An das Praktikum beim ZDF in Rio bin ich eher zufällig rangekommen. Ich war eigentlich für ein Auslandssemester in Brasilien, aber die Uni hat wiedermal gestreikt und zwar das komplette Semester hindurch. Also habe ich mir nach ein paar Wochen, weil mir keiner sagen konnte, wie lange das noch dauern wird, angefangen ein Praktikum zu suchen. Ich hatte großes Glück, weil man sich beim ZDF normalerweise mindestens sechs Monate im voraus über die Zentrale in Mainz bewerben muss. Aber ich hab in Mainz nach der Kontaktadresse in Rio gefragt und es hat funktioniert. Ich musste meinen eigenen Laptop mitbringen, da nur Platz für einen Hospitanten vorgesehen ist. Der bleibt dann auch in der Regel zwei Monate, ich nur einen, was aber schon tausendmal besser war als nichts. Wir zwei Hospitantinnen haben dann die meiste Zeit mit Themenfindung zugebracht. Das heißt, jeden Tag fleißig brasilianische Zeitungen, Zeitschriften und sonstige Veröffentlichungen lesen, TV schauen und immer sehen, dass sich was interessantes für´s ZDF Deutschland findet. Wenn wir der Meinung waren, dies oder jenes Thema könnte Mainz angeboten werden, dann wurde es als Themenvorschlag verfasst und dem Korrespondenten vorgelegt. Hat Mainz dann das Thema gekauft, so wurde es vom Korrespondenten und seinem Team produziert. Ein besonders gutes Gefühl war es dann zu hören, das Thema produzieren wir auf jeden Fall! Ansonsten wurden wir auf kleinere Drehs innerhalb von Rio mitgenommen, haben Umfragen geführt, soweit es uns unsere Sprachkenntnisse erlaubten. An weitere Drehplätze sind wir nicht mitgenommen worden, sicherlich, weil wir zu zweit waren und es das Budget gesprengt hätte, mal eben mit nach Argentinien o.ä. zu fliegen. Ansonsten haben wir den Korrespondenten, die Cutterin, die Kamerafrau, die Assistentin und den Produzenten gelöchert bis zu Umfallen. Wir haben uns durch das jüngere Archiv geguckt und waren bei der Fertigstellung von sämtlichen Beträgen dabei. Man hat uns immer sehr ernst genommen und uns nach unserer Meinung gefragt. Die Zeiteinteilung war relativ frei, z.B. sind wir zum Mittagessen oft ins Restaurant um die Ecke gegangen, mit Blick auf den Strand und den Zuckerhut. Die Arbeitsatmosphäre im Büro war locker, aber super professionell.
Ansonsten war es natürlich unglaublich aufregend, in so einer Megastadt wie Rio zu arbeiten und zu leben. Anfangs war ich ziemlich paranoid, weil Rio nicht den sichersten Ruf hat. Aber auch daran gewöhnt man sich nach ein paar Tagen, selbst an die wahnsinnigen Preise, den völlig unübersichtlichen Verkehr und den üblen Geruch in den Straßen. In Rio habe ich noch mal nen neuen Kulturschock bekommen. Das Leben im Süden, wo ich eigentlich studieren sollte, ist europäischer, sicherer und organisierter. Ich bin in Rio als hellhäutige Blonde extrem aufgefallen, was den Alltag in einer Touristenstadt unglaublich anstrengend machen kann.
Insgesamt waren die fünf Wochen Rio und ZDF ne höchst interessante Angelegenheit, die mir noch mal ganz neue Einblicke in mein Berufsfeld Journalismus und in die brasilianische Kultur gegeben hat und das, obwohl ich vor meinem Auslandssemster bereits ein Jahr in Brasilien gelebt hatte.
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