Ich arbeite in einem kleinen Architekturbüro im Zentrum von Manhattan. Es umfasst neben den beiden Chefs noch zwei weitere Mitarbeiter. Trotz der geringen Groesse werden hier bedeutende und aufwändige Bauaufgaben, wie internationale Hotelcomplexe und Hochhausprojekte in Manhattan, bearbeitet. Aufträge bekommt das Büro oftmals dadurch, dass sie für den Bauherrn schon in der Vergangenheit Projekte realisiert haben.
Dieses bedeutet, dass ihre Auftaggeber bereits mehre Gebäude in New York besitzen und für sie das Bauen als Kapitalanlage dient. Für die Architektur heisst das, dass häufig derselbe, bereits angewendete Grundriss aus dem Archiv hervorgekramt und überarbeitet wird. Rationalität steht an erster Stelle und spiegelt sich in der Art der Vorgehensweise wieder. Nach New Yorker Bauregeln wird die maximale Gebäudeausnutzung herausgefunden, wobei dabei beispielsweise 24- stöckige Appartmenthochhäuser entstehen. Architekturwettbewerbe werden nicht bearbeitet, weshalb das Büro nur schwer in Architekturzeitschriften zu finden ist.
In so einem kleinen Unternehmen gibt es folglich keine wirklichen Abteilungen. Jedem wird die Aufgabe zugeteilt, die er am besten beherrscht. So ist jemand mehr fuer die 3D Darstellung und das Layout verantwortlich und ein anderer Mitarbeiter für das einfache Zeichnen. Entwerfen tun ausschliesslich die Chefs. Ich werde für das Umsetzen der Entwurfsskizzen in den Computer eingesetzt. Ich arbeitete im Büro und im Warenhaus. Außerdem half ich bei der Organisation von Events und konnte am Tag der Events selbst aktiv mitarbeiten(z.B. Unterhaltung der Leute, Set Dek, Ein- und Ausladen der Transporter)
Mein Arbeitstag beginnt typisch für New York mit der Subwayfahrt zum Times Square, dann im Menschenstrom in Richtung 6thAvenue und 45 Strasse und bevor ich dann um 9 Uhr pünktlich am Schreibtisch sitzen muss, kaufe ich noch schnell einen Tee am Bagelstand. Im Büro habe ich meinen eigenen Computerarbeitsplatz und jeden morgen warten neue Verbessungen in Zeichnungen und Skizzen auf mich. Es gibt immer etwas zu tun, was mir das Gefühl gibt, dass ich richtig helfen kann und für das Büro auch nützlich bin.
Zwischen 12 und 1 Uhr ist die Dame am Empfang zur Mittagspause, weshalb mir der Telefondienst zugeteilt wird. Das bedeutet, den Namen merken und weiter durchstellen oder eine Nachricht hinterlassen. Wenn sie wieder an ihrem Platz sitzt gehe ich in die Mittagspause und schlendere meistens mit einem Sandwich in der Hand durch die Strassen. Nachmittags zeichne ich weiter an meinen Plänen. Am Ende werden sie ausgedruckt oder per e-mail verschickt. Manchmal muss von dem zu bearbeitenden Gebäudeteil noch ein Aufmass gemacht werden. Das bedeutet, dass ich mit einem Massband mit amerikanischen Masssystem losziehe, um die Gebäudemasse nachzumessen und im Plan einzuzeichnen.
Ich war für meine Kollegen nicht die erste Praktikantin, weshalb sie bereits Erfahrungen über sinnvolle Aufgaben haben und wissen was für mich als Architektin aus Deutschland interessant ist. Auch bei sprachlichen Problemen sind sie sehr geduldig. Einer spezifischen Deutschlandfeindlichkeit aufgrund der politischen Situation, bin ich in New York und im Speziellen in meinem Büro, nicht begegnet.
Es gibt hier allerdings schon einige Unterschiede zu den Büros, in denen ich in Deutschland gearbeitet habe. Beispielsweise ist die Kleiderordnung einerseits sehr strikt, Jeans sind nicht erwünscht, andererseits ist der Umgang miteinander lockerer. Auch Bauherren werden beim Vornamen genannt, was in Deutschland eher unüblich ist.
Ich hoffe, dass ich in Deutschland die Möglichkeit bekomme an einem internationalen Bauvorhaben mitzuarbeiten oder sich die Gelegenheit ergibt, für eine zeitlang im Ausland zu arbeiten. Ich würde auch gerne meinen Master in Architektur machen. Für dieses ist es wichtig, dass man sich auf Englisch verständigen kann. Erst wenn man versucht, das Problem an einer Baukonstruktion oder einem Grundriss zu erklären, merkt man, dass einem die spezifischen Vokabeln fehlen, die man dabei am schnellsten lernt. Ausserdem hat mir diese Zeit in New York das Gefühl gegeben, dass es alles nicht so kompliziert ist, wie ich es mir am Anfang ausgemalt habe. Auch in einem anderen Land ist vieles ähnlich, wie bei mir beispielsweise das selbe Zeichenprogramm AutoCAD und man lernt schnell mit den Unterschieden klarzukommen. Ausserdem ist ein Auslandspraktikum als Architektin in New York bestimmt ein positives Merkmal in meinem Lebenslauf.
Agentur: GLS
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