum könnte sprachliche Ursachen haben: In amerikanischen Fernsehserien wird der Rechtsmediziner oft als „forensic pathologist“ bezeichnet – und wenn dann unsauber übersetzt wird, dann kommt im Deutschen dabei ein Pathologe heraus, der oft auch als Gerichtsmediziner bezeichnet wird. Polizeiausbildung ist wichtiger In diesem Zusammenhang aufgetreten ist vielfach in Studienanfängerforen im Internet der Wunsch, Rechtsmedizin zu studieren, was als Einzelstudium allerdings nicht geht. Wer sich für das Berufsbild entscheidet, der muss sich mit der Humanmedizin auseinandersetzen. Interdisziplinär greifen auch Juristen und Zahnmediziner das Thema auf. Was im Kino oder Fernsehen cool und interessant erscheint, ist – wie Praxisberichte zeigen – fernab von der Wirklichkeit. Wer Verbrecher seriös jagen will, kommt an einer Polizeiausbildung in der Regel nicht vorbei. Veröffentlicht in absolventenInfo / Ausgabe 01/07 Verfasst von Guido Kratzke zurück |
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